Smartphones, KI-Anwendungen

Smartphones im Alter: 35 Prozent nutzen bewusst KI-Anwendungen

Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 15:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine emporia-Studie zeigt verbreitete Messenger-Nutzung und KI-Einsatz, während digitale Unterstützung für Ältere weiterhin gefragt ist.

Seniorinnen und Senioren nutzen Messenger und KI im Smartphone-Alltag
Ein helles, modern eingerichtetes Wohnzimmer mit einem bequemen Sessel in der Nähe eines Fensters bei natürlichem Lichteinfall. Illustration mit AI erstellt.

Ältere Menschen nutzen Smartphones längst nicht mehr nur zum Telefonieren – digitale Kommunikation und sogar künstliche Intelligenz gehören für viele Seniorinnen und Senioren inzwischen zum Alltag. Das zeigt eine Studie von emporia Telecom zum Welt-Seniorentag, die 1.500 Menschen ab 50 Jahren in Deutschland und Österreich befragte.

Demnach nutzen 81 Prozent der Befragten ab 70 Jahren mindestens wöchentlich Messenger-Dienste wie WhatsApp, Signal oder Telegram. Gleichzeitig bleibt das klassische Telefonieren wichtig: 69 Prozent greifen weiterhin regelmäßig zum Hörer.

Künstliche Intelligenz hält Einzug

Besonders bemerkenswert ist laut der emporia-Studie, dass 35 Prozent der Befragten bewusst KI-Anwendungen wie ChatGPT oder Siri am Smartphone einsetzen. Managing Director Kjetil Fennefoss sieht darin einen Beleg dafür, dass ältere Menschen zunehmend ihre Scheu vor digitalen Anwendungen ablegen.

Als wichtigste Informationsquelle nennen die Befragten Google mit 78 Prozent, gefolgt von Wetter-Apps mit 72 Prozent und Nachrichten-Apps auf dem dritten Platz. Rund die Hälfte der Befragten greift der Studie zufolge stündlich zum Handy, wobei die Kamera- und Fotoalbum-Funktion mit 66 Prozent als wichtigste Unterhaltungsfunktion gilt.

Deutlich zurückhaltender zeigen sich die Befragten bei Behörden- und Ausweis-Apps, die nur 27 Prozent nutzen. Ein Notfallknopf wird dagegen von 74 Prozent als sinnvoll erachtet.

Soziale Medien und ihre Schattenseiten

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Auch international lässt sich ein ähnlicher Trend beobachten: In den Niederlanden waren laut Zahlen des Statistikamts CBS im Jahr 2025 bereits 59 Prozent der 65- bis 75-Jährigen auf sozialen Netzwerken aktiv – 2012 waren es erst 12 Prozent. Bei den über 75-Jährigen stieg der Anteil im selben Zeitraum von 2 auf 31 Prozent.

Der Sozialpsychologe Aart Bontekoning erklärt dies damit, dass heutige über 60-Jährige aktiv teilnehmen und nicht als veraltet gelten wollen. Die Social-Media-Expertin Kirsten Jassies verweist darauf, dass Plattformen zugänglicher geworden seien und zunehmend als Inspirations- und Informationsquelle dienten.

Kritischere Töne kommen von Vidar Halldorsson von der Universität Island. In seinem Buch „How Digital Screen Use Alienates Human Societies“ warnt er, dass digitale Kontakte reale Begegnungen verdrängen und Vertrauen, Empathie sowie Zugehörigkeitsgefühl schwächen könnten.

Bei direkter Interaktion glichen sich Aktivitätsmuster im Gehirn zwischen zwei Menschen an – über Bildschirme geschehe dies nicht in gleicher Weise, da digitale Kommunikation nur einen Teil der Signale übertrage. Die Corona-Pandemie habe diese Entwicklung beschleunigt. Auch KI-Chatbots als Gesprächspartner böten zwar reibungsarme Beziehungen, könnten analoges Erleben aber nicht ersetzen.

Digitale Kluft bleibt bestehen

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Trotz wachsender Nutzungszahlen zeigen Daten aus Deutschland, dass die digitale Teilhabe im Alter nicht selbstverständlich ist. Laut einer Seniorenstudie des Bundesfamilienministeriums vom Januar 2026 nutzen 74 Prozent der Menschen ab 65 Jahren das Internet. In Österreich nutzt laut Statistik Austria rund ein Viertel der Generation 65+ gar kein Internet, wie das Diakoniewerk Salzburg berichtet.

Dort unterstützen 469 Freiwillige Seniorinnen und Senioren per Hausbesuchen, kostenlosen Sprechstunden und Workshops im Umgang mit Smartphone und Tablet. Projektleiterin Christine Daller betont, dass bei Hausbesuchen alle Fragen gestellt werden könnten, ohne dass geurteilt werde.

Ähnliche Angebote entstehen vielerorts: In Dorsten lädt der Seniorenbeirat zu einem Workshop zum Thema KI-Nutzung ein, in Güstrow organisieren der Seniorenbeirat und ein SilverSurfer-Team Veranstaltungen zu Smartphone-Nutzung und künstlicher Intelligenz, in Rheine kooperieren Volkshochschule, Stadt und Caritas bei einem monatlichen „Digital-Treff“, und in Herbstein startet ein mehrmonatiger Kurs mit 36 Teilnehmenden, der von Apps über Online-Banking bis zum digitalen Erbe reicht.

Diese Vielzahl lokaler Initiativen deutet darauf hin, dass der Bedarf an UnterstĂĽtzung beim Erwerb digitaler Kompetenzen trotz wachsender Nutzungszahlen ungebrochen hoch ist.

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