Sehvermögen im Alter: KI-Screening verdoppelt Facharztbesuche
Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 23:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deMobile Untersuchungseinheiten setzen zunehmend auf künstliche Intelligenz bei der Kontrolle des Augenhintergrunds, um unentdeckte Risiken für das Sehvermögen bei älteren Menschen frühzeitig festzustellen.
Durch den Einsatz moderner Screening-Systeme direkt vor Ort können Netzhautveränderungen identifiziert werden, bevor irreversible Einschränkungen eintreten. Aktuelle Initiativen in mehreren Ländern veranschaulichen, wie der niedrigschwellige Zugang zu solchen Tests das Zusammenspiel zwischen Früherkennung und fachärztlicher Versorgung verändert.
Hohe Trefferquote bei Vor-Ort-Aktionen
Wie wirksam mobile Kontrollen sein können, zeigte ein Einsatz auf dem Parkplatz beim Europark Št?rboholy, der von Roche mit fachlicher Unterstützung der Tschechischen Ophthalmologischen Gesellschaft und der Tschechischen Vitreoretinalen Gesellschaft organisiert wurde.
Laut einem Bericht vom 26. Oktober 2026 durchliefen 205 Personen eine orientierende Netzhautuntersuchung. Das eingesetzte KI-Gerät Aireen erkannte dabei bei 46 Teilnehmenden Anzeichen einer Netzhauterkrankung; rund ein Viertel der Untersuchten benötigt eine weiterführende ärztliche Betreuung.
Die Auswertung führte zu 43 Empfehlungen für eine detaillierte Abklärung hinsichtlich einer altersbedingten Makuladegeneration (VPMD). Zudem gab es einen Fall höchster Dringlichkeit aufgrund eines Tumorverdachts sowie drei Personen mit Anzeichen einer diabetischen Retinopathie. Primá? Miroslav Veith von der Universitätsklinik Královské Vinohrady wies darauf hin, dass sowohl VPMD als auch die diabetische Retinopathie die Makula betreffen.
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Internationale Konzepte für flächendeckenden Zugang
Ähnliche Präventionsstrategien werden auch in anderen Regionen vorangetrieben. In Italien tourt eine mobile Einheit der Fondazione Monti Pallidi in Zusammenarbeit mit der Kooperative Abilnova durch rund zehn Orte in den Provinzen Belluno und Trento.
Bei einer Station in einer Bankfiliale in Feltre wurden am 23. Oktober 2026 über 50 Visiten verzeichnet; insgesamt erreichte die Kampagne bereits einige hundert Personen. Stiftungspräsidentin Sonia Zuliani betonte die Zufriedenheit mit der Beteiligung und das Ziel, eine Kultur der Vorsorge wohnortnah zu etablieren.
In Brasilien wurden am 20. Oktober 2026 Fachkräfte aus den Gemeinden Morretes und Antonina in Paraná für die Telediagnose geschult. Mithilfe tragbarer digitaler Retinografen werden Netzhautbilder aufgenommen und über eine digitale Plattform an Ophthalmologen übermittelt, die den Befund innerhalb von bis zu drei Werktagen erstellen. Dies zielt auf die Früherkennung von diabetischer Retinopathie und Glaukom ab und soll Wartelisten abbauen.
Eine mobile Reihenuntersuchung speziell für Menschen ab 60 Jahren plant zudem der südkoreanische Landkreis Cheongdo-gun zusammen mit der Stiftung zur Verhütung von Blindheit für den 3. November 2026.
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Wachsende Rolle von Algorithmen im Screening
Auf der 49. Jahrestagung der Madhya Pradesh State Ophthalmological Society in Indore, die am 25. Oktober 2026 endete und Dr. RS Choudhary zum neuen Präsidenten wählte, diskutierten mehr als 700 Fachärzte über die Transformation des Fachgebiets.
Experten erwarten für die kommenden fünf Jahre einen deutlich stärkeren Einsatz von KI-Verfahren im Screening, um unnötige Fahrten in Großkliniken zu vermeiden. Dr. Mita Joshi unterstrich während der Tagung, dass KI-Untersuchungen in Wohnortnähe eine rechtzeitige Überweisung erleichtern.
Dass die Technologie auch das Verhalten der Patienten beeinflussen kann, belegen zusammengefasste Forschungsdaten: Personen, die an einem KI-gestützten Screening auf diabetische Retinopathie teilnahmen, nahmen anschließende Termine bei Fachärzten etwa doppelt so häufig wahr wie nach konventionellen Screenings.
Zwar ersetzt die automatisierte Bildanalyse keine augenärztliche Untersuchung, sie fungiert jedoch als wirksamer Filter im Vorfeld der klinischen Diagnostik.
