Mehr Gehen, weniger Schmerzen im RĂŒcken
16.06.2025 - 10:55:56Wer tĂ€glich zu FuĂ unterwegs ist, hat ein geringeres Risiko, chronische Schmerzen im unteren RĂŒcken zu entwickeln. Das zeigt eine groĂe norwegische Langzeitstudie, die im Fachjournal «JAMA Network Open» erschienen ist. Demnach war das Risiko fĂŒr chronische RĂŒckenschmerzen bei Menschen, die mehr als 100 Minuten tĂ€glich gingen, um 23 Prozent niedriger als bei jenen mit weniger als 78 Gehminuten pro Tag.
Mit Sensoren zu Bewegungsdaten
FĂŒr die Untersuchung griff das Team um Rayane Haddadj von der Norwegischen UniversitĂ€t fĂŒr Wissenschaft und Technik auf Daten der HUNT-Studie zurĂŒck â einer groĂangelegten Gesundheitsbefragung mit Zehntausenden Teilnehmenden.Â
Von diesen trugen mehr als 11.000 Erwachsene, die zu Studienbeginn zwischen 2017 und 2019 keine chronischen RĂŒckenschmerzen hatten, fĂŒr mehrere Tage Bewegungssensoren am Oberschenkel und unteren RĂŒcken. So konnte das Forschungsteam objektiv erfassen, wie viel und wie intensiv sich die Personen bewegten. Die HUNT-Gesundheitsbefragung wurde zwischen 2021 und 2023 wiederholt, so dass die Forschungsgruppe die Daten vergleichen konnte.
Das Ergebnis: Das Risiko fĂŒr chronische RĂŒckenschmerzen â definiert als Beschwerden ĂŒber mindestens drei aufeinanderfolgende Monate im Vorjahr â nahm mit zunehmender Gehzeit ab. Insgesamt berichteten in den rund vier Jahren nach der ersten Erhebung 15 Prozent oder gut 1.600 der Teilnehmenden von anhaltenden RĂŒckenschmerzen.
QuantitÀt wichtiger als Geschwindigkeit
Neben dem Umfang war auch die IntensitĂ€t des Gehens mit einem geringeren Risiko assoziiert â allerdings war dieser Zusammenhang weniger stark ausgeprĂ€gt. Die Forschenden schlieĂen daraus, dass es fĂŒr die RĂŒckengesundheit wichtiger ist, wie viel man sich zu FuĂ bewegt â und weniger, wie schnell man geht.
Der an der Studie unbeteiligte stellvertretende GeneralsekretĂ€r der Deutschen Gesellschaft fĂŒr OrthopĂ€die und Unfallchirurgie, Bernd Kladny, hĂ€lt die Messung der AktivitĂ€t mit SchrittzĂ€hlern und anderen sogenannten Wearables fĂŒr eine geeignete Vorgehensweise. Er weist darauf hin, dass der IntensitĂ€t des Gehens mit Blick auf RĂŒckenschmerzen zwar keine besondere Bedeutung zuzurechnen sei â dies aber mit Blick auf den Herz-Kreislauf-Bereich anders sei.Â
Die Studie hat auch EinschrĂ€nkungen, wie das norwegische Forschungsteam selbst schreibt. So wurde die GehaktivitĂ€t nur zu einem Zeitpunkt erfasst und könnte sich im Laufe der Jahre verĂ€ndert haben. Zudem handele es sich um eine Beobachtungsstudie: Ursache und Wirkung lieĂen sich nicht eindeutig feststellen. Denkbar ist zum Beispiel, dass jene Teilnehmer, die viele Schritte machen, ohnehin mehr auf ihre Gesundheit und damit möglicherweise auch auf ihre RĂŒckengesundheit achten.
Auch könnten unberĂŒcksichtigte Faktoren die Ergebnisse beeinflusst haben, etwa andere Formen der körperlichen AktivitĂ€t oder VerĂ€nderungen der Gesundheit wĂ€hrend der Nachbeobachtungszeit.
RĂŒckenschmerzen - auch in Deutschland ein Volksleiden
Trotzdem liefern die Ergebnisse laut dem Forschungsteam wichtige Hinweise fĂŒr die PrĂ€vention. Da Gehen eine einfach zugĂ€ngliche und kostengĂŒnstige Form der Bewegung sei, könnten Programme zur Gesundheitsförderung gezielt darauf setzen, so die Autorinnen und Autoren.
TatsĂ€chlich gehören RĂŒckenschmerzen laut Robert Koch-Institut (RKI) auch hierzulande «seit langem zu den gröĂten Gesundheitsproblemen». Laut einer RKI-Erhebung von 2021 litten gut 61 Prozent der Befragten in den letzten zwölf Monaten vor der Umfrage an RĂŒckenschmerzen. Dabei waren Schmerzen des unteren RĂŒckens etwa doppelt so hĂ€ufig wie Schmerzen des oberen RĂŒckens. 15,5 Prozent der Befragten berichten von chronischen RĂŒckenschmerzen.







