Schneider Electric kauft Cognite für 3,1 Milliarden: KI-Expansion
Veröffentlicht: 08.07.2026 um 01:48 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Im Kern geht es nicht mehr nur um schnellere Roboterarme, sondern um die Vernetzung von Maschinen, Echtzeitdaten und intelligenter Software. Milliarden-Übernahmen und neue KI-Tools treiben die Entwicklung rasant voran.
Siemens schickt Engineering-Agenten ins Rennen
Ein zentraler Trend: Die Automatisierung des Engineerings selbst. Siemens hat im April 2026 einen Engineering-Agenten freigegeben, der speicherprogrammierbare Steuerungen (SPS) im TIA Portal weitgehend autonom plant und programmiert. In einer Pilotphase mit über 100 Unternehmen steigerte das System die Effizienz um bis zu 50 Prozent. Seit Juni 2026 verarbeitet der Agent zudem AutomationML-Dateien und glättet so den Workflow zwischen verschiedenen Tools.
Kuka treibt parallel die „Automation 2.0“ voran. Die Plattform Kuka AMP verknüpft klassische Automatisierung mit intentbasierten Systemen. Roboter agieren weniger als starre Maschinen, sondern als intelligente Kollaborateure. Die Strategie trägt Früchte: Die Kuka Group wies für 2025 ein profitables Umsatzwachstum von vier Prozent und steigende Auftragseingänge aus.
Schneider Electric kauft sich KI-Know-how für 3,1 Milliarden
Der Markt für Industrie-Software ist in Bewegung. Schneider Electric übernimmt den Industriedaten-Spezialisten Cognite für 3,1 Milliarden US-Dollar. Das 2017 gegründete Unternehmen mit über 800 Mitarbeitern erwirtschaftete 2025 mehr als 170 Millionen US-Dollar Umsatz. Die Integration in die AVEVA-Sparte soll die Position im Bereich industrieller KI-Software festigen.
Die rasante Integration von KI-Systemen in die industrielle Fertigung bringt neue rechtliche Anforderungen mit sich, die viele Unternehmen noch nicht vollständig überblicken. Dieser kostenlose Umsetzungsleitfaden zum EU AI Act hilft Ihnen, die relevanten Risikoklassen und Fristen für Ihre IT-Abteilung rechtzeitig zu identifizieren. EU AI Act in 5 Schritten verstehen
Auch Caterpillar investiert massiv in digitale Zwillinge. Anfang Juli 2026 gab der Konzern die Übernahme von Skycatch bekannt. Dessen Technologie erfasst Geodaten in Beinahe-Echtzeit und soll Sicherheit und Produktivität im Bergbau steigern – durch die enge Verzahnung mit bestehenden Flottenmanagementsystemen.
Weitere Transaktionen im Juli 2026: SAP schloss die Übernahme der Data-Lakehouse-Plattform Dremio ab. Lockheed Martin kaufte Ultra Maritime für 3,45 Milliarden US-Dollar, um seine Kompetenzen bei Unterwasser-Systemen auszubauen.
Logistik und Spezialfertigung: Automatisierung auf dem Vormarsch
Neben den Konzernstrategien zeigt sich der Fortschritt auf Werksebene. Der Hersteller hydraulischer Antriebssysteme LHY aus Aschaffenburg digitalisiert seit 2025 seine Materialanforderungen und Transportprozesse. Spezialisierte Software von KNOLL Maschinenbau reduziert manuelle Abstimmungen und schafft eine fundierte Datenbasis für Prozessanalysen.
Mit der zunehmenden Vernetzung und dem Einsatz autonomer Systeme in der Produktion wachsen auch die Anforderungen an die technologische Compliance und Sicherheit. Welche neuen Regeln für industrielle KI-Systeme jetzt gelten und wie Sie diese dokumentieren müssen, erfahren Sie in diesem aktuellen Experten-Report. Kostenlosen Leitfaden zur KI-Verordnung herunterladen
In der Verteidigungsindustrie gibt es neue Produktionsimpulse. Die Deutz AG hat in Ulm die Serienproduktion eines unbemannten Bodensystems namens „Gereon“ aufgenommen. Für das erste Halbjahr 2026 liegt bereits ein Großauftrag über 25.000 Einheiten vor. Deutz liefert die batterieelektrischen Antriebe. Die ersten Auslieferungen sind für den Spätsommer 2026 geplant.
Fachmessen als Impulsgeber
Das zweite Halbjahr 2026 verspricht weitere Impulse. Auf der Fachmesse AMB im September in Stuttgart werden Neuerungen in der CAD/CAM-Programmierung erwartet – darunter KI-gestützte Entgratungsstrategien und erweiterte MES-Lösungen für die Fertigungssteuerung.
Gleichzeitig rückt die Automatisierung in spezialisierten Nischen wie der Beschichtungstechnik in den Fokus. Experten diskutieren im September über flexible, modulare Systeme und hochautomatisierte Entnahmeanlagen. Diese erreichen Durchsätze von über 1.000 Teilen pro Stunde bei Taktzeiten von unter drei Sekunden. Solche Lösungen für die Galvanik im Flugzeugbau zeigen: Hochgradig individualisierte Kleinserienfertigung und Automatisierung schließen sich nicht länger aus.
