Soziale, Medien

Soziale Medien: 48% der Jugendlichen sehen Positives, Eltern nur 21%

19.06.2026 - 18:02:59 | boerse-global.de

EU-Studie zeigt große Kluft zwischen Jugend und Eltern bei Social-Media-Bewertung. Politik diskutiert Verbote und Schutzmechanismen.

Social Media: Jugend sieht Chancen, Eltern warnen vor Risiken
Soziale - Eine junge Person hĂ€lt ein Smartphone; im unscharfen Hintergrund sind mehrere Social-Media-App-Symbole zu sehen. 19.06.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

WÀhrend Politiker auf Verbote setzen, liefern neue Studien ein differenzierteres Bild der digitalen RealitÀt. Die Kluft zwischen Eltern und Kindern wÀchst.

Eltern und Jugendliche: Zwei Welten

Eine EU-weite Umfrage unter 39.000 Teilnehmern aus 27 LĂ€ndern zeigt: Die Wahrnehmung sozialer Medien driftet auseinander. 48 Prozent der 13- bis 18-JĂ€hrigen bewerten den Einfluss als positiv. Bei den Eltern sind es nur 21 Prozent.

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Die Studie deckt zudem eine eklatante FehleinschÀtzung auf: Eltern unterschÀtzen die Nutzungsdauer ihrer Kinder um rund eine Stunde. Jugendliche sind an Schultagen im Schnitt 4,5 Stunden online, am Wochenende sogar 6,1 Stunden.

Interessant: Auch innerhalb der jungen Nutzer gibt es Kritik. 48 Prozent fordern eine konsequentere Durchsetzung bestehender Regeln. Eine EU-Expertengruppe will Mitte Juli neue Empfehlungen vorlegen.

Politik zwischen Verbot und Verantwortung

Bundesjustizministerin Hubig machte bereits im MĂ€rz 2026 ernst: Sie strebt ein Social-Media-Verbot fĂŒr Kinder unter 14 Jahren an. Das Modell sieht eine schrittweise HeranfĂŒhrung vor. UnterstĂŒtzung kommt aus den LĂ€ndern, etwa von NRW-MinisterprĂ€sident WĂŒst.

Doch die Medienregulierung bremst. Dr. Thorsten Schmiege, PrĂ€sident der Bayerischen Landeszentrale fĂŒr neue Medien (BLM), betont: Vor pauschalen Verboten mĂŒssten die Plattformbetreiber gesetzlich stĂ€rker in die Pflicht genommen werden. Sowohl Medienanstalten als auch der Ethikrat lehnen ein Verbot fĂŒr unter 16-JĂ€hrige ab. Sie plĂ€dieren fĂŒr differenzierte Schutzkonzepte.

International gilt Australien als Vorreiter – dort wurde bereits ein entsprechendes Verbot eingefĂŒhrt.

Psychologen warnen: Verbote allein reichen nicht

Die Psychotherapeutenkammer Niedersachsen schlug im Juni 2026 Alarm. Ihre Forderung: verbindliche Schutzmechanismen direkt auf den Plattformen. Dazu gehören die Begrenzung von Nutzungszeiten, das Unterbinden suchtfördernder Mechanismen und eine zuverlÀssige Altersverifikation.

Die Wissenschaft untermauert die Sorgen. Eine Studie der Camilo-JosĂ©-Cela-UniversitĂ€t Madrid und der UniversitĂ€t Bergen untersuchte 943 Erwachsene zwischen 18 und 35 Jahren. Ergebnis: Wer mehr als fĂŒnf Stunden tĂ€glich auf sozialen Plattformen verbringt, berichtet hĂ€ufiger von GedĂ€chtnislĂŒcken im Alltag als Nutzer mit weniger als einer Stunde.

Klagewellen gegen Meta und TikTok

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Der juristische Druck auf die Konzerne wĂ€chst. In Europa hĂ€ufen sich Verfahren im Zusammenhang mit Suiziden und Selbstverletzungen von MinderjĂ€hrigen. In Italien lĂ€uft eine Sammelklage gegen TikTok und Meta, die strikte Alterskontrollen fĂŒr unter 14-JĂ€hrige fordert. In Frankreich haben 16 Familien nach SuizidfĂ€llen Strafverfahren angestrengt.

Auch die USA bleiben ungemĂŒtlich fĂŒr die Tech-Riesen. Ein Richter lehnte AntrĂ€ge von Meta und Google auf einen neuen Prozess ab – einem ehemaligen Nutzer waren 6 Millionen Dollar Schadensersatz zugesprochen worden. In Großbritannien klagt die Familie eines im Dezember 2023 verstorbenen Teenagers gegen Meta.

Ende Juni wird eine Fachkommission unter Leitung von Frau Prien rund 50 Empfehlungen veröffentlichen. Die Gerichtstermine in Italien stehen fĂŒr den Sommer und Herbst an.

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