Ist meine Katze noch normal?
01.02.2024 - 07:32:41Fast alle Hauskatzen sind neugierig auf Neues - fast keine markiert stĂ€ndig Möbel oder Hosenbeine. Das zumindest ergibt die Auswertung Hunderter von spanischen Katzenbesitzern ausgefĂŒllter Fragebögen.
Die meisten Miezen (81 Prozent) schnurren demnach meistens oder immer, wenn sie gestreichelt werden, wie es im Fachjournal «Journal of Veterinary Behavior» heiĂt. Fast ebenso viele miauen, wenn sie raus oder in einen anderen Raum wollen. Und, Katzenfans mag es kaum verwundern: Nur knapp 70 Prozent der Tiere reagieren fast immer oder immer, wenn sie gerufen werden.
Ziel der Studie war herauszufinden, welche Faktoren das Verhalten einer Katze beeinflussen. Neben der Rasse sowie Herkunft und Alter bei der Anschaffung sind das demnach unter anderem die allein verbrachte Zeit, das Vorhandensein anderer Haustiere und die Vorerfahrung des jeweiligen Halters.
Was droht mir mit einer Katze im Haus?
Besitzer könnten anhand der erhaltenen Daten feststellen, wie normal das Verhalten der eigenen Katze verglichen mit Tieren mit Àhnlichen Grundvoraussetzungen ist, so die Forscher. Menschen mit Katzenwunsch wiederum könnten die Ergebnisse helfen zu verstehen, wie es sei, eine solches Tier im Haus zu haben.
Die Hauskatze (Felis silvestris catus) ist eine der weltweit beliebtesten Haustierarten. In der EU haben rund 90 Millionen Haushalte (46 Prozent) mindestens ein Haustier, Katzen sind das hĂ€ufigste, wie es in der Studie heiĂt.
Oft Abgabe wegen Verhaltensproblemen
Zugleich aber wĂŒrden allein in den USA jĂ€hrlich mehr als drei Millionen Katzen in Tierheime gegeben. Und zumindest fĂŒr Spanien sei bekannt, dass Verhaltensprobleme die Liste der GrĂŒnde fĂŒr eine Abgabe anfĂŒhren. Studien hĂ€tten gezeigt, dass solche Probleme bei Hauskatzen generell recht hĂ€ufig vorkommen - Katzenbesitzer suchten aber weniger oft Rat bei Experten als Hundebesitzer.
Das Team um David Menor-Campos von der UniversitĂ€t CĂłrdoba (Spanien) nutzte als Erhebungsinstrument «Fe-BARQ», einen Fragebogen mit 100 Punkten zur Beurteilung von Katzenverhalten. Er kann von Katzenbesitzern genutzt werden, um das Verhalten ihres Tieres besser einschĂ€tzen zu können. Angegeben wird auf einer 5er-Skala jeweils, wie hĂ€ufig - von «nie» bis «immer» - ein bestimmtes Verhalten in den zurĂŒckliegenden Monaten auftrat.
Viel Neugier, selten Aggression
FĂŒr die Studie wurden Fe-BARQ-Angaben von 816 Katzenbesitzern ausgewertet. Die meisten der berĂŒcksichtigten Tiere waren kastriert und bereits erwachsen. Nur ein kleiner Teil war reinrassig, vertreten waren dabei vor allem EuropĂ€isch Kurzhaar, Siam und Perser. Interesse an neuen Objekten oder VerĂ€nderungen in ihrer Umgebung zeigten demnach 83 Prozent der Tiere immer oder meistens. FĂŒr 88 Prozent der Katzen gaben die Besitzer an, dass sie nie oder selten auĂerhalb der Katzentoilette Urin etwa an Möbel oder Hosenbeine spritzen.
Beruhigend dĂŒrften angehende Katzenbesitzer auch finden, dass rund 90 Prozent der Tiere den Angaben ihrer Halter zufolge nie oder fast nie FĂŒĂe oder Beine auf eine Weise attackieren, die nichts mehr mit Spielen zu tun hat. Ebenso hoch ist der Anteil beim Nicht-Zerfetzen und Nicht-Zerkratzen von Dingen, wenn die Katze allein daheim ist.
Kater setzen sich lautstark in Szene
Weibchen wurde hĂ€ufiger AggressivitĂ€t bescheinigt, sowohl gegenĂŒber Fremden als auch gegenĂŒber dem Besitzer, Katern mehr Kontaktfreudigkeit, leichtere Erziehbarkeit - und mehr LĂ€rm. Kastrierte Tiere waren im Mittel verspielter. Katzen, die regelmĂ€Ăig mehr als vier Stunden allein daheim verbrachten, zeigten eher zwanghafte Verhaltensweisen. Auf dem Bett und nicht im eigenen Körbchen schlummernde Katzen wiederum waren im Mittel verspielter, buhlten aber auch stĂ€rker um Aufmerksamkeit und hatten eine höhere Rate an trennungsbedingten Verhaltensproblemen.
GroĂen Einfluss hatte das Zusammenleben mit einem Hund: Katzen in Hundehaushalten schnurren und spielen nach Angaben der Besitzer im Mittel hĂ€ufiger und zeigen weniger VerhaltensauffĂ€lligkeiten. Beim kleinen Teil der Rassekatzen ergaben die Antworten den Forschern zufolge, dass Siamkatzen geselliger sind als Perserkatzen und mehr Angst vor Neuem sowie Trennung haben als EuropĂ€ische Kurzhaarkatzen.
Bei den gefundenen ZusammenhĂ€ngen ist allerdings zu beachten, dass die entsprechenden Gruppen teils sehr klein waren, die Ergebnisse darum nicht als statistisch fest gesichert anzusehen sind. Zu den EinschrĂ€nkungen der Studie zĂ€hlen die Forscher auch, dass es bei der Beantwortung des Fragebogens durch die Besitzer zu subjektiven Verzerrungen gekommen sein kann. Zudem seien kastrierte Tiere sowie Haushalte mit mehreren Katzen vermutlich ĂŒberreprĂ€sentiert gewesen.


