Skill Recorder: Microsoft automatisiert KI-Agenten-Erstellung
Veröffentlicht am: 04.08.2026 um 07:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Microsoft erweitert sein KI-Ökosystem für autonome Assistenten massiv: Mit „Skill Recorder" bringt der Konzern ein Open-Source-Tool an den Start, das die Erstellung automatisierter Fähigkeiten für die Copilot-Plattform deutlich vereinfachen soll. Für europäische Unternehmen, die zunehmend auf KI-Agenten setzen, dürfte die Entwicklung besonders relevant sein – schließlich geht es um nichts weniger als die Frage, wie schnell sich Routineaufgaben im Büroalltag automatisieren lassen.
Desktop-Aufnahmen werden zu KI-Fähigkeiten
Das am 30. Juli veröffentlichte Tool „Skill Recorder" zeichnet Desktop-Aktionen und Sprachkommentare auf und wandelt sie in Trainingsdaten für KI-Agenten um. Die so entstandenen Skills lassen sich in Microsofts Copilot Cowork, Scout und Copilot Studio integrieren. Verfügbar ist die Anwendung unter der MIT-Lizenz auf GitHub – und zwar für Windows 11, macOS und Ubuntu.
Microsoft warnt allerdings: Bei der Aufzeichnung sollten keine sensiblen Daten wie Passwörter erfasst werden. Das Tool ist Teil einer größeren Strategie, die Erstellung spezialisierter KI-Fähigkeiten zu „industrialisieren" – ein Signal auch an Entwickler in Deutschland und Europa, die auf der Plattform eigene Lösungen bauen wollen.
Agent Framework Harness: Reif für den Produktiveinsatz
Bereits am 3. August erreichte das Microsoft Agent Framework Harness zusammen mit den Foundry Hosted Agents die allgemeine Verfügbarkeit. Der Meilenstein folgt auf die Version 1.0 des Frameworks Anfang April und die Stabilisierung der Orchestrierungsmuster im Juni.
Das Harness fungiert als einzelne Binärdatei und bietet Funktionen wie Funktionsaufrufe, Kontextkomprimierung und Verlaufsspeicherung. Auch spezialisierte Werkzeuge wie Websuche und eine Aufgabenliste für Agenten sind integriert. Die Foundry Hosted Agents, die die Infrastruktur für diese Workflows bereitstellen, werden nun über ein verbrauchsbasiertes Modell abgerechnet.
Project Perception: KI-Sicherheit mit drei Agenten-Klassen
Parallel zu den Entwicklungswerkzeugen startete Microsoft am 4. August die öffentliche Vorschau von Project Perception. Das System führt „agentische Sicherheit" in Microsoft Defender ein und nutzt das Modell MAI-Cyber-1-Flash mit 137 Milliarden Parametern und einem Kontextfenster von 256k.
Drei verschiedene Agenten-Klassen kommen dabei zum Einsatz:
- Red Agents: Testen Schwachstellen und simulieren Angriffe.
- Blue Agents: Kümmern sich um Verteidigung und Bedrohungsabwehr.
- Green Agents: Überwachen Systemzustand und Wartung.
Das System handelt weitgehend autonom, verlangt bei risikoreichen Operationen aber die Freigabe durch Menschen. In internen Tests erreichte es eine Erfolgsquote von 95,95 Prozent auf dem CyberGym-Benchmark – und lag damit über den Werten der Konkurrenz, bei gleichzeitig geringeren Betriebskosten.
Wer im Unternehmen auf autonome Systeme setzt, muss auch die rechtlichen Rahmenbedingungen der neuen EU-Gesetzgebung im Blick behalten. Dieser kostenlose Umsetzungsleitfaden bietet einen kompakten Überblick über alle Anforderungen, Pflichten und Fristen des EU AI Acts. EU AI Act in 5 Schritten verstehen: Fristen, Pflichten und Risikoklassen kompakt erklärt
Der Weg zur Copilot-Super-App
Die technischen Veröffentlichungen sind Teil einer größeren Konsolidierung der Microsoft-KI-Produkte. In der Telefonkonferenz zum vierten Quartal am 29. Juli bestätigte CEO Satya Nadella, dass verschiedene Copilot-Erfahrungen – darunter Chat, Code und Cowork – zu einer einzigen „Super-App" verschmelzen sollen, die bis Ende Oktober starten soll.
Für die Verwaltung der zunehmend autonomen Systeme führt Microsoft die Entra Agent ID ein. Das folgt auf eine Reihe von Preis- und Paketanpassungen für Microsoft 365, die am 1. August abgeschlossen wurden.
Die Konkurrenz schläft nicht
Microsoft ist mit der Agenten-Governance nicht allein. Am 4. August führte Google verbesserte Kontrollmechanismen für sein Agent Skills Repository ein, inklusive automatisierter Prüfungen und Regressionstests. NVIDIA veröffentlichte zeitgleich SkillSpector, einen Open-Source-Scanner, der Schwachstellen wie Prompt-Injection und Memory-Poisoning in Agenten-Skills aufspürt.
Auch im privaten Sektor tut sich etwas: Varonis brachte am 3. August ein Intent-Based Access Control System auf den Markt, das das Verhalten von Agenten auf „Intent Drift" überwacht und Sitzungen isolieren kann, die gegen Sicherheitsrichtlinien verstoßen. Unterstützt werden unter anderem GitHub Copilot und Microsoft Copilot Studio.
Die rasante Entwicklung bei KI-Systemen stellt Unternehmen nicht nur vor technische, sondern auch vor neue regulatorische Herausforderungen. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Report, welche KI-Systeme als Hochrisiko eingestuft werden und was Unternehmen jetzt konkret tun müssen. Kostenlosen Umsetzungsleitfaden zum EU AI Act anfordern
Der Wettlauf um sichere und produktive KI-Agenten ist damit in vollem Gange – und Microsoft positioniert sich mit einem Rundum-Paket aus Entwicklungswerkzeugen, Sicherheitsarchitektur und Produktbündelung an vorderster Front.
