Smartglasses-Verbot: 60% der Aufnahmen gelten als Belästigung
Veröffentlicht am: 01.09.2026 um 11:24 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der österreichischen Politik hat eine Debatte über den Umgang mit intelligenten Brillen, sogenannten Smartglasses, begonnen. Während die politischen Entscheidungsträger ein generelles Verbot der Technologie ablehnen, stehen nun strengere Transparenzregeln im Fokus der Diskussion.
Die Nutzung dieser Geräte wird bereits durch die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) reguliert, doch der Ruf nach einer präziseren Ausgestaltung der rechtlichen Rahmenbedingungen nimmt zu.
Internationale Skepsis gegenüber Importverboten
Ähnliche Entwicklungen zeigen sich derzeit in Australien. Die dortige Justizministerin Rowland sprach sich gegen ein Importverbot für Smartglasses aus und verwies auf bestehende lokale Regelungen sowie die erheblichen Vorteile für Menschen mit Sehbehinderungen.
Während die australischen Grünen einen zwölfmonatigen Importstopp forderten, setzt die Regierung auf einen Gesetzesentwurf, der unter anderem ein Recht auf Löschung von Daten vorsieht. Zudem ist die Einführung von Identitätssperren durch einen Dienst namens IDLock geplant, der ab dem Jahr 2027 zur Verfügung stehen soll.
Da immer mehr vernetzte Geräte sensible Daten erfassen, wird der Schutz der digitalen Privatsphäre zur zentralen Aufgabe für jeden Nutzer. Dieser kostenlose Ratgeber zeigt Ihnen 5 einfache Schritte, mit denen Sie Ihre mobilen Geräte sofort gegen Fremdzugriffe absichern können. 5 Schutzmaßnahmen jetzt entdecken
In Neuseeland mahnte der Datenschutzbeauftragte Webster eine Überprüfung der geltenden Gesetze an. Laut vorliegenden Daten zeigen sich etwa 40 Prozent der Neuseeländer besorgt über die Verbreitung von Wearables. Webster betonte, dass Unternehmen klare Richtlinien für die Nutzung solcher Geräte durch ihre Mitarbeiter benötigen.
Auch die australische eSafety Commission schaltete sich in die Debatte ein und forderte technische Schutzmaßnahmen wie eine automatische Unschärfefunktion für Gesichter sowie deutlich erkennbare Indikatoren, wenn eine Aufnahme läuft.
Meta reagiert auf Sicherheitslücken und Kritik
Der Technologiekonzern Meta, der laut Angaben des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes (DBSV) bereits 7 Millionen Exemplare seiner KI-gestützten Brillen verkauft hat, steht aufgrund von Sicherheitsmängeln unter Druck.
In Indien sieht sich das Unternehmen mit einer Schadenersatzklage in Höhe von 2,05 Milliarden Rupien konfrontiert. Meta-CTO Andrew Bosworth räumte Datenschutzprobleme ein und erklärte, dass Inhalte bei Verstößen entfernt und betroffene Konten gesperrt würden.
Als Reaktion auf die Kritik hat das Unternehmen ein technisches Update implementiert. Die integrierte Kamera stoppt nun die Videoaufnahme unmittelbar, wenn der LED-Indikator, der eine laufende Aufnahme signalisiert, verdeckt wird. Bisher wurde die Aufnahme lediglich blockiert, wenn die LED bereits vor dem Start abgedeckt war.
Ob Wearables oder Apps – die zunehmende Vernetzung birgt Risiken für die Sicherheit persönlicher Daten, die oft unterschätzt werden. In diesem gratis PDF-Ratgeber erfahren Sie, wie Kriminelle moderne Endgeräte ausspähen und wie Sie sich effektiv davor schützen. Kostenlosen Sicherheits-Ratgeber herunterladen
Ein neuer Echtzeit-Sensor soll zudem physische Manipulationen am Gerät erkennen, während Funktionen, die nicht die Kamera betreffen, weiterhin aktiv bleiben. Trotz dieser Maßnahmen berichtete ein Vizepräsident des Unternehmens, dass weiterhin nicht-einvernehmliche Aufnahmen auf Plattformen wie Instagram auftauchen.
Wachsende Vorbehalte im öffentlichen Raum
Die gesellschaftliche Akzeptanz von Smartglasses bleibt gering. Eine Untersuchung der Universität Sydney ergab, dass etwa 60 Prozent der mit solchen Brillen gemachten Aufnahmen als potenzielle Belästigung eingestuft werden können. Dies führt bereits zu konkreten Verboten auf lokaler Ebene: In Brisbane wurde die heimliche Aufnahme in Schwimmbädern untersagt, und auch große Veranstaltungen wie das Burning-Man-Festival oder die Hackerkonferenz DEFCON haben die Nutzung der Geräte auf ihren Geländen untersagt.
Während Organisationen wie der DBSV oder Vision Australia die Vorteile für Sehbehinderte betonen – Meta spendete allein in Irland 15.000 Brillen an diese Zielgruppe –, bleibt die Kritik an der Datenweitergabe bestehen. In Deutschland wird derzeit ein Verbot geprüft, während französische Behörden bereits Warnungen ausgesprochen haben und New Yorker Gerichte die Nutzung in ihren Räumlichkeiten untersagten.
