Schul-Cloud, Bundesländer

Schul-Cloud: Sechs Bundesländer setzen auf Nextcloud statt Microsoft und Google

Veröffentlicht am: 08.11.2026 um 18:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Berlin, Bremen, Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz bündeln ihre Beschaffung für eine vierjährige Open-Source-Schulplattform.
Ein heller, moderner Klassenraum mit Holztischen und Stühlen vor einer leeren grünen Schultafel. Illustration mit AI erstellt.

Im deutschen Schulwesen gewinnt das Streben nach digitaler Souveränität an Bedeutung. Sechs Bundesländer haben einen Rahmenvertrag über eine gemeinsame Open-Source-Bildungsplattform auf Basis von Nextcloud geschlossen, um die bestehende Abhängigkeit von US-Anbietern wie Microsoft und Google zu verringern.

Die Vereinbarung zwischen Berlin, Bremen, Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz wurde anlässlich des Digital-Gipfels der Bundesregierung in Berlin angekündigt, der vom 2. bis zum 3. November 2026 stattfand.

Technische Basis und Bereitstellung durch Ionos und Nextcloud

Das für den Schulbetrieb vorgesehene Softwarepaket trägt den Namen Ionos Nextcloud Workspace. Es dient als direkte Alternative zu weit verbreiteten Suiten wie Microsoft 365 und Google Workspace. Der Funktionsumfang deckt zentrale Anwendungen des schulischen Alltags ab: Neben dem Dateiaustausch umfasst die Lösung Werkzeuge für Videokonferenzen, Messenger-Dienste, E-Mail-Kommunikation, Kalenderfunktionen sowie integrierte Office-Programme.

Bei der Bereitstellung greift die Initiative auf eine Aufgabenteilung zweier deutscher Unternehmen zurück. Die zugrundeliegende Software wird vom Stuttgarter Anbieter Nextcloud bereitgestellt, während der Cloud-Anbieter Ionos für die technische Infrastruktur und das Hosting der Plattform verantwortlich zeichnet.

Über die vierjährige Vereinbarung hinweg erhalten Schulen in den sechs beteiligten Ländern Zugang zu dieser zentral gehosteten Kollaborationsplattform.

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Vertragskonditionen und Nutzerstaffelung über govdigital eG

Die Beschaffung der Plattform wird über die Genossenschaft govdigital eG abgewickelt, wodurch für die teilnehmenden Bundesländer keine neuen Ausschreibungsverfahren erforderlich werden. Die vereinbarte Vertragslaufzeit beläuft sich auf 4 Jahre.

Das Preismodell der Vereinbarung ist in 5 Pläne unterteilt, die sich an der Anzahl der aktiven Nutzer orientieren. Die Staffelung reicht von maximal 50.000 bis hin zu über 500.000 Nutzern. Aus den Einträgen im offiziellen Vergabeportal des Bundes geht hervor, dass der maximale Vertragswert bei 67,5 Mio. Euro liegt.

Datenschutzanforderungen und regionale Ausgangslagen

Hinter dem Vorhaben stehen insbesondere datenschutzrechtliche Bedenken. Hamburg verfolgt mit dem Schritt das Ziel, Daten von Schülerinnen und Schülern wieder vollständig in Deutschland zu speichern. Bislang liefen schulische Datenströme über Server in den USA, wodurch US-Behörden potenziell rechtliche Zugriffsmöglichkeiten hatten.

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Der Hamburger Senat vollzieht nun den Umstieg auf die Open-Source-Software für den Dateiaustausch, Chats, E-Mails und Videokonferenzen an Schulen. Ob auch die restlichen Bereiche der Hamburger Verwaltung dem Vorgehen der Schulen folgen werden, gilt derzeit noch als unklar.

Innerhalb Deutschlands treffen die sechs Länder auf unterschiedliche Erfahrungswerte. Während Berlin, Bremen, Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz den Ausbau nun gemeinsam vorantreiben, nutzt Schleswig-Holstein die Software von Nextcloud bereits seit einigen Jahren im schulischen Bereich.

Die aktuelle Kooperation bündelt die Nachfrage mehrerer Flächen- und Stadtstaaten, um den Betrieb rechtssicher und unabhängig von internationalen Großkonzernen zu gestalten.

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