Schulen stärken Resilienz: 1.200 Schüler in Pilotprojekt BOUNCE BACK
03.07.2026 - 09:34:20 | boerse-global.de
Die Nachfrage nach Resilienz-Trainings boomt – in der Wirtschaft, in Schulen, in Kitas. Dahinter steckt ein grundlegender Wandel im Verständnis von psychischer Widerstandskraft.
Früher galt Resilienz als angeborene Eigenschaft. Heute sehen Forscher und Unternehmen darin eine trainierbare Kompetenz. Und sie handeln: mit Führungsprogrammen, KI-Assistenten und Präventionsprojekten für Kinder.
Management unter Dauerstrom
Die Belastung in Führungsetagen ist enorm. Manager wie Leonhard Birnbaum (Eon) arbeiten bis zu 70 Stunden pro Woche. Die Vorbereitung auf Vorstandssitzungen beginnt oft sonntagmorgens. Auch Bettina Orlopp (Commerzbank) und Oliver Dörre (Hensoldt) rücken das Thema Stressbewältigung in den Fokus.
Ein neuer Trend setzt auf technische Entlastung. Christina Puello (Deutsche Dienstrad) nutzt eine KI-Assistentin für administrative Aufgaben. Hirnforscher Volker Busch betont: Resilienz ist erlernbar.
Unternehmen reagieren mit internen Programmen. Die abresa GmbH startete im Juli ein Nachwuchsprogramm für rund 20 Mitarbeitende. Coaching und Praxis kombinieren sie, um Führungskompetenzen nachhaltig zu entwickeln.
Die Schutzmacht des guten Chefs
Dass der Führungsstil die psychische Gesundheit der Belegschaft beeinflusst, belegt eine Meta-Analyse im Fachjournal Current Psychology. Die Forscher werteten 25 Studien mit 10.168 Teilnehmenden aus.
Das Ergebnis: Transformationale Führung schützt vor Burnout. Dieser Stil korreliert negativ mit emotionaler Erschöpfung und Depersonalisation. Gleichzeitig steigt die persönliche Wirksamkeit der Mitarbeiter.
Uli Funke von AFAN Solutions erklärt, dass solche Führung neurologische Schutzmechanismen aktivieren kann. Besonders stark zeigten sich die Effekte in Langzeitstudien sowie im Gesundheitswesen und in sozialen Einrichtungen.
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Frühe Weichenstellung in Schulen und Kitas
Auch das Bildungssystem zieht nach. Das EU-Interreg-Projekt „BOUNCE BACK" erreichte im Juli an Wiener Schulen rund 1.200 Schüler in 16 Pilotklassen. Mit dem Folgeprojekt „BOUNCING FORWARD" sollen Workshops für Lehrkräfte und spezielle Projekttage zur Stärkung der Lebenskompetenz kommen.
Bildungsdirektorin Elisabeth Fuchs betont die Notwendigkeit, Kinder frühzeitig auf gesellschaftliche Veränderungen vorzubereiten.
Krankenkassen wie die AOK setzen auf das Programm „Klasse 2000". Allein in Bayern fördern sie mehr als 2.000 Schulklassen. Frank Schnabel von der AOK erklärt: Resilienz bei Kindern entsteht vor allem durch sichere Bindungen, Struktur und altersgerechte Herausforderungen.
Sogar in Kitas wird das Thema aufgegriffen. Ein spendenfinanziertes Selbstbehauptungstraining in der Kita „Traumwald" in Gründau soll die psychosoziale Gesundheit von Vorschulkindern stärken.
Lehrkräfte am Limit – trotz hoher Lebenszufriedenheit
Die Belastung für pädagogisches Personal bleibt hoch. Ein Bildungstalk im Juni thematisierte Studienergebnisse: Mehr als die Hälfte der Lehrkräfte ist psychisch stark beansprucht. Dennoch gaben 71 Prozent der Befragten an, grundsätzlich mit ihrem Leben zufrieden zu sein.
Lehrkräfte psychisch am Limit – doch frühzeitige Prävention schützt Ihr Kind. Mit der Checkliste aus dem EU-Pilotprojekt erkennen Sie frühzeitig Warnsignale und handeln richtig. Präventions-Checkliste jetzt sichern
Fachleute fordern verpflichtende Supervisionen für Lehrkräfte und eine Reduktion des Leistungsdrucks im Schulalltag.
Individuelle Initiativen zur Weiterbildung gewinnen an Bedeutung. Mitte Juni nahm eine Lehrkraft aus der Steiermark an einer Erasmus+-Fortbildung in Amsterdam teil – zum Thema emotionale Intelligenz und Burnout-Prävention. Auch für Pflegekräfte sind entsprechende Angebote geplant. Das Klinikum am Weissenhof bietet im Juli Schulungen in autogenem Training und Atemtechniken an. Ziel: mehr Gelassenheit im Berufsalltag.
