Schwarzmilzferner verliert nach Hitzesommer den Gletscherstatus
Veröffentlicht am: 08.11.2026 um 13:56 Uhr | dpa, AD HOC NEWSFolgen fĂŒr Bayerns Eisfelder
- Christoph Mayer erwartet das vollstÀndige Verschwinden des Schwarzmilzferners nach dem kommenden Sommer.
- Die vier deutschen Gletscher verloren bis 2025 binnen zwei Jahren mehr als ein Viertel ihrer FlÀche.
- Der SĂŒdliche Schneeferner an der Zugspitze verlor bereits 2022 seinen Gletscherstatus.
Schwarzmilzferner verliert Gletscherstatus
Der Schwarzmilzferner auf der Tiroler Seite der AllgĂ€uer Hochalpen hat nach diesem Hitzesommer seinen Status als Gletscher verloren. Das Eisfeld bĂŒĂte mehr als vier Meter Dicke und rund die HĂ€lfte seines Volumens ein.
FlieĂbewegung ist entscheidend
Christoph Mayer von der Bayerischen Akademie der Wissenschaften beobachtet den Schwarzmilzferner mit seinen Kollegen seit 26 Jahren. Seit 2016 dokumentieren die Forscher deutliche Verluste an Eismasse; seit 2022 habe sich die Entwicklung nochmals verstÀrkt.
Neben Dicke und Volumen entscheidet auch die Bewegung des Eises ĂŒber die wissenschaftliche Definition eines Gletschers. Weil der Schwarzmilzferner nicht mehr flieĂt, erfĂŒllt er dieses Kriterium nicht mehr.
VollstÀndiges Verschwinden erwartet
Nach EinschĂ€tzung Mayers wird der Schwarzmilzferner nach dem kommenden Sommer voraussichtlich komplett verschwunden sein. Das Eisfeld liegt auf der SĂŒdostseite von MĂ€delegabel und Hochfrottspitze auf rund 2450 Metern Höhe.
Ostalpen vor eisfreier Zukunft
Mayer erwartet, dass die kompletten Ostalpen nach aktuellem Stand zwischen 2060 und 2070 eisfrei sein werden. Selbst schneereiche Winter könnten den Verlust kleinerer Gletscher kaum ausgleichen, weil die Sommer inzwischen zu warm seien.
Auch deutsche Gletscher schrumpfen
Die vier letzten deutschen Gletscher verloren bis 2025 innerhalb von zwei Jahren mehr als ein Viertel ihrer FlĂ€che. Insgesamt gingen rund eine Million Kubikmeter Eis verloren, wie Vermessungen von Wilfried Hagg von der Hochschule MĂŒnchen und Mayer im vergangenen Jahr ergaben.
Besonders bedroht sind der Blaueisgletscher und der Watzmanngletscher in den Berchtesgadener Bergen. Bis Ende des Jahrzehnts könnte auch der Nördliche Schneeferner an der Zugspitze seinen Status verlieren; der Höllentalferner dĂŒrfte sich voraussichtlich am lĂ€ngsten halten, doch auch ihm geben die Wissenschaftler höchstens noch zehn Jahre.
Der Verlust des Schwarzmilzferners steht fĂŒr die beschleunigte VerĂ€nderung der kleinen Alpengletscher. Bei diesen Eisfeldern wirken warme Sommer besonders stark, weil ihre geringe MĂ€chtigkeit kaum Reserven gegen anhaltenden Eismassenverlust bietet. Schneereiche Winter können die Entwicklung zwar vorĂŒbergehend bremsen, ersetzen aber keine dauerhaft kĂŒhleren Sommer.
FĂŒr Deutschland ist die Entwicklung unmittelbar relevant: Die vier verbliebenen Gletscher liegen in Bayern, vor allem im Wetterstein- und Berchtesgadener Land. Ihre FlĂ€che und ihr Volumen sind bereits deutlich geschrumpft. Mit dem Verschwinden der EisflĂ€chen verĂ€ndern sich nicht nur Landschaftsbilder, sondern auch alpine Messreihen, Wasserhaushalt und LebensrĂ€ume. Gletscher liefern in trockenen und warmen Perioden zwar nur einen begrenzten, regional aber wichtigen Beitrag zum Abfluss.
Was der Verlust bedeutet
Der Status als Gletscher hĂ€ngt nicht allein von einer sichtbaren EisflĂ€che ab. Entscheidend ist auch, ob sich das Eis unter seinem eigenen Gewicht noch bewegt. Beim Schwarzmilzferner ist diese Bewegung nach dem starken Masseverlust erloschen. Damit markiert der Vorgang einen wissenschaftlich klaren Einschnitt: Aus einem ehemals flieĂenden Gletscher wird ein weitgehend ruhendes Eisrelikt.
Die Entwicklung dĂŒrfte sich in den kommenden Jahren fortsetzen. Besonders gefĂ€hrdet sind die kleineren Gletscher in den Berchtesgadener Alpen; der Höllentalferner könnte sich nach den Prognosen am lĂ€ngsten halten. Der RĂŒckzug lĂ€sst sich regional beobachten, steht aber im gröĂeren Zusammenhang mit der fortschreitenden ErwĂ€rmung des Alpenraums.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Deutschlandfunk: âSchwarzmilzferner â Letzter Gletscher in AllgĂ€uÂer Alpen flieĂt nicht mehrâ (07.11.2026)
Der Beitrag bestĂ€tige den Verlust des Gletscherstatus und hebe neben dem Masseverlust besonders hervor, dass der Schwarzmilzferner nicht mehr flieĂe. ZusĂ€tzlich ordne er die GefĂ€hrdung der letzten deutschen Gletscher nach ihrer voraussichtlichen verbleibenden Lebensdauer ein.
Deutschlandfunk: âSchwarzmilzferner â Letzter Gletscher in AllgĂ€uÂer Alpen flieĂt nicht mehrâ (08.11.2026)
Die aktualisierte Meldung setze denselben Schwerpunkt auf den Statusverlust, den Verlust von mehr als vier Metern Eisdicke und die Halbierung des Volumens. Unterschiede zum Vortag bestĂŒnden vor allem im Sendedatum; offen bleibe, wie lange die einzelnen deutschen Gletscher tatsĂ€chlich noch erhalten bleiben.
Beide BeitrĂ€ge stimmten beim Kernereignis und bei der Einordnung als Teil eines gröĂeren GletscherrĂŒckgangs ĂŒberein. Im Mittelpunkt stĂŒnden unterschiedliche Zeithorizonte fĂŒr die verbliebenen deutschen Eisfelder.
