Sjögren-Syndrom: IVIG-Therapie zeigt 96,5 Prozent Überlegenheitswahrscheinlichkeit
Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 13:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deEine Beteiligung des peripheren Nervensystems tritt bei schätzungsweise 15 Prozent der Betroffenen mit primärem Sjögren-Syndrom auf. Für Patientinnen und Patienten, die unter einer schmerzhaften sensorischen oder sensomotorischen Neuropathie leiden, liefert nun die sogenannte TINISS-Studie aus Frankreich neue klinische Erkenntnisse.
Die an zwölf Universitätskliniken durchgeführte Untersuchung ist die erste randomisierte kontrollierte Studie, die belegt, dass intravenöse Immunglobuline (IVIG) sowohl Schmerzen als auch funktionelle Einschränkungen in dieser Patientengruppe signifikant reduzieren können.
Studiendesign und Patientenkollektiv
In die TINISS-Studie wurden 22 erwachsene Personen im Alter zwischen 18 und 80 Jahren eingeschlossen. Alle Teilnehmenden wiesen ein Sjögren-Syndrom sowie eine elektromyografisch (EMG) bestätigte schmerzhafte sensible oder sensomotorische Neuropathie auf.
Im Rahmen des Versuchsaufbaus erhielten zwölf Teilnehmende intravenöse Immunglobuline, während zehn Personen der Placebogruppe zugeteilt wurden. In die finale Auswertung flossen schließlich die Daten von zwölf Personen aus dem IVIG-Arm sowie acht Teilnehmenden aus dem Placebo-Arm ein.
Die Finanzierung der Untersuchung erfolgte durch das Unternehmen CSL Behring. Jacques-Eric Gottenberg stellte die Resultate auf dem International Symposium on Sjögren's Disease in Paris vor, wie medscape.com in einem Bericht vom 02.11.2026 darlegte.
Deutliche Effekte beim primären Endpunkt
Als primärer Endpunkt der Untersuchung war eine Verbesserung von mindestens 20 Prozent in Woche 11 definiert. Diese Besserung musste entweder auf der Rasch-Overall-Disability-Skala oder auf einer Schmerzskala von 0 bis 10 erreicht werden.
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Die Ergebnisse zeigten einen klaren Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen: Unter den Teilnehmenden, die IVIG verabreicht bekamen, erreichten sechs Personen dieses Kriterium. In der Placebogruppe war dies lediglich bei einer Person der Fall. Daraus ergab sich eine berechnete Überlegenheitswahrscheinlichkeit für die Immunglobulintherapie von 96,5 Prozent.
Reduktion von Schmerzen und funktionellen Beeinträchtigungen
Auch bei den sekundären Parametern spiegelte sich der therapeutische Nutzen wider. Auf der Schmerzskala von 0 bis 10 zeigte sich unter der Gabe von IVIG eine mediane Veränderung von -1,90, während in der Placebogruppe eine Verschlechterung mit einem medianen Wert von +1,45 registriert wurde. Die Überlegenheit der Verum-Gruppe lag bei diesem Aspekt bei 86,1 Prozent.
Ähnliche Tendenzen zeigten sich bei der klinischen Funktionsskala, die einen Bereich von 0 bis 12 umfasst. Hier lag der Wert unter IVIG bei -0,15, während die Placebogruppe einen Anstieg um +1,17 verzeichnete, was einer Überlegenheit von 88,4 Prozent entspricht.
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Hinsichtlich der Verträglichkeit traten in beiden Studienarmen jeweils zwei schwerwiegende unerwünschte Ereignisse auf. Den Auswertungen zufolge stand jedoch keines dieser Ereignisse in direktem Zusammenhang mit der verabreichten Therapie. Damit liefert die Untersuchung wichtige Hinweise auf eine wirksame und zugleich beherrschbare Behandlungsoption bei einer komplexen Manifestation des Sjögren-Syndroms.
