Seniorinnenplan, Hannover

Senior*innenplan 2030: Hannover fördert digitale Teilhabe für 144.000 Ältere

Veröffentlicht am: 20.08.2026 um 00:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Hannover und Wiesbaden starten Initiativen für mehr digitale Teilhabe der Generation 60+. Bildungsangebote und Beratung ergänzen die Strategien.

Digitale Souveränität im Alter: Städte fördern Senioren-Kompetenz
Ein junger Mensch hilft einem Senioren bei der Nutzung eines Tablets an einem hellen Tisch. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Förderung der digitalen Souveränität älterer Generationen entwickelt sich zu einem zentralen Handlungsfeld der kommunalen und staatlichen Sozialpolitik. Am Beispiel aktueller Konzepte wie dem Senior*innenplan 2030 in Hannover sowie internationaler Bildungsinitiativen zeigt sich der wachsende Bedarf an spezifischen Unterstützungsangeboten für die Generation 60 plus.

Kommunale Konzepte für den demografischen Wandel

Mitte August 2026 stellte die Stadt Hannover den Senior*innenplan 2030 unter dem Titel „Gut eingeloggt, für ein selbstbestimmtes Leben“ vor. Das Strategiepapier zielt darauf ab, die digitale Teilhabe älterer Bürgerinnen und Bürger systematisch zu verbessern.

Hintergrund dieser Initiative ist die signifikante demografische Entwicklung in der niedersächsischen Landeshauptstadt. Zum Ende des Jahres 2025 lebten in Hannover 558.767 Menschen, von denen 144.411 Personen das 60. Lebensjahr bereits vollendet hatten. Dies entspricht einem Anteil von 25,8 % der Gesamtbevölkerung.

Statistische Erhebungen belegen eine kontinuierliche Zunahme dieser Altersgruppe: Während der Anteil der über 60-Jährigen im Jahr 2015 noch bei 24,1 % lag, stieg er innerhalb eines Jahrzehnts auf den aktuellen Wert von 25,8 %. Prognosen gehen davon aus, dass bis zum Jahr 2049 rund 18.000 zusätzliche Senioren in Hannover leben werden, was einem Zuwachs von 13 % entspricht.

Besonders relevant für die Sozialplanung ist die Haushaltsstruktur: Von den insgesamt 83.958 Haushalten, die ausschließlich aus Personen ab 60 Jahren bestehen, werden 56.800 als Einpersonenhaushalte geführt. Dies unterstreicht die Bedeutung digitaler Kommunikationsmittel zur Vermeidung sozialer Isolation.

Auch in Wiesbaden wurde Anfang des Jahres 2026 ein entsprechendes Handlungsprogramm für ältere Menschen beschlossen. In der hessischen Landeshauptstadt leben derzeit 60.754 Personen, die 65 Jahre oder älter sind, was einem Bevölkerungsanteil von 20 % entspricht. Bis zum Jahr 2035 wird hier ein Anstieg auf 68.115 Personen erwartet.

Die zuständige Sozialdezernentin betonte in diesem Zusammenhang die Notwendigkeit, Mobilität, Wohnen und digitale Teilhabe als Grundpfeiler eines selbstbestimmten Lebens zu sichern. Ein umfassender Bericht zur Lage älterer Menschen in Wiesbaden soll Mitte 2027 folgen, die Umsetzung der Maßnahmen ist ab 2029 geplant.

Infrastruktur und digitale Identität

Ein wesentlicher Baustein der digitalen Teilhabe ist der Zugang zu staatlichen Dienstleistungen. In Österreich nutzen bereits 4,8 Mio. Menschen die digitale Identität „ID Austria“. Das seit 2023 etablierte System wird von über 1.350 Gemeinden unterstützt.

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Um älteren Mitbürgern den Zugang zu erleichtern, organisierte der Burgenländische Seniorenbund im August 2026 kostenlose Registrierungsaktionen. Allein durch eine bundesweite Servicetour im Jahr 2025 konnten 900.000 Neuregistrierungen erzielt werden.

Trotz des technologischen Fortschritts fordern Interessenvertreter weiterhin ein Recht auf analoge Alternativen. Schätzungen zufolge verfügen rund 30 % der Bevölkerung noch nicht über die erforderlichen digitalen Kompetenzen, um Behördengänge rein elektronisch abzuwickeln.

Bildungsangebote und Prävention

Weltweit werden verstärkt spezialisierte Lernformate für die Generation 60 plus angeboten, um Sicherheitsrisiken im Netz zu minimieren und die Anwendungskompetenz zu stärken:

  • Sicherheitskurse: In Taunusstein finden im Herbst 2026 Schulungen zu Themen wie Phishing, Quishing und allgemeiner Internetsicherheit statt. Voraussetzung für spezifische Smartphone-Kurse ist dabei oft die Aktualität der Betriebssysteme, etwa iOS 26.
  • Internationale Programme: In Manaus startete im August 2026 der Kurs „Defensor Digital 60+“, der Kenntnisse über staatliche Apps und Sicherheit vermittelt. Ähnliche Programme wie „Touch und Talk!“ in der südkoreanischen Stadt Gunpo schulen Senioren im Umgang mit Künstlicher Intelligenz und digitalen Service-Kiosken.
  • Niederschwellige Formate: In Dresden bietet ein wöchentliches Digitalcafé im Foyer des Kultur Forums Hilfe ohne Vorkenntnisse an. In Wolfach setzt die örtliche Sozialgemeinschaft auf eine schrittweise Einführung in die Nutzung von Tablets und Smartphones ohne Zeitdruck.
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Soziale Unterstützung und Beratung

Neben der technischen Bildung rückt die psychosoziale Begleitung in den Fokus. Das Projekt „LebensLinien 60+“ bietet in Deutschland seit Mai 2025 eine anonyme Online-Beratung an, die bisher von 96 Klienten genutzt wurde.

Die Relevanz solcher Angebote zeigt sich in der Suizidstatistik des Jahres 2024: Von insgesamt 10.372 Suiziden in Deutschland entfielen 5.953 Fälle (57,4 %) auf Personen über 60 Jahre. Die Beratung erfolgt durch geschulte Ehrenamtliche im Peer-Prinzip und thematisiert Einsamkeit, Depressionen und Suizidalität.

Zusätzlich ergänzen Besuchsangebote die digitale Strategie. In Berlin-Steglitz-Zehlendorf informiert der Malteser Hilfsdienst ab September 2026 monatlich über präventive Hausbesuche für Senioren ab 70 Jahren, um eine Brücke zwischen analoger Betreuung und gesellschaftlicher Teilhabe zu schlagen.

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