Schmerzen im Alter: Größter Anstieg beginnt schon vor dem 55. Lebensjahr
Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 00:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Dass chronische Beschwerden zwangsläufig als unvermeidbare Begleiterscheinung des Älterwerdens hingenommen werden müssen, trifft nach aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht zu. Vor diesem Hintergrund bieten Experten wie Prof. Dr. Jonas Tesarz von der Universität Mainz und Prof. Dr. Miriam Kunz von der Universität Augsburg telefonische Beratungen zur Aufklärung an.
Anlass für diese Initiative ist eine in der Fachzeitschrift Nature Medicine veröffentlichte Untersuchung unter dem Titel „Schmerzen über die Lebensspanne“, über die unter anderem das Science Media Center am 5. Oktober 2026 berichtete.
Stärkster Anstieg bereits vor dem 55. Lebensjahr
Die Auswertung basiert auf über 900 Datenquellen aus den Jahren 1990 bis 2025 sowie den selbstberichteten Angaben von 6.125.459 Menschen im Alter von 5 bis über 100 Jahren aus 118 Ländern. Untersucht wurden dabei elf Körperregionen; 55 Prozent der Befragten waren weiblich.
Die Ergebnisse zeigen, dass Schmerzen nicht linear mit den Lebensjahren zunehmen. Der stärkste Zuwachs vollzieht sich bereits vor dem 55. Lebensjahr und damit mitten im Erwerbsleben. Beschwerden des Bewegungsapparats verzeichnen zwischen dem 20. und 55. Lebensjahr einen deutlichen Anstieg, während die maximale Prävalenz ab 75 Jahren verzeichnet wird.
Intensive Schmerzen erreichen ab Anfang 50 ihren Höchststand – bei Frauen knapp über, bei Männern knapp unter 10 Prozent. Sind mehrere Körperregionen gleichzeitig betroffen, liegt der Höhepunkt um das 70. Lebensjahr, bevor die Werte wieder sinken. Dennoch leiden über 60 Prozent der 72-jährigen Männer und über 70 Prozent der Frauen über 90 unter Schmerzen.
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Verteilung nach Schmerzarten und Geschlecht
Je nach Schmerzart zeigen sich unterschiedliche Verläufe über die Lebensspanne. Kopf- und Bauchschmerzen treten vor allem in jüngeren Jahren auf. Bauchschmerzen erreichen bei Frauen bereits mit 23 Jahren ihr Maximum, Kopfschmerzen mit 34 Jahren (rund 40 Prozent) beziehungsweise bei Männern mit 38 Jahren (rund 20 Prozent).
Nacken- und Schulterschmerzen erreichen ihren Höchststand bei Frauen mit 61 Jahren (knapp 30 Prozent) und bei Männern mit 63 Jahren (über 20 Prozent), über beide Geschlechter hinweg im Mittel bei circa 62 Jahren.
Rücken-, Hüft- und Knieschmerzen nehmen hingegen auch im höheren Alter zu. Bei Rückenschmerzen beginnt der Anstieg ab Anfang 20; mit Mitte 30 sind rund 30 Prozent betroffen. Am oberen Altersrand bei 100 Jahren liegt der Höchststand bei Frauen bei fast 50 Prozent, während er bei 80-jährigen Männern etwa 30 Prozent beträgt.
Die globale Prävalenz für Rückenschmerzen liegt bei 40 Prozent. Generell sind Frauen bei allen elf untersuchten Körperregionen stärker betroffen, insbesondere an Kopf, Gesicht und Bauch. Ihre Wahrscheinlichkeit für Kopfschmerzen ist um 74 Prozent, für Bauchschmerzen um 60 Prozent erhöht.
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Regionale Faktoren und Prävention
Die Daten belegen zudem deutliche geografische Unterschiede. In Westeuropa inklusive Deutschland liegt das Schmerzmaximum bei 56 Jahren, gefolgt von einem deutlichen Rückgang. Kopfschmerzen erreichen hier mit 39 Jahren ihren Höchststand, Rückenschmerzen mit 60 Jahren und Gelenkschmerzen mit 69 Jahren.
In Nordamerika liegt das Schmerzmaximum hingegen bei 72 Jahren und sinkt danach nur leicht. In ärmeren Ländern sind körperliche Schmerzen im Alter von 80 Jahren um fast 31 Prozentpunkte weiter verbreitet als in reicheren Regionen, Gelenkschmerzen um 21 und Rückenschmerzen um 20 Prozentpunkte.
Zudem tragen modifizierbare Risikofaktoren erheblich zur Schmerzlast bei: Rauchen, Übergewicht und geringes Einkommen erklären insgesamt 18,3 Prozent der Schmerzbelastung – in West- und Osteuropa sowie Nord- und Lateinamerika liegt dieser Wert zwischen 22 und 27 Prozent, in Subsahara-Afrika und Zentral- sowie Südasien unter 14 Prozent.
Adipositas erhöht das Risiko für Gelenkschmerzen dabei um 61 bis 91 Prozent. Fachleute empfehlen zur Prävention regelmäßige Bewegung, das Vermeiden von Übergewicht, den Verzicht auf Tabak sowie die frühzeitige Beachtung von Stress und emotionalen Belastungen.
