Schulgesundheit: Bündnis fordert 10.000 Fachkräfte für 6,5 Millionen Schüler
02.06.2026 - 01:48:26 | boerse-global.deEin breites Bündnis aus Krankenkassen, Schüler- und Elternvertretern sowie Pflegeverbänden fordert einen massiven Ausbau medizinischer Fachkräfte an Schulen. Das Ziel: eine flächendeckende Gesundheitsversorgung für 6,5 Millionen Schüler.
Memorandum mit klaren Forderungen
Der BKK Dachverband, die Bundesschülerkonferenz, der Bundeselternrat und der Deutsche Pflegerat haben Anfang Juni ein gemeinsames Memorandum vorgelegt. Darin fordern sie die Schaffung von bis zu 10.000 Stellen für spezialisierte Pflegekräfte. Kern der Initiative ist ein sogenannter Schulgesundheitspakt zwischen Bund und Ländern.
Bislang ist die medizinische Betreuung an deutschen Schulen nur lückenhaft. Im März 2026 waren bundesweit lediglich 137 Schulgesundheitspflegekräfte fest angestellt. Das neue Konzept soll das Angebot massiv ausweiten – um eine Abdeckung von über 70 Prozent der Schülerschaft zu erreichen.
Die Fachkräfte sollen besonders an Brennpunktschulen eingesetzt werden. Anne-Kathrin Klemm vom Vorstand des BKK Dachverbandes schlägt vor, eine Fachkraft für mehrere Schulen gleichzeitig einzusetzen. Das Memorandum soll im Herbst 2026 an Bundesgesundheitsministerin Nina Warken übergeben werden.
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Psychische Belastungen nehmen rasant zu
Die Forderung stützt sich auf alarmierende Daten zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Jedes fünfte Kind leidet unter psychischen Auffälligkeiten. Besonders deutlich wird die Entwicklung bei Angststörungen: Innerhalb von fünf Jahren stiegen sie um 17 Prozent. Bei Mädchen sogar um 23 Prozent.
Die Zahlen sind konkret: In einer durchschnittlichen Schulklasse mit 25 Schülern finden sich statistisch sechs Kinder mit psychischen Störungen, ein Kind mit Asthma und ein Kind mit behandlungsbedürftigem Übergewicht. Die Langzeitfolgen sind erheblich – rund 80 Prozent der übergewichtigen Jugendlichen behalten dieses Problem bis ins Erwachsenenalter.
Schulgesundheitsfachkräfte sollen hier frühzeitig eingreifen und Präventionsarbeit leisten. Das Konzept setzt also nicht nur auf Akutversorgung, sondern vor allem auf Vorbeugung.
Zuckersteuer als Finanzierungsquelle?
Ein zentraler Punkt bleibt die Finanzierung. Als mögliche Quelle wird eine Zuckersteuer ins Spiel gebracht, wie sie bereits von der Finanzkommission Gesundheit vorgeschlagen wurde. Diese Mittel könnten zweckgebunden für den Schulgesundheitspakt eingesetzt werden.
Die Befürworter verweisen auf positive Erfahrungen aus Modellprojekten. In Rheinland-Pfalz zeigte sich eine hohe Akzeptanz: Rund 95 Prozent der Eltern und des Schulpersonals waren mit der Arbeit der Gesundheitsfachkräfte zufrieden. Neben Rheinland-Pfalz sind solche Fachkräfte bereits in Bremen, Brandenburg und Hessen im Einsatz.
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Das neue Memorandum zielt nun auf eine einheitliche, bundesweite Lösung ab. Ob die Politik die Forderungen umsetzt, dürfte sich im Herbst zeigen – wenn das Papier offiziell übergeben wird.
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