Schmerzbelastung: Studie mit sechs Millionen Menschen zeigt frühe Zunahme
Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 21:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deKörperliche Schmerzen nehmen im Laufe des Lebens nicht einfach kontinuierlich zu, sondern folgen je nach Schmerzart und Geschlecht unterschiedlichen Mustern. Eine umfassende Untersuchung im Fachjournal „Nature Medicine“ analysierte die globale Schmerzbelastung über die gesamte Lebensspanne hinweg.
Für die Auswertung griffen internationale Forschungsgruppen auf über 900 Datenquellen aus den Jahren 1990 bis 2025 zurück. Der Datensatz umfasst mehr als sechs Millionen Menschen im Alter von 5 bis über 100 Jahren aus 118 Ländern, wobei 55 Prozent der Teilnehmenden Mädchen und Frauen waren.
Schmerzmaximum oft vor dem 55. Lebensjahr
Die Auswertung verdeutlicht, dass selbstberichtete Beschwerden nicht linear mit den Lebensjahren wachsen. Stattdessen zeigte sich der stärkste Anstieg über alle erfassten Bereiche hinweg vor dem 55. Lebensjahr. Auch geografisch zeigen sich deutliche Unterschiede im zeitlichen Verlauf: In Westeuropa erreicht die Schmerzhäufigkeit ihr Maximum mit 56 Jahren und sinkt danach ab, während der Höchststand in Nordamerika bei 72 Jahren liegt.
Zugleich verschieben sich die betroffenen Körperregionen im Lebensverlauf. Jüngere Befragte berichteten häufiger über Kopf- und Bauchschmerzen, während in höheren Altersgruppen Beschwerden an Rücken, Hüfte und Knien dominierten.
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Rückenschmerzen weisen der Studie zufolge weltweit eine Prävalenz von 40 Prozent auf. Sie erreichen bei Frauen im Alter von 100 Jahren fast 50 Prozent, bei Männern mit 80 Jahren etwa 30 Prozent.
Kopfschmerzen gipfeln dagegen früher: Bei Frauen liegt der Höchststand mit rund 40 Prozent im Alter von 34 Jahren, bei Männern mit rund 20 Prozent bei 38 Jahren. Gesichtsschmerzen wurden insgesamt von 2 Prozent der Teilnehmenden angegeben.
Geschlechterunterschiede und Intensität
Frauen waren in allen elf untersuchten Körperregionen stärker betroffen als Männer. Ihre Wahrscheinlichkeit für Kopfschmerzen lag 74 Prozent und für Bauchschmerzen 60 Prozent über der von Männern.
Hinsichtlich der Intensität treten starke Schmerzen am häufigsten um das 50. Lebensjahr auf, während generalisierte Schmerzen ihren Höchststand etwa mit 70 Jahren verzeichnen. Intensive Beschwerden sind anteilig ab Anfang 50 am stärksten verbreitet: Sie betrafen knapp über 10 Prozent der Frauen und knapp unter 10 Prozent der Männer. Chronische Ganzkörperschmerzen wurden im hohen Alter hingegen wieder seltener berichtet.
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Einfluss von Lebensstil und sozioökonomischen Faktoren
Die Forschenden untersuchten zudem modifizierbare Risikofaktoren. Weltweit erklären Rauchen, Übergewicht beziehungsweise Adipositas sowie ein geringes Einkommen 18,3 Prozent der gesamten Schmerzbelastung, was knapp 20 Prozent entspricht. Adipositas allein erhöht das Risiko für Gelenkschmerzen um 61 bis 91 Prozent.
Regional variiert dieser Einfluss erheblich: In Ost- und Westeuropa sowie in Nord- und Lateinamerika erklären diese drei Faktoren 22 bis 27 Prozent der Belastung, mit Werten von bis zu 27 Prozent in Osteuropa. In Subsahara-Afrika sowie Zentral- und Südasien liegt der Anteil dagegen unter 14 Prozent, wobei der Wert in Subsahara-Afrika bei 13 Prozent liegt.
Methodische Grenzen und Prävention
Die Wissenschaftler weisen auf regionale Datenlücken und eine eingeschränkte Vergleichbarkeit der Daten hin. Da die Resultate auf Selbstauskünften statt auf klinischen Diagnosen beruhen, erfassen sie weder den individuellen Leidensdruck noch funktionelle Einschränkungen. Zudem bilden Selbstberichte keine individuellen Lebensverläufe ab und trennen akute von chronischen Schmerzen nicht zuverlässig.
Andreas Kopf von der Charité ordnete die Ergebnisse dahingehend ein, dass die Befunde nicht überraschend seien und keine konkreten Schlussfolgerungen speziell für Deutschland erlaubten. Präventionsansätze sollten nach Ansicht der Autorenschaft dennoch früher im Leben ansetzen und regional spezifisch ausgerichtet werden.
