Selfie-Sicherheit: BSI warnt vor Fingerabdruck-Rekonstruktion
Veröffentlicht am: 02.09.2026 um 12:34 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) sieht in der Verwendung des Peace-Zeichens auf Selfies ein erhebliches Sicherheitsrisiko. Durch die zunehmende Qualität moderner Smartphone-Kameras könnten Fingerabdrücke bereits aus der Distanz rekonstruiert werden, was die Integrität biometrischer Sicherungssysteme gefährde.
Die Behörde warnt davor, Fingerkuppen auf öffentlich geteilten Bildern zu scharf darzustellen. Um einem möglichen Missbrauch vorzubeugen, empfiehlt das BSI, die Auflösung von Fotos vor der Veröffentlichung in sozialen Netzwerken gezielt zu reduzieren oder darauf zu achten, dass die Fingerabdrücke nicht im Fokus der Aufnahme liegen.
Darüber hinaus unterstreicht das BSI die Notwendigkeit einer Zwei-Faktor-Authentifizierung. Biometrische Merkmale allein sollten nach Einschätzung der Experten nicht als einzige Barriere für den Zugang zu sensiblen Konten oder Geräten dienen.
Historische Präzedenzfälle untermauern die Warnung
Die Debatte um die Sicherheit biometrischer Daten durch Fotografie ist nicht neu, gewinnt jedoch durch technologische Fortschritte an Relevanz. Bereits im Jahr 2014 demonstrierte der Chaos Computer Club (CCC) die Anfälligkeit herkömmlicher Sicherungsverfahren.
Damals gelang es Mitgliedern des Clubs, die Fingerabdrücke von Ursula von der Leyen allein auf Basis von herkömmlichen Digitalfotos zu kopieren. Dieser Vorfall verdeutlichte frühzeitig, dass ein physischer Kontakt mit einem Sensor nicht zwingend erforderlich ist, um biometrische Merkmale zu entwenden.
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Erkenntnisse aus der Forschung
Auch die wissenschaftliche Forschung hat dieses Szenario bereits in der Vergangenheit untersucht. Forscher des National Institute of Informatics (NII) konnten im Jahr 2017 nachweisen, dass Fingerabdrücke erfolgreich aus Digitalbildern kopiert werden können. Den damaligen Untersuchungen zufolge war es den Experten möglich, verwertbare biometrische Daten aus Aufnahmen zu gewinnen, was die theoretische Gefahr in die Praxis überführte.
Prävention und technische Empfehlungen
Die aktuellen Hinweise des BSI verdeutlichen, dass das Bewusstsein für die digitale Sichtbarkeit biometrischer Merkmale geschärft werden muss. Da Fingerabdrücke im Gegensatz zu Passwörtern nicht geändert werden können, wird ein Diebstahl dieser Daten als besonders kritisch eingestuft.
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Die Empfehlung, auf eine Kombination aus biometrischen Daten und einem weiteren Sicherheitsfaktor zu setzen, gilt in der IT-Sicherheit als wesentliche Schutzmaßnahme.
Abschließend rät die Behörde dazu, bei der Erstellung von Selbstporträts eine kritische Distanz zu wahren oder alternative Posen zu wählen, die keine direkten Rückschlüsse auf die Struktur der Fingerkuppen zulassen. Die fortlaufende Verbesserung der Kameratechnik in mobilen Endgeräten macht solche präventiven Maßnahmen aus Sicht der Cybersicherheit unumgänglich, um die Identität der Nutzer langfristig zu schützen.
