Schmerztherapie, Umbruch

Schmerztherapie im Umbruch: Neue Standards und Medikamente für Europa

08.05.2026 - 20:24:29 | boerse-global.de

Neue TYK2-Hemmer gegen Psoriasis-Arthritis zugelassen, während QISA-Indikatoren die ambulante Versorgung verbessern sollen.

Schmerztherapie im Umbruch: Neue Standards und Medikamente für Europa - Foto: über boerse-global.de
Schmerztherapie im Umbruch: Neue Standards und Medikamente für Europa - Foto: über boerse-global.de

Rund 400 Experten trafen sich heute beim Kongress der Österreichischen Schmerzgesellschaft in Villach, um über die Zukunft der Schmerztherapie zu diskutieren. Im Fokus: ein grundlegender Wandel hin zu multimodalen Behandlungsstrategien, die Hightech-Medikamente mit strukturierter Langzeitbetreuung und Lebensstiländerungen verbinden. Allein in Kärnten sind rund 100.000 Menschen von chronischen Schmerzen betroffen.

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Neue Qualitätsstandards für die ambulante Versorgung

Der Wandel wird auch auf regulatorischer Ebene sichtbar. Ende April veröffentlichten der AOK-Bundesverband und das aQua-Institut den QISA-Band C5 mit 13 Qualitätsindikatoren für die ambulante Behandlung chronischer, nicht-tumorbedingter Schmerzen. Das vom Bundesforschungsministerium bis 2027 geförderte RELIEF-Projekt setzt dabei auf Prozessqualität und strukturierte Langzeitbetreuung – ein klarer Schritt hin zu standardisierter und nachvollziehbarer Schmerzversorgung.

Durchbruch bei entzündlichen Gelenkerkrankungen

Besonders vielversprechend sind die Entwicklungen bei der Behandlung der Psoriasis-Arthritis (PsA). Die Europäische Kommission hat heute Sotyktu (Deucravacitinib) von Bristol Myers Squibb für Erwachsene mit aktiver PsA zugelassen, bei denen herkömmliche Therapien versagen. Es ist der erste TYK2-Hemmer, der in der EU für diese Indikation zugelassen wurde.

Die Zulassung stützt sich auf die Phase-3-Studien POETYK PsA-1 und PsA-2. Die Ergebnisse sprechen für sich: Nach 16 Wochen erreichten 54,2 Prozent der Behandelten eine ACR20-Response – ein Standardmaß für klinische Besserung bei Gelenkschmerzen und -schwellungen. In den Placebogruppen lagen die Werte bei 34,1 und 39,4 Prozent.

Parallel dazu zeigen Forschungsergebnisse zu Guselkumab vielversprechende Wirkung bei PsA-Patienten, die auf TNF-Hemmer nicht ausreichend ansprachen. Die SOLSTICE-Phase-3-Studie belegt eine statistisch signifikante Wirksamkeit in zwei verschiedenen Dosierungen. Und Studien von Anfang Mai deuten darauf hin, dass IL-23-Hemmer das Dreijahresrisiko für Psoriasis-Patienten senken könnten, überhaupt eine PsA zu entwickeln.

Pflanzliche Alternativen im Aufwind

Angesichts des Ziels, den Einsatz systemischer Opioide zu reduzieren, erleben pflanzliche und topische Alternativen eine Renaissance. Traditionelle Substanzen wie Weidenrinde – sie enthält Salicin, den Vorläufer des modernen Aspirins – werden ebenso genutzt wie neuere Optionen.

Die Teillegalisierung von Cannabis hat zudem neue Wege in der Schmerztherapie eröffnet. Und natürliche Entzündungshemmer wie Curcumin und Ingwer finden zunehmend Eingang in ganzheitliche Behandlungspläne. Zwar gelten sie eher als Ergänzung denn als Ersatz für die Schulmedizin, doch ihre Wirkung auf Entzündungsmarker wie C-reaktives Protein und Interleukin-6 ist klinisch belegt.

Bei lokalisierten Gelenkschmerzen, insbesondere bei Arthrose, bleibt der Einsatz von Injektionen umstritten. Während Kortisonspritzen wegen möglicher Knorpelschäden akuten Entzündungen vorbehalten sind, gelten Hyaluronsäure-Injektionen zunehmend als vergleichbare Alternative. Sie können Schmerzlinderung und verbesserte Beweglichkeit für Tage bis Monate bieten – ohne die Risiken wiederholter Steroidgaben.

