Fliegendes Sahnebonbon als Musterbeispiel der Evolution
28.08.2024 - 01:30:36Apartes Rosa kombiniert mit einem flauschigen, bananengelben RĂŒckenpelz: Bestimmte Schmetterlinge sehen aus wie von Kindern gemalte Fabelwesen. Zusammen mit einem unauffĂ€lliger gefĂ€rbten Verwandten ist das geflĂŒgelte Erdbeer-Sahne-Bonbon ein faszinierendes Beispiel fĂŒr die Bildung von Arten, wie ein Forschungsteam im Fachmagazin «Proceedings B» der britischen Royal Society berichtet.
So hĂŒbsch der Falter Dryocampa rubicunda mit seinen zarten Farben und der wilden LöwenmĂ€hne aussieht: Zu sehen bekommt man ihn nur nachts. Die enge Verwandtschaft der in unauffĂ€lligeren Brauntönen gehaltenen Pfauenspinner-Gruppe Anisota zeigt sich hingegen am Tag.
Disco im Erbgut
Beteiligt sei daran das sogenannte Disco-Gen, erlĂ€utert die Gruppe um den US-Forscher Yash Sondhi, der die Studie an der Florida International University und am Florida Museum of Natural History durchfĂŒhrte. Es beeinflusse den Tag-Nacht-Rhythmus von Insekten und sei bei den beiden Faltern unterschiedlich aktiv.
Sehr wahrscheinlich seien VerĂ€nderungen im Disco-Gen eine Ursache dafĂŒr gewesen, dass die heutigen Dryocampa-Falter auf Nachtflug umstellten und damit aus ursprĂŒnglich einer Art zwei wurden. Bei Anisota-Schmetterlingen sind die Weibchen in der DĂ€mmerung und am frĂŒhen Abend aktiv, die MĂ€nnchen lieber am Tag, wie die Forschenden schreiben.
Gerade erst getrennt
Dass sich die ursprĂŒngliche Art aufspaltete, ist in evolutionĂ€ren MaĂstĂ€ben noch gar nicht lange her: «nur» etwa 3,8 Millionen Jahre. Heute zĂ€hlen die entstandenen Spezies zu den kleinsten Pfauenspinnern Nordamerikas.
Vielfach bilden sich neue Arten dadurch, dass Populationen geografisch isoliert werden - etwa durch eine Gebirgskette. Sie entwickeln sich getrennt voneinander weiter und verlieren schlieĂlich die FĂ€higkeit, ĂŒber Kreuz fortpflanzungsfĂ€hige Nachkommen zu zeugen.
Die VorgÀnger von Dryocampa und Anisota lebten hingegen im selben Gebiet. Wie kommt es in solchen FÀllen zur Aufspaltung von Arten?
Eine Frage der Gene
Sondhi vermutete zunÀchst Unterschiede im Farbensehen als eine Grundlage der Trennung in tag- und nachtaktive Tiere. Die aber gab es nicht - stattdessen aber Abweichungen bei den sogenannten Uhrengenen, die den Tag-Nacht-Rhythmus von Pflanzen und Tieren steuern.
Die an- und abschwellende Menge von ihnen gebildeter Proteine bewirkt, dass die Zellen entweder aktiv werden oder ruhen, wie die Forschenden erklÀren. Die Gene beeinflussen im Körper alles, von Stoffwechsel und Zellwachstum bis hin zu Blutdruck und Körpertemperatur.
Sondhi und seinem Team zufolge investierten die bonbonfarbenen Nachtfalter mehr Energie in ihren Geruchssinn, die tagaktive Verwandtschaft hingegen mehr in Gene, die mit dem Sehvermögen in Verbindung stehen.Â


