SMS-Betrug, Angriffe

SMS-Betrug explodiert: Angriffe steigen um 146 Prozent im Halbjahr

Veröffentlicht am: 26.07.2026 um 13:34 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Internationale Behörden schalten die Phishing-Plattform Kratos aus. Trotz des Erfolgs warnen Experten vor steigenden SMS-Betrugsfällen und neuen Trojanern.

BKA zerschlägt Phishing-Plattform Kratos: 200 Server beschlagnahmt
Dunkles Kontrollzentrum mit leuchtenden Bildschirmen, die Datenströme und digitale Sicherheitswarnungen anzeigen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Plattform war für monatlich rund 15.000 kriminelle Kampagnen verantwortlich – und bediente 1.800 Abonnenten.

Das Bundeskriminalamt (BKA) hat gemeinsam mit dem FBI und internationalen Partnern die Phishing-Plattform „Kratos“ zerschlagen. Die Behörden beschlagnahmten über 200 Server. Ein mutmaßlicher Entwickler der Software wurde in Indonesien festgenommen.

Kratos hatte sich auf den Diebstahl von Microsoft-365-Zugangsdaten spezialisiert. Allein im zweiten Quartal 2026 registrierten die Ermittler rund 7,6 Milliarden Phishing-E-Mails.

Deutsche Behörden im Visier

Trotz des Erfolgs bleibt die Bedrohungslage hoch. Rund 25.000 Microsoft-Exchange-Systeme in Deutschland gelten als angreifbar. Mehrere Bundesbehörden sollen betroffen sein.

SMS-Betrug explodiert um 146 Prozent

Die Halbjahreszahlen zeigen eine dramatische Verschiebung der Angriffsvektoren. Der SMS-Betrug wuchs um 146 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Betrugsfälle im Online-Handel legten um 134 Prozent zu.

Kriminelle setzen vermehrt auf den Trojaner „Dolphin X“. Die Schadsoftware verfügt über 329 Funktionen und kann Daten aus mehr als 300 Anwendungen stehlen – darunter zahlreiche Krypto-Wallets.

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Ein weiterer Trend: Im Apple App Store identifizierten Experten im ersten Halbjahr rund 560.000 KI-generierte Apps. Ein Teil davon dient betrügerischen Zwecken.

Smishing: Angriff nach dem Handy-Diebstahl

Mobilfunkanbieter warnen vor einer neuen Masche: Nach einem Smartphone-Diebstahl erhalten Opfer gezielte SMS. Die Täter geben sich als Finder oder Support-Mitarbeiter von Apple oder Google aus. Über manipulierte Links wollen sie Zugriff auf die Gerätesperre erhalten.

Sparkassen- und DKB-Kunden im Visier

Die Verbraucherzentrale und die Sparkassen-Finanzgruppe warnen vor aktuellen Phishing-Wellen. Kunden erhalten E-Mails mit angeblichen Fristen zur Aktivierung von Sicherheitsverfahren wie „3D Secure 2.0“.

Bei der Sparkasse folgen auf die E-Mails oft betrügerische Anrufe. Die Täter erschleichen sich TAN-Freigaben. DKB-Kunden werden mit unpersönlichen Schreiben auf gefälschte Webseiten gelockt, um ihre Mobilfunknummer zu bestätigen.

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Experten raten: Keine Links in solchen Nachrichten anklicken. Bei erfolgter Dateneingabe das Konto sofort sperren lassen.

Angreifer nutzen Echtzeit-Methoden

IT-Sicherheitsfirmen wie CTM360 beobachten eine neue Entwicklung: Mit „InsureOTP Kits“ können Täter während des Einloggvorgangs des Opfers parallel die Zwei-Faktor-Authentifizierung abgreifen. Sie melden sich dann am echten Portal an. Die Methode wird aktuell verstärkt gegen Versicherungsunternehmen in Europa und den USA eingesetzt.

Russische Hackergruppen wie UAC-0099 oder Laundry Bear nutzen gezielt Sicherheitslücken in Microsoft SharePoint und Zimbra-Servern. In Deutschland gelten rund 40 Prozent der untersuchten Zimbra-Server als verwundbar.

Deepfakes: Selbstüberschätzung der Nutzer

Ein Vorabbericht zum Cybersicherheitsmonitor 2026 des BSI zeigt eine gefährliche Diskrepanz: 47 Prozent der Befragten glauben, KI-generierte Inhalte oder Deepfakes erkennen zu können. Doch fast ein Drittel hat noch nie konkrete Prüfmaßnahmen ergriffen.

Das BSI mahnt zu höherer Wachsamkeit. Angesichts der zunehmenden Nutzung von KI für Anlagebetrug und manipulierte Identitäten seien etablierte Prüfmethoden unverzichtbar.

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