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Versorgungskrise: Zu wenig Ärzte, zu lange Wartezeiten

Trotz aller Fortschritte in der Pharmakologie bleibt die praktische Versorgung ein Problem. Der am Mittwoch veröffentlichte Österreichische Rheumatologiebericht II offenbart eine eklatante Lücke zwischen Bedarf und Angebot. 25 Prozent der Bevölkerung sind von rheumatischen Erkrankungen betroffen – darunter rund 300.000 Fälle von entzündlichem Rheumatismus und 460.000 Osteoporose-Fälle. Doch 2025 gab es in ganz Österreich nur 32 Kassenärzte in diesem Fachbereich. Die Wartezeiten? Wochen bis Monate.

Verschärfend kommt hinzu: 45 Prozent der praktizierenden Rheumatologen sind über 55 Jahre alt. Ohne politische Gegensteuerung droht die Versorgungslücke weiter zu wachsen.

Der Kampf um angemessene Versorgung betrifft längst nicht nur klassische rheumatische Erkrankungen. Der BDP-Verband forderte am Donnerstag die Schließung von Versorgungslücken bei postinfektiösen Erkrankungen wie Long COVID und ME/CFS. Allein in Deutschland sind schätzungsweise 1,4 Millionen Menschen betroffen – die volkswirtschaftlichen Kosten für 2025 werden auf 64,4 Milliarden Euro beziffert.

Patientenprotest in Köln

Am morgigen Samstag ist in Köln eine Demonstration geplant, die auf die Notlage von ME/CFS-Betroffenen aufmerksam machen soll – insbesondere von Kindern und Jugendlichen. Deren Zahl hat sich seit Pandemiebeginn mehr als verdoppelt. Die Gruppen fordern mehr Forschungsgelder und die Entwicklung zugelassener Medikamente für Multisystemerkrankungen, für die es bislang keinen standardisierten Therapieweg gibt.

Neue Erkenntnisse: Wie Schmerz empfunden wird

Die Forschung liefert auch neue Einblicke in die Schmerzwahrnehmung. Eine Studie der Ruhr-Universität Bochum mit 30 Teilnehmern in Langzeitbeziehungen zeigt: „Innerer" Schmerz – etwa Bauchschmerzen – wird intensiver wahrgenommen und löst bei Partnern mehr Empathie aus als „äußerer" Schmerz wie Hitze oder oberflächliche Verletzungen. Chronische innere Entzündungen erfordern demnach möglicherweise andere Unterstützungsstrategien als äußere Muskel-Skelett-Verletzungen.

Auf molekularer Ebene entdecken Forscher, wie Entzündungen für die Heilung genutzt werden können. Eine Studie im Fachjournal Nature Communications vom Mittwoch zeigt an Zebrafischen: Makrophagen senden präzise Entzündungssignale, die tatsächlich die Regeneration von Herzgewebe auslösen. Noch experimentell, aber vielversprechend: Die Zukunft der Schmerz- und Entzündungstherapie könnte nicht in der pauschalen Unterdrückung von Entzündungen liegen, sondern in der gezielten Modulation von Entzündungssignalen zur Gewebereparatur.

Ausblick: Personalisierte Schmerztherapie

Die Kombination aus KI-gestützter Diagnostik, neuen Wirkstoffklassen wie TYK2-Hemmern und einem erneuerten Fokus auf Lebensstil und Ernährung deutet auf einen zunehmend personalisierten Ansatz in der Schmerztherapie hin. Die Experten in Villach betonten die wachsende Bedeutung von „Hospital at Home"-Konzepten und den Einsatz künstlicher Intelligenz zur Identifikation optimaler Behandlungspfade.

Eine „Pille gegen das Altern" oder ein universelles Heilmittel gegen chronische Entzündungen bleibt zwar in weiter Ferne. Doch das unmittelbare Ziel der medizinischen Gemeinschaft ist klar: die Lücke zwischen Forschung und klinischer Praxis zu schließen. Mit den neuen QISA-Qualitätsindikatoren und der fortgesetzten Einführung zielgerichteter Biologika soll Millionen von Patienten mit chronischen Muskel- und Gelenkschmerzen endlich eine konsistente und wirksame Linderung verschafft werden.

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