Schulpsychologie Wien: Multiprofessionelle Teams enden im Juni
Veröffentlicht am: 11.09.2026 um 00:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Stadt Wien bereitet eine grundlegende Umstrukturierung der psychosozialen Unterstützung an ihren Pflichtschulen vor. Mit dem Ende des Schuljahres 2025/26 wird der Einsatz der bisherigen multiprofessionellen Teams eingestellt.
Diese Entscheidung markiert einen Strategiewechsel in der Betreuungslandschaft, da die Stadt künftig auf den Chancenbonus des Bundes als zentrales Instrument setzt. Der Übergang stößt jedoch auf deutliche Kritik hinsichtlich der personellen Kontinuität und der Versorgungssicherheit für die betroffenen Schülerinnen und Schüler.
Die Entwicklung der multiprofessionellen Betreuung in Wien
Ursprünglich verfolgte die Stadt Wien ambitionierte Pläne für den Ausbau der schulinternen Unterstützung. Ab Oktober 2024 war der Aufbau von 17 multiprofessionellen Teams an 52 Pflichtschulstandorten vorgesehen.
Diese Initiative sollte bis Ende 2026 rund 15.000 Kindern zugutekommen. Berichten vom September 2026 zufolge sind aktuell 46 Mitarbeiter an 29 Standorten in drei Wiener Bezirken im Einsatz, was einem Umfang von 34,5 Vollzeitäquivalenten entspricht.
Detaillierte Erhebungen zum Stichtag 27.6.2025 verdeutlichen die personelle Struktur dieses Projekts: Von den 46 Beschäftigten waren zu diesem Zeitpunkt 11 in Vollzeit und 35 in Teilzeit tätig. Die nun beschlossene Einstellung dieses Modells bedeutet das Ende eines Versuchs, spezialisierte Teams direkt an den Schulstandorten zu etablieren, um auf psychosoziale Herausforderungen im Schulalltag zu reagieren.
Übergang zum bundesweiten Chancenbonus ab 2026/27
Als Ersatz für die auslaufenden Wiener Teams soll der Chancenbonus des Bundes dienen. Dieses Modell sieht ab dem Schuljahr 2026/27 ein jährliches Budget von 65 Mio. Euro vor.
Ziel ist es, bundesweit bis zu 800 zusätzliche Vollzeitäquivalente an 400 Schulen zu schaffen. Davon sollen laut aktuellen Planungen 244 Volksschulen und 156 Mittelschulen profitieren, was etwa 112.000 Schülerinnen und Schüler umfasst.
Mit dem Ende des Schuljahres 2025/26 stellt Wien seine multiprofessionellen Schulteams ein — 34,5 Vollzeitstellen fallen weg, der Chancenbonus des Bundes greift erst ab 2026/27. Für Eltern heißt das: Sie müssen wissen, wer Ihr Kind in der Übergangszeit auffängt. Unser kostenloser Leitfaden zeigt Ihnen die konkreten Ansprechpartner an Wiens Pflichtschulen und was der Chancenbonus für Ihr Kind bedeutet. Kostenlosen Eltern-Leitfaden jetzt anfordern
Stadtrat Hacker hielt in diesem Zusammenhang fest, dass es trotz des Systemwechsels keinen abrupten Schnitt in der Versorgung geben werde. Die Integration der Betreuungsleistungen in das Bundesmodell wird als notwendiger Schritt zur Vereinheitlichung und langfristigen Finanzierung dargestellt.
Kritik an der personellen Ausstattung und Vergleichswerte
Die Pläne zur Beendigung der städtischen Teams sorgen für politischen Widerstand. ÖVP-Bildungssprecher Harald Zierfuß kritisierte die Entscheidung als verantwortungslos. Er verwies darauf, dass mit diesem Schritt 34 Vollzeitkräfte gestrichen würden. Diese Reduktion im Bereich der multiprofessionellen Betreuung wird insbesondere vor dem Hintergrund der bestehenden Kapazitäten in der Schulsozialarbeit kritisch bewertet.
Zum Vergleich: Am 1.10.2025 waren an den öffentlichen Wiener Pflichtschulen 74 Schulsozialarbeiter im Einsatz, was 58,19 Vollzeitäquivalenten entsprach. Insgesamt gibt es in Wien 469 Pflichtschulen.
Eine Anfragebeantwortung durch Abgeordnete Emmerling zeigte zudem, dass im Vorjahr 58 Vollzeit-Schulsozialarbeiter tätig waren. Die Opposition sieht durch den Wegfall der zusätzlichen Teams eine Schwächung der psychosozialen Basisversorgung, die durch das neue Bundesmodell erst zeitversetzt aufgefangen werden könnte.
Ausbau der pflegerischen Versorgung durch School Nurses
Parallel zur Neuausrichtung der psychosozialen Betreuung treibt Wien den Einsatz von medizinischem Fachpersonal an Schulen voran. Bis November 2026 sollen insgesamt 40 sogenannte School Nurses an 37 Schulstandorten im Dienst sein. Die Ausbildung für dieses spezialisierte Personal wurde bereits in zwei Tranchen abgeschlossen: Der erste Lehrgang endete im November 2025, der zweite im Mai 2026.
Die psychosoziale Betreuung an Wiens Schulen wird umgebaut — doch parallel baut die Stadt ein anderes Netz auf: Bis November 2026 sind 40 School Nurses an 37 Standorten im Einsatz, dazu zehn Pflegekräfte der MA 15. Wer weiß, welche Fachkraft wofür zuständig ist, verliert in der Übergangszeit keine Zeit. Unser Leitfaden erklärt Schritt für Schritt, an wen Sie sich bei psychischen und gesundheitlichen Themen wenden können. Leitfaden für Eltern jetzt sichern
Zusätzlich zu diesen Kräften sind derzeit zehn diplomierte Pflegepersonen der MA 15 im Einsatz, die schwerpunktmäßig in Sonderpädagogischen Zentren arbeiten. Das Aufgabenspektrum der School Nurses umfasst neben der Ersten Hilfe vor allem die Betreuung chronisch kranker Kinder, etwa bei Allergien, Diabetes oder Epilepsie.
Zudem übernehmen sie Aufgaben in der Prävention und begleiten Schulausflüge, um die medizinische Sicherheit der Kinder zu gewährleisten. Während dieser Bereich gestärkt wird, bleibt die Debatte um die ausreichende psychosoziale Unterstützung nach dem Ende der multiprofessionellen Teams ein zentrales Thema der Wiener Bildungspolitik.
