Smartwatches bei Vorhofflimmern: Über 90 Prozent Treffsicherheit, aber kein EKG-Ersatz
Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 14:13 Uhr | Redaktion boerse-global.deSmartwatches und Fitnessarmbänder können Vorhofflimmern mit hoher Treffsicherheit aufspüren, ersetzen jedoch keinesfalls die ärztliche Abklärung. Darauf weist die Deutsche Herzstiftung in einer aktuellen Stellungnahme hin. Die Organisation ordnet dabei das diagnostische Potenzial digitaler Gesundheitsbegleiter ein und formuliert konkrete Empfehlungen für Risikogruppen.
Hohe Treffsicherheit, aber kein Ersatz für das EKG
Moderne Wearables, die mittels Photoplethysmographie (PPG) und einem 30-sekündigen 1-Kanal-EKG arbeiten, erreichen bei der Erkennung von Vorhofflimmern eine Treffsicherheit von über 90 Prozent. Dennoch warnt die Herzstiftung davor, die Geräte als vollwertigen Ersatz für eine medizinische Diagnose zu betrachten. Eine gesicherte Feststellung erfordere weiterhin ein ärztlich abgeleitetes 12-Kanal-EKG.
Zudem seien Fehlalarme bei den am Handgelenk getragenen Geräten nicht selten. Patienten sollten sich darüber im Klaren sein, dass lebensbedrohliche Ereignisse wie ein akuter Herzinfarkt oder bösartige Rhythmusstörungen von den handelsüblichen Wearables nicht erfasst werden.
Risiken der oft unbemerkten Rhythmusstörung
Vorhofflimmern gilt als die häufigste anhaltende Herzrhythmusstörung und betrifft in Deutschland über 1,6 Millionen Menschen. Mindestens einer von drei Menschen in Europa entwickelt die Erkrankung im Laufe des Lebens; in der Altersgruppe der über 70-Jährigen ist rund jeder Zehnte betroffen. Eine besondere Gefahr besteht darin, dass die Rhythmusstörung bei bis zu 50 Prozent der Betroffenen ohne spürbare Symptome verläuft.
Bleibt Vorhofflimmern unbehandelt, drohen schwere Folgeerkrankungen: Rund 20 bis 30 Prozent der ischämischen Schlaganfälle gehen darauf zurück, und mehr als ein Drittel der Betroffenen entwickelt im weiteren Verlauf eine Herzinsuffizienz.
Laut dem Deutschen Herzbericht – Update 2026 verzeichnete das Gesundheitssystem im Jahr 2024 rund 360.800 vollstationäre Krankenhausaufnahmen sowie rund 29.800 Todesfälle infolge von Vorhofflimmern, womit die Erkrankung die achthäufigste Todesursache darstellt.
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Empfehlungen zur Pulskontrolle und Therapie
Fachleute raten Personen ab 65 Jahren mit Vorerkrankungen wie Bluthochdruck oder einer koronaren Herzkrankheit (KHK) dazu, täglich den eigenen Puls zu kontrollieren. Für Personen über 75 Jahre wird die tägliche Pulsmessung generell empfohlen.
Die normale Herzfrequenz in Ruhe liegt bei 60 bis 80 Schlägen pro Minute. Sollte der Puls unregelmäßig schlagen oder der Ruhepuls dauerhaft über 100 Schläge pro Minute steigen, sei ein zeitnaher Arztbesuch ratsam.
Wird die Rhythmusstörung diagnostiziert, stehen für die Vermeidung von Schlaganfällen etablierte direkte orale Antikoagulanzien (DOAK) wie Dabigatran, Apixaban, Edoxaban und Rivaroxaban zur Verfügung. Zur Einschätzung des individuellen Risikos dient der CHA2DS2-VA-Score, der ab einem Wert von 2 Punkten den Einsatz oraler Gerinnungshemmer empfiehlt.
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Aufklärung und Forschung im Rahmen der Herzwochen
Um das Bewusstsein für die Erkrankung zu schärfen, widmet die Deutsche Herzstiftung die Herzwochen 2026 vom 1. bis 30. November dem Thema Vorhofflimmern. Parallel fördert die Stiftung elf wissenschaftliche Forschungsprojekte auf diesem Gebiet mit einer Gesamtsumme von 1 Million Euro.
Im Rahmen der Aktionswochen finden zudem bundesweit Informationsveranstaltungen statt. Unter anderem lädt die Herzstiftung am 4. November um 17 Uhr zu einer kostenfreien Veranstaltung in das IT-Zentrum nach Lingen (Kaiserstraße 10b) ein.
Dort informieren Prof. Dr. Alexander Pott, Dr. Martin Kruse, Dr. Lioba Görtz und Dr. Henrik Neubauer unter der Moderation von Hermann Hesse über Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten; eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
