Schockanrufe: Polizei warnt vor Welle betrügerischer Anrufe
Veröffentlicht am: 19.08.2026 um 17:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Polizeidirektion Chemnitz hat eine dringende Warnung vor einer aktuellen Welle von Schockanrufen herausgegeben. Wie die Behörde am Dienstag mitteilte, häuften sich in den vergangenen Stunden Meldungen über betrügerische Anrufversuche in Chemnitz, Hainichen, Thalheim, Johanngeorgenstadt und weiteren umliegenden Gemeinden. Bisher seien über ein Dutzend Hinweise bei der Polizei eingegangen; in diesen Fällen sei glücklicherweise noch kein finanzieller Schaden entstanden.
Häufung von Betrugsversuchen in Mitteldeutschland
Die Täter nutzen dabei oft die Methode, sich als Amtsträger oder nahe Angehörige in Not auszugeben. Auch in Apolda wurden am Dienstagabend ein 84-jähriger Mann und eine 73-jährige Frau Ziel falscher Kriminalbeamter.
In beiden Fällen blieben die Senioren wachsam und machten keine Angaben zu ihren Vermögensverhältnissen, woraufhin kein Schaden entstand. Die Polizei betont in diesem Zusammenhang, dass echte Beamte niemals telefonisch nach Bargeld oder Wertgegenständen fragen würden.
Nicht alle Versuche verlaufen jedoch ohne Folgen. In Osnabrück übergab eine 84-jährige Frau nach einem Schockanruf Bargeld und Schmuck an einen unbekannten Abholer. Die Polizei sucht nun nach Zeugen des Vorfalls. In Freiberg wurde am 18. August zudem eine Anzeige wegen Anlagebetrugs erstattet. Eine 75-Jährige verlor seit Dezember 2025 über 75.000 Euro an Betrüger.
Falsche Bankmitarbeiter und Call-ID-Spoofing
Ein weiterer Schwerpunkt der aktuellen Betrugsserie liegt auf manipulierten Anrufer-IDs, dem sogenannten Call-ID-Spoofing. In Bielefeld wurde ein 73-jähriger Mann Anfang August von einem vermeintlichen Bankmitarbeiter kontaktiert und dazu bewegt, eine höhere Summe auf ein ausländisches Konto zu überweisen. Durch eine schnelle Rückbuchung konnte der finanzielle Verlust hier abgewendet werden.
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In Gütersloh kontrollierte die Polizei bereits am 13. August vier junge Männer aus Bremen und einen aus Steinhagen, die im Verdacht stehen, als Geldabholer für eine Betrügerbande tätig zu sein.
Das Landgericht Köln verhandelt derzeit gegen zwei Männer im Alter von 35 und 40 Jahren wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs. Den Beschuldigten wird vorgeworfen, sich als Bankmitarbeiter ausgegeben und EC-Karten sowie PIN-Nummern von Senioren in Wissen, Morsbach und Overath erbeutet zu haben.
Bundesnetzagentur warnt vor gezielten Maschen
Die Bundesnetzagentur verzeichnete für das Jahr 2025 insgesamt 85.000 Beschwerden im Zusammenhang mit Telefonbetrug und schaltete rund 6.200 Rufnummern ab.
Aktuell warnt die Behörde gemeinsam mit der BaFin vor einer Masche gegen Kunden des Finanzdienstleisters Trade Republic. Dabei werden die Berliner Rufnummer 030/30015893 und die Stuttgarter Nummer 0711/20709527 genutzt. Die Betrüger fordern ihre Opfer auf, Verifizierungscodes weiterzugeben, die mit der Kennung „TR“ beginnen.
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Zusätzlich warnen das Bundesministerium der Finanzen (BMF) und die Bundeskasse vor gefälschten Schreiben des Bundeszentralamts für Steuern (BZSt). Darin werden Verspätungszuschläge oder Gebühren für die Auszahlung von Kryptogewinnen gefordert. Weder das BMF noch die Europäische Zentralbank (EZB) oder die Anti-Geldwäschebehörde AMLA würden derartige Gebühren vorab verlangen.
Internationale Dimension des Telefonbetrugs
Die Problematik ist nicht auf Deutschland beschränkt. In der Ukraine identifizierte der Sicherheitsdienst SBU insgesamt 94 Call-Center, die EU- und US-Bürger durch gefälschte Brokerage-Plattformen geschädigt haben sollen. Dabei wurden Ausrüstungen, Gold und rund 2 Millionen US-Dollar Bargeld beschlagnahmt.
In Italien waren laut Verbraucherschützern im Jahr 2025 etwa 2,9 Millionen Bürger von Betrug bei Rechnungen betroffen, was einen Gesamtschaden von rund 650 Millionen Euro verursachte.
Besonders drastisch zeigt sich die Dimension in den Niederlanden, wo eine 43-jährige Frau aus Wateringen zirka 2,4 Millionen Euro durch Krypto-Anlagebetrug verlor. Der Betrug begann mit Online-Werbung und führte über Monate hinweg zu immer neuen Forderungen. In der nächsten Woche wird eine Gerichtsentscheidung dazu erwartet, ob die Handelsplattform KuCoin zur Herausgabe von Nutzerdaten gezwungen werden kann.
