SINGLE-AF-Studie, Ereignisse

SINGLE-AF-Studie: 69 Prozent weniger kombinierte Ereignisse mit DOACs

Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 10:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bei 1.803 Patienten war die kombinierte Ereignisrate nach zwei Jahren mit DOAC niedriger; das Studienteam fordert weitere BestÀtigungsstudien.
Ein minimalistischer, moderner Innenraum eines medizinischen Forschungszentrums mit klaren Linien und hellem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Die Behandlung von Patienten mit Vorhofflimmern und mittlerem Schlaganfallrisiko steht im Fokus aktueller kardiologischer Debatten. Bei einem Abschlusstreffen im Magok-Forschungszentrum in Seoul diskutierten Samjin Pharmaceutical und das Studienteam der SINGLE-AF-Studie am 26. Oktober 2026 die Erkenntnisse ihrer Untersuchung.

Die Ergebnisse waren zuvor in einer Hot-Line-Session des ESC-Kongresses 2026 vorgestellt und zeitgleich im Fachjournal The New England Journal of Medicine (NEJM 2026;395(12):1155-1165, doi:10.1056/NEJMoa2607978) veröffentlicht worden.

Studiendesign und Patientencharakteristika

Bei der Untersuchung handelte es sich um eine PrĂŒfarzt-initiierte, randomisierte kontrollierte Studie, an der 18 sĂŒdkoreanische Kliniken beteiligt waren. Insgesamt nahmen 1.803 Patienten mit Vorhofflimmern teil, die ein mittleres Schlaganfallrisiko aufwiesen. Definiert wurde dies ĂŒber einen CHA?DS?-VASc-Score von 1 bei MĂ€nnern und 2 bei Frauen. Das mittlere Alter der Probanden lag bei 60,4 Jahren, der Frauenanteil betrug 23,7 Prozent.

Die Teilnehmer wurden im VerhĂ€ltnis 1:1 aufgeteilt: Die Gruppe mit direkten oralen Antikoagulanzien (DOAC) umfasste 902 Patienten, die ĂŒberwiegend Apixaban (5 mg zweimal tĂ€glich) oder Rivaroxaban (20 mg einmal tĂ€glich) erhielten. Der Kontrollgruppe ohne gerinnungshemmende Therapie wurden 901 Patienten zugeteilt. Der Nachbeobachtungszeitraum erstreckte sich ĂŒber 24 Monate.

Signifikante Senkung des primÀren Endpunkts

Nach 24 Monaten zeigte sich beim primĂ€ren kombinierten Endpunkt – bestehend aus Schlaganfall, systemischer Embolie, schwerer Blutung und kardiovaskulĂ€rem Tod – ein messbarer Unterschied.

Die kumulative Inzidenz lag unter DOAC-Gabe bei 0,5 Prozent (4 Patienten) im Vergleich zu 1,5 Prozent (13 Patienten) in der Kontrollgruppe. Dies entspricht einer absoluten Differenz von 1,0 Prozentpunkten und einer relativen Risikoreduktion von 69 Prozent (Hazard Ratio 0,31; 95%-Konfidenzintervall 0,10–0,94; p=0,03).

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Bei den Einzelendpunkten traten SchlaganfĂ€lle bei 0,3 Prozent in der DOAC-Gruppe gegenĂŒber 1,1 Prozent in der Kontrollgruppe auf. Systemische Embolien wurden bei 0 Prozent unter DOAC und 0,1 Prozent in der Vergleichsgruppe verzeichnet.

Schwere Blutungen betrafen 0,3 Prozent der Patienten unter Antikoagulation und 0,5 Prozent ohne Therapie. Zu kardiovaskulÀren TodesfÀllen kam es in beiden Gruppen nicht (0 Prozent).

Schwere unerwĂŒnschte Ereignisse wurden bei 8,9 Prozent (80 Patienten) in der DOAC-Gruppe und bei 9,3 Prozent (84 Patienten) in der Kontrollgruppe erfasst. Signifikante Unterschiede bei schweren Blutungen traten nicht auf; die Quellen weisen jedoch darauf hin, dass eine fehlende statistische Signifikanz keine Gleichheit belegt.

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Diskussion ĂŒber Leitlinien und weitere Schritte

Im Rahmen des Treffens am 26. Oktober 2026 Ă€ußerte sich der Studienleiter Prof. Jung Bo-young vom Severance-Krankenhaus der Yonsei-UniversitĂ€t. Er erklĂ€rte, dass die Studie die erste randomisierte Evidenz fĂŒr den Einsatz von DOAC bei Patienten mit mittlerem Risiko liefere. Auch Samjin-PrĂ€sident Kim Sang-jin Ă€ußerte sich wĂ€hrend der Veranstaltung.

Das Studienteam wies zugleich auf Limitationen hin: Die geringe absolute Ereigniszahl berge das Risiko, den tatsĂ€chlichen Nutzen zu ĂŒberschĂ€tzen, weshalb BestĂ€tigungsstudien erforderlich seien.

In einem begleitenden Leitartikel merkte Kirchhof an, dass eine Antikoagulation bei Vorliegen eines einzelnen Risikofaktors zwar erwÀgenswert sei, bei einer geringen Krankheitslast an Vorhofflimmern jedoch gegebenenfalls auf eine Therapie verzichtet werden könne.

Die Fachleute und Unternehmensvertreter erörterten zudem Themen wie Risikoneubewertungen, Anpassungen von Leitlinien und eine Ausweitung der Kostenerstattung, wobei festgehalten wurde, dass eine Aufnahme in klinische Richtlinien zusĂ€tzliche Evidenz und ExpertenprĂŒfungen erfordere.

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