Sepsis: PCT-Bluttest empfiehlt Antibiotika-Stopp fast zwei Tage früher
Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 22:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie gezielte Steuerung von Antibiotika bei kritisch kranken Patientinnen und Patienten mit einer Sepsis stellt die Intensivmedizin vor dauerhafte Herausforderungen. Eine zu lange Verabreichung antimikrobieller Substanzen erhöht das Risiko von Resistenzen und Nebenwirkungen, während ein verfrühtes Absetzen den Behandlungserfolg gefährden kann.
Vor diesem Hintergrund untersuchte die groß angelegte ADAPT-Sepsis-Studie unter der Leitung von Professor Paul Dark von der University of Manchester und dem Northern Care Alliance NHS Foundation Trust, inwiefern ein täglicher Bluttest auf den Biomarker Procalcitonin (PCT) die Behandlungsdauer sicherer leiten kann. Die Ergebnisse der Untersuchung erschienen im wissenschaftlichen Fachjournal „Anaesthesia“.
Erkenntnisse aus der ADAPT-Sepsis-Studie
Im Rahmen der Untersuchung analysierten die Forschenden Daten von 2.760 Patientinnen und Patienten, die auf insgesamt 41 Intensivstationen im Vereinigten Königreich behandelt wurden.
Die Auswertung stützte sich dabei auf über 17.000 Blutproben und die jeweils daraus abgeleiteten Behandlungsempfehlungen. Ziel war es, den Nutzen von regelmäßigen PCT-Messungen im Vergleich zur Bestimmung des C-reaktiven Proteins (CRP) für die Steuerung der Medikamentengabe zu bewerten.
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Dabei zeigte sich ein deutlicher zeitlicher Unterschied zwischen den beiden Verfahren: Die auf Basis der PCT-Werte formulierten Empfehlungen, die Antibiotikagabe zu stoppen, traten fast zwei Tage früher ein als die entsprechenden Ratschläge, die auf CRP-Werten basierten. Damit deutet der Biomarker Procalcitonin im klinischen Verlauf wesentlich schneller auf eine Entwarnung hin, die ein Ende der medikamentösen Therapie rechtfertigen würde.
Diskrepanzen im klinischen Alltag der Intensivstationen
Trotz des zeitlichen Vorsprungs des PCT-Tests offenbarte die Untersuchung eine bemerkenswerte Diskrepanz im ärztlichen Handeln. Auf den Intensivstationen befolgten die Medizinerinnen und Mediziner die auf CRP basierenden Ratschläge häufiger als jene, die durch PCT-Werte generiert worden waren.
Als häufigster Grund für das Nichtbefolgen einer Stopp-Empfehlung erwiesen sich mikrobiologische Vorgaben, die eine feste Behandlungsdauer vorschrieben. Feste Zeitschemata und standardisierte Behandlungsleitlinien standen somit im Widerspruch zu den dynamischen Laborwerten, was dazu führte, dass Therapien trotz unbedenklicher Biomarker-Werte wie geplant über die volle Dauer fortgesetzt wurden.
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Institutionelle Einbindung und Förderung
Die Durchführung der multizentrischen Untersuchung erforderte eine umfassende Vernetzung innerhalb des britischen Gesundheitssystems. Neben der University of Manchester und dem Northern Care Alliance NHS Foundation Trust war auch das Manchester University NHS Foundation Trust (MFT) an der Studie beteiligt. Die Hauptförderung des Projekts übernahm das National Institute for Health and Care Research (NIHR).
Die Auswertungen verdeutlichen, dass innovative diagnostische Hilfsmittel wie tägliche Procalcitonin-Messungen zwar das Potenzial besitzen, Behandlungszeiten messbar zu verkürzen, deren Wirksamkeit in der Praxis jedoch maßgeblich davon abhängt, wie stark etablierte klinische Routinen und starre Therapievorgaben flexiblen Entscheidungen entgegenstehen.
