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Soziale Isolation: Demenzrisiko steigt laut Studie um 26 Prozent

Veröffentlicht am: 04.10.2026 um 23:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Forschungsergebnisse verbinden geringe soziale Kontakte und eine ungünstige soziale Lage mit höherem Demenzrisiko.

Soziale Isolation erhöht laut Studie das Demenzrisiko um 26 Prozent
Eine leere Parkbank unter einem großen, blattlosen Baum an einem grauen Herbsttag, die das Gefühl von Einsamkeit vermittelt. Illustration mit AI erstellt.

Soziale Bindungen gelten zunehmend als einer der am besten belegten Schutzfaktoren gegen kognitiven Abbau im Alter. Eine umfangreiche Untersuchung von Forschungsteams der Universitäten Cambridge, Warwick und Fudan, über die der Branchendienst able2uk.com berichtete, liefert dazu belastbare Zahlen: Wer sozial isoliert lebt, trägt demnach ein um 26 Prozent erhöhtes Demenzrisiko.

Grundlage war die UK Biobank, eine Datenbank mit über 460.000 Teilnehmern in ihren Fünfziger- und Sechzigerjahren, die fast zwölf Jahre lang vor Beginn der Corona-Pandemie beobachtet wurden.

Isolation und Einsamkeit sind nicht dasselbe

In der Kohorte waren 10 Prozent der Teilnehmer, umgerechnet 41.886 Personen, sozial isoliert, während 6 Prozent beziehungsweise 29.036 Personen sich einsam fühlten. Von insgesamt 4.998 Teilnehmern, die im Beobachtungszeitraum eine Demenz entwickelten, lag die Erkrankungsrate in der isolierten Gruppe bei 1,55 Prozent gegenüber 1,03 Prozent bei den Einsamen.

Prof. Edmund Rolls von der Universität Warwick erläuterte dazu die wichtige konzeptionelle Unterscheidung: Soziale Isolation beschreibt einen objektiv messbaren Zustand geringer sozialer Kontakte, während Einsamkeit das subjektive Gefühl des Isoliertseins bezeichnet – und beide wirken offenbar unterschiedlich stark auf das Erkrankungsrisiko.

Begleitende Hirnscans bei rund 30.000 isolierten Teilnehmern zeigten zudem weniger graue Substanz in Hirnregionen, die für Gedächtnis und Lernen zuständig sind – ein Hinweis auf mögliche strukturelle Zusammenhänge zwischen Isolation und kognitivem Abbau.

Prof. Jianfeng Feng warnte vor diesem Hintergrund davor, bei künftigen Pandemie-bedingten Lockdowns die Folgen sozialer Isolation zu unterschätzen. In Großbritannien leben laut der Studie über 850.000 Menschen mit Demenz.

Soziale Lage verschärft Risiken bei Vorerkrankungen

Dass soziale Faktoren das Demenzrisiko nicht nur direkt, sondern auch im Zusammenspiel mit körperlichen Vorerkrankungen beeinflussen, zeigt eine weitere Untersuchung im Journal Aging, über die modelempire.net berichtete.

Eine Kohorte von fast 22.000 Erwachsenen, darunter über 10.000 Menschen mit Typ-2-Diabetes, wurde bis zu 14 Jahre lang beobachtet. Eine ungünstige soziale Lage ging dabei mit einem mehr als doppelt so hohen Demenzrisiko einher wie eine günstige Lage, wobei Frauen in ungünstiger sozialer Situation ein mehrfach erhöhtes Risiko trugen.

Bei Diabetikern mit ungünstiger oder mittlerer sozialer Lage lag das Demenzrisiko sogar fast dreimal so hoch wie bei Nicht-Diabetikern. Als Risikofaktoren identifizierten die Autoren niedriges Haushaltseinkommen, geringe Bildung im Umfeld, fehlendes Wohneigentum, Einsamkeit und wahrgenommenen Stress.

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Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2018 im Fachjournal Lancet Diabetes & Endocrinology hatte bereits zuvor gezeigt, dass Diabetes das Demenzrisiko generell um 50 bis 60 Prozent erhöht – vor dem Hintergrund, dass die Weltgesundheitsorganisation bis 2030 weltweit 500 Millionen Diabetesfälle erwartet und Demenz schon heute 55 Millionen Menschen betrifft.

Beziehungsqualität als Langzeitfaktor

Der Zusammenhang zwischen sozialem Umfeld und Gesundheit im Alter ist auch jenseits der Demenzforschung dokumentiert. Eine Meta-Analyse mit über 300.000 Personen, über die geniesserinnen.de berichtete, kam zu dem Ergebnis, dass gute Beziehungen die Überlebenswahrscheinlichkeit um bis zu 50 Prozent erhöhen können.

Die seit 1938 laufende Harvard Study of Adult Development zählt die Qualität sozialer Beziehungen zu den stärksten bekannten Einflussfaktoren auf die Gesundheit im Alter. Ergänzend zeigte eine US-Langzeitstudie, dass Menschen mit einem positiven Altersbild im Schnitt gut sieben Jahre länger leben als Menschen mit einem negativen Altersbild.

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Ein seit 2013 geführtes Einsamkeitsbarometer deutet dabei nicht auf eine generelle Einsamkeitsepidemie hin, verzeichnete jedoch einen sprunghaften Anstieg der Werte im Jahr 2020 während der Pandemie, gefolgt von einem Rückgang 2021 auf ein Niveau, das mit 2017 vergleichbar war.

Auffällig ist, dass junge Menschen in diesen Erhebungen durchgehend höhere Einsamkeitswerte aufweisen als ältere Altersgruppen. Die klinische Gesundheitspsychologin Mag. Kerstin Schuller betonte in diesem Zusammenhang, dass Stress ohne ausreichende Erholung das Leben verkürzen kann und Erholungsphasen als fester Bestandteil der gesundheitlichen Vorsorge verstanden werden sollten.

Insgesamt zeichnen die vorliegenden Untersuchungen ein konsistentes Bild: Soziale Bindungen, die soziale Lage und die subjektive Wahrnehmung von Einsamkeit wirken als eigenständige, teils überlappende Faktoren auf das Demenzrisiko – ein Umstand, der angesichts alternder Gesellschaften zunehmend auch präventionspolitische Relevanz gewinnt.

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