SharePoint: CVSS-9,8-Lücke ermöglicht Maschinenschlüssel-Diebstahl
Veröffentlicht am: 29.07.2026 um 13:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Mehrere schwerwiegende Zero-Day-Schwachstellen bedrohen Unternehmen weltweit – und die Zeit drängt.
Angriff auf SharePoint: Datenklau trotz Patch
Das US-Heimatschutzministerium hat am 29. Juli 2026 eine kritische SharePoint-Sicherheitslücke in seinen Katalog bekannter ausgenutzter Schwachstellen aufgenommen. Die als CVE-2026-58644 bekannte Deserialisierungs-Schwachstelle erreicht einen CVSS-Score von 9,8 – die höchste Risikostufe.
Betroffen sind SharePoint Subscription Edition, SharePoint Server 2019 und SharePoint Enterprise Server 2016. Microsoft hatte zwar bereits am 14. Juli einen Patch veröffentlicht, doch der Fehler wurde schon vorher als Zero-Day ausgenutzt. Angreifer konnten damit nicht nur Code aus der Ferne ausführen, sondern auch ASP.NET-Maschinenschlüssel stehlen.
Das ist besonders tückisch: Selbst nach einer erfolgreichen Patch-Installation könnten Angreifer mit diesen Schlüsseln dauerhaften Zugriff auf die Systeme behalten. Sicherheitsexperten raten dringend, die Maschinenschlüssel auszutauschen und die Antimalware-Scan-Schnittstelle (AMSI) zu integrieren.
„Certighost": Die Active-Directory-Falle
Erst kürzlich veröffentlichten Sicherheitsforscher einen Proof-of-Concept-Exploit für eine weitere hochriskante Schwachstelle. Die als CVE-2026-54121 registrierte Lücke mit dem Namen „Certighost" steckt in den Active Directory Certificate Services (AD CS).
Das Problem: Ein fehlerhafter „Chase"-Mechanismus erlaubt es einem authentifizierten Benutzer mit niedrigen Berechtigungen, sich als Domänencontroller auszugeben. Durch manipulierte Zertifikatsanfragen können Angreifer einen sogenannten DCSync-Angriff automatisieren und sensible kryptografische Hashes extrahieren – darunter den kritischen krbtgt-Hash.
Microsoft hat die Validierung des Chase-Prozesses nachgebessert. Wer den Patch nicht sofort einspielen kann, sollte als Notlösung das Flag EDITF_ENABLECHASECLIENTDC deaktivieren.
Angesichts immer komplexerer Bedrohungen auf Unternehmensebene ist ein proaktiver Schutz der IT-Infrastruktur unerlässlich. Dieses kostenlose E-Book enthüllt aktuelle Cyberrisiken und zeigt, wie Sie Sicherheitslücken effektiv schließen und neue gesetzliche Anforderungen erfüllen. IT-Sicherheit ohne teure Investitionen stärken
Update-Chaos: Als Azure die Sicherheitsupdates blockierte
Die Auslieferung dieser kritischen Patches wurde durch eine massive Störung überschattet. Am 23. Juli legte ein Ausfall von Azure, Microsoft 365 und Windows Update viele Nutzer lahm – genau zu dem Zeitpunkt, als die Sicherheitsupdates installiert werden sollten.
Microsoft testet nun in den Windows-11-Insider-Builds 26100.8968 und 26200.8968 Verbesserungen für die Update-Zustellung. Die neuen Versionen optimieren die Fortschrittsberechnung und stärken die Orchestrator- und Arbiter-Komponenten für zuverlässigere Patch-Installationen. Ein Preview-Update vom 28. Juli bringt zudem eine Funktion, mit der Nutzer Updates basierend auf konkreten Kalenderdaten pausieren können.
17 Jahre alte Excel-Lücke: Alte Gefahren neu entdeckt
Die Sicherheitsbehörden warnen auch vor altbekannten Risiken. Am 28. Juli nahm CISA eine 17 Jahre alte Excel-Sicherheitslücke (CVE-2009-0238) in den Katalog auf – nachdem erneute aktive Ausnutzung beobachtet wurde. Bundesbehörden haben zwei Wochen Zeit, ihre Systeme zu sichern.
Die Flut neuer Schwachstellen hängt auch mit Fortschritten in der automatisierten Sicherheitsforschung zusammen. Bereits im Frühjahr identifizierte das KI-System Mythos innerhalb eines Monats 90 kritische und 141 wichtige Schwachstellen in SharePoint. Das Fünf-Augen-Bündnis warnt: Das Zeitfenster zwischen Entdeckung und Ausnutzung durch Angreifer schließt sich immer schneller.
Da sich das Zeitfenster zwischen der Entdeckung von Schwachstellen und deren Ausnutzung immer schneller schließt, benötigen Unternehmen eine klare Strategie zur Abwehr. Erfahren Sie im kostenlosen Report, welche rechtlichen Pflichten und Bedrohungen Unternehmer jetzt kennen müssen, um sich proaktiv abzusichern. Gratis-Report zu neuen Cyberrisiken anfordern
Secure Boot: Zertifikatswechsel mit Nebenwirkungen
Im Hintergrund läuft ein weiterer Großumbau: Microsoft ersetzt die Secure-Boot-Zertifikate von 2011, die Ende Juni ausliefen. Die neuen Secure-Boot-2023-Zertifikate werden schrittweise ausgerollt.
Während die meisten PCs weiterhin booten und Updates erhalten, kämpfen einige Hardware-Konfigurationen – besonders von bestimmten Enterprise-Herstellern – mit Firmware-Problemen und BitLocker-Wiederherstellungsschleifen. Microsofts aktueller Sicherheitsbericht zeigt aber auch Erfolge: Die Abdeckung mit phishing-resistenter Multi-Faktor-Authentifizierung liegt bei fast 100 Prozent, und 1,4 Millionen ungenutzte Entra-Anwendungen wurden stillgelegt.
Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten ohne Gewähr; Änderungen jederzeit möglich. Börsengeschäfte können zu hohen Verlusten führen. Unsere Beiträge werden ganz oder teilweise automatisiert mit Unterstützung von AI erstellt und geprüft.
