Smartwatch-EKG: 57 Prozent der erkannten FĂ€lle blieben symptomlos
Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 10:23 Uhr | Redaktion boerse-global.deGarmin hat seine EKG-App fĂŒr ausgewĂ€hlte Smartwatches in Indien freigeschaltet und stĂŒtzt sich dabei auf klinische Validierungsdaten der US-Gesundheitsbehörde FDA. Parallel dazu unterstreichen neue kardiologische Studienergebnisse das wachsende diagnostische Potenzial von Wearables zur FrĂŒherkennung von Vorhofflimmern.
Die Freischaltung der Funktion gilt vorerst fĂŒr Nutzer in Indien und umfasst die Smartwatch-Modelle Fenix 9, Venu 4 und Forerunner 970. Das 30-sekĂŒndige Elektrokardiogramm am Handgelenk ermöglicht die Erkennung von Vorhofflimmern (AFib) oder eines normalen Sinusrhythmus.
Die App dient als Screening-Instrument und stellt keinen Ersatz fĂŒr eine vollwertige medizinische Diagnose dar; zudem weist Garmin darauf hin, dass die Anwendung zwar Vorhofflimmern identifizieren kann, jedoch keine Herzinfarkte oder andere Formen von Arrhythmien erkennt.
PrÀzision durch behördliche Freigabe und klinische Parameter
Hinter der Funktionsweise steht die FDA-510(k)-Freigabe mit dem Kennzeichen K221774. Die zugrundeliegenden PrĂŒfdaten belegen eine SensitivitĂ€t von 99,5% fĂŒr das Erkennen von Vorhofflimmern sowie eine SpezifitĂ€t von 100% fĂŒr einen normalen Sinusrhythmus bei klassifizierbaren Messungen. Zugleich stufte das System in den Untersuchungen rund 11,5% der Aufzeichnungen als nicht klassifizierbar ein.
Das Angebot richtet sich an Erwachsene ab 22 Jahren. Voraussetzung fĂŒr den Einsatz sind die jeweils aktuelle Garmin-Connect-App sowie eine aktuelle Firmware auf der Uhr. Die einmalige Einrichtung erfolgt ohne Zusatzkosten ĂŒber garmin.com/ECG.
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Die ermittelten Messwerte werden in Garmin Connect gespeichert, von wo aus Berichte fĂŒr behandelnde Ărzte erstellt und digital geteilt werden können. Garmin-VizeprĂ€sidentin Susan Lyman erklĂ€rte, das Unternehmen freue sich, den Kunden in Indien die EKG-App zur VerfĂŒgung stellen zu können.
Die EinfĂŒhrung erfolgt vor dem Hintergrund relevanter epidemiologischer Kennzahlen: In Indien werden jĂ€hrlich etwa 1,6 Millionen SchlaganfĂ€lle verzeichnet, zudem entfallen rund 20% der weltweiten kardiovaskulĂ€ren TodesfĂ€lle auf das Land.
Eine 2024 im Indian Heart Journal veröffentlichte Untersuchung an 23.847 Patienten mit 24-Stunden-Holter-EKG wies eine Vorhofflimmern-PrĂ€valenz von 17,4% bei einer medianen Episodendauer von etwa 14 Minuten aus. Zuvor hatten bereits Apple im Jahr 2019 sowie Samsung im Jahr 2024 vergleichbare EKG-Funktionen im indischen Markt eingefĂŒhrt.
Studien belegen Nutzen kontinuierlicher Smartwatch-Ăberwachung
Die Relevanz sensorbasierter Rhythmuskontrollen verdeutlicht zudem eine Untersuchung des Amsterdam UMC, die in Publikationen der JACC Journals erschienen ist. An der sechsmonatigen Studie nahmen 437 Hochrisiko-Schlaganfallpatienten mit einem medianen Alter von 75 Jahren teil.
In der Gruppe mit einer Apple Watch (219 Teilnehmer, Tragedauer rund 12 Stunden tÀglich) wurden 21 FÀlle von Vorhofflimmern diagnostiziert, wovon 57% asymptomatisch verliefen.
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In der Kontrollgruppe mit Standardversorgung (218 Teilnehmer mit Klebeelektroden und tragbarem EKG) wurden lediglich fĂŒnf FĂ€lle identifiziert, die ausnahmslos symptomatisch waren. Damit erkannte die Smartwatch fast viermal so viele FĂ€lle von Vorhofflimmern wie die traditionelle Ăberwachung.
Der Kardiologe Michiel Winter betonte, dass Smartwatches mit Photoplethysmographie (PPG) und EKG dazu beitragen, unbemerkte Herzrhythmusstörungen frĂŒhzeitig zu diagnostizieren, und potenziell das Schlaganfallrisiko senken könnten.
Die EKG-App sowie Hinweise auf unregelmĂ€Ăigen Herzrhythmus wurden von Apple bereits 2018 mit der Apple Watch Series 4 eingefĂŒhrt; auch Hersteller wie Samsung und Huawei bieten Ă€hnliche Funktionen an.
