Shamonda-Virus, WHO

Shamonda-Virus: WHO erwartet keine Ausbreitung nach Todesfall

Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 13:47 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die WHO erwartet nach dem ersten bekannten menschlichen Fall in Frankreich keine größere Ausbreitung. Der verstorbene Patient war schwer immungeschwächt; als Übertragungsweg gilt der Stich einer Gnitze.

Europäische Tiernachweise und nächster Beobachtungsschritt

  • Das Virus wurde in diesem Sommer erstmals bei Rindern in Deutschland nachgewiesen.
  • Weitere Nutztiernachweise gab es in Österreich, der Schweiz, Belgien, Luxemburg, den Niederlanden, Spanien, Portugal, Italien und Irland.
  • Gnitzen sind in Mitteleuropa meist von April bis November aktiv und vermehren sich bei Temperaturen von 25 bis 35 Grad Celsius optimal.
Die WHO geht von einem Einzelfall aus. (Archivbild) - Bild: Lian Yi/Xinhua/dpa

Nach dem ersten dokumentierten Shamonda-Virus-Fall bei einem Menschen erwartet die Weltgesundheitsorganisation keine größere Ausbreitung. Der Patient in Frankreich starb nach Angaben des französischen Agrarministeriums Anfang Oktober und litt an einer schweren Immunschwäche.

WHO bewertet Fall als Einzelfall

WHO-Sprecher Christian Lindmeier sagte in Genf, nach den verfügbaren Informationen und den Kenntnissen über eng verwandte Viren handele es sich um einen Einzelfall beim Menschen. Eine weitere Ausbreitung sei derzeit unwahrscheinlich; eine formelle Risikoeinschätzung der WHO liege jedoch noch nicht vor.

Das Shamonda-Virus war bislang bei Tieren wie Rindern und Pferden festgestellt worden. Martin Beer vom Friedrich-Loeffler-Institut erklärte, bei einem stark geschwächten Immunsystem sei die Abwehr von Infektionserregern erheblich beeinträchtigt, wodurch eine Ansteckung und Virusvermehrung leichter möglich seien.

Gnitze gilt als möglicher Überträger

Derzeit wird davon ausgegangen, dass sich der Patient im Osten Frankreichs durch den Stich einer Gnitze infizierte. Dort waren im Frühjahr und Sommer Infektionen von Tieren mit dem Shamonda-Virus gemeldet worden.

Gnitzen sind in Mitteleuropa heimisch und gewöhnlich von April bis November aktiv. Nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Instituts benötigen sie für die Virusvermehrung Temperaturen von mehr als 12 bis 15 Grad Celsius; optimal vermehren sie sich bei 25 bis 35 Grad.

Virus bei Nutztieren in Europa nachgewiesen

WHO-Sprecher Lindmeier verwies darauf, dass die Übertragbarkeit von Viren durch Gnitzen in den kühleren Jahreszeiten generell abnehme. In Deutschland wurde das Shamonda-Virus in diesem Sommer erstmals bei Rindern nachgewiesen.

Nachweise bei Nutztieren gab es inzwischen auch in Österreich, der Schweiz, Belgien, Luxemburg, den Niederlanden, Spanien, Portugal, Italien und Irland. Der französische Todesfall ist nach den vorliegenden Angaben der erste dokumentierte Nachweis einer Infektion beim Menschen.

Der Shamonda-Fall in Frankreich fällt in eine Phase, in der das Virus erstmals in mehreren europäischen Ländern bei Nutztieren nachgewiesen worden ist. In Deutschland wurde der Erreger im Sommer bei Rindern festgestellt; auch aus Österreich, der Schweiz, Belgien, Luxemburg, den Niederlanden, Spanien, Portugal, Italien und Irland liegen Nachweise bei Nutztieren vor.

Die Übertragung erfolgt nach derzeitigem Kenntnisstand durch Gnitzen. Diese kleinen Stechmücken sind in Mitteleuropa verbreitet, ihre Aktivität hängt jedoch stark von der Temperatur ab. Für die Virusvermehrung in den Insekten sind höhere Temperaturen erforderlich, weshalb die Übertragungswahrscheinlichkeit in der kühleren Jahreszeit sinkt.

Besondere Bedeutung der Immunschwäche

Der französische Todesfall unterscheidet sich nach den vorliegenden Angaben von einem gewöhnlichen Infektionsrisiko in der Bevölkerung: Der Patient litt an einer schweren Immunschwäche. Das erklärt, warum Fachleute den Fall als besonderen Einzelfall bewerten und zugleich die Bedeutung einer beeinträchtigten Immunabwehr hervorheben.

Für die Allgemeinheit ergibt sich daraus derzeit kein Hinweis auf ein größeres Infektionsgeschehen. Beobachtet werden dürfte vor allem, ob weitere menschliche Fälle auftreten und wie sich die Viruszirkulation bei Tieren während der kommenden Jahreszeiten entwickelt. Für Tierhalter bleibt die Überwachung von Rinderbeständen relevant, weil das Virus in mehreren europäischen Ländern festgestellt wurde.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Euronews: „Erster Shamonda-Virus-Fall in Frankreich: Patient tot“ (22.10.2026)

Der Beitrag berichtet über die Bestätigung des ersten menschlichen Falls in Lyon und hebt die schwere Immunschwäche des verstorbenen Patienten hervor. Anders als die dpa-Meldung stellt er zusätzlich die laufenden Untersuchungen und den Austausch mit WHO und ECDC heraus; offen bleibt auch dort, wie genau die Infektion erfolgte.

Deutschlandfunk: „Frankreich Erstmals Infektion eines Menschen mit dem Shamonda-Virus dokumentiert - Patient in Lyon gestorben“ (22.10.2026)

Der Deutschlandfunk bestätigt den Todesfall in Lyon, die bisherige Beschränkung des Virus auf Nutztiere und das fehlende Gesundheitsrisiko für die Bevölkerung. Sein Schwerpunkt liegt stärker auf dem zoonotischen Hintergrund und der Übertragung durch bestimmte Mücken; zur Risikobewertung für besonders gefährdete Menschen nennt der Beitrag weniger Details.

Beide Beiträge stimmen beim erstmaligen menschlichen Nachweis, beim Todesfall in Lyon und bei der schweren Immunschwäche überein. Unterschiede bestehen vor allem bei der Gewichtung von Übertragungsweg, laufenden Untersuchungen und der Einordnung des Risikos für die Allgemeinheit.

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