Soziale, Medien

Soziale Medien: 72% der Jugendlichen fühlen sich abgelenkt

Veröffentlicht: 16.07.2026 um 03:48 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Helsana startet digitalen Mental Health Check, während KI und Wearables neue Wege in der psychischen Versorgung aufzeigen.

Schweizer Psychiatrie: Digitale Helfer gegen Unterversorgung
Eine stilisierte, leuchtende neuronale Netzwerkgrafik über einem menschlichen Kopfprofil, die KI und psychische Gesundheit symbolisiert. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Besonders ländliche Regionen gelten als stark unter versorgt. Digitale Werkzeuge sollen helfen, diese Lücken zu schließen – von KI-gestützten Gesprächen bis hin zu Wearables, die Emotionen erkennen.

Helsana startet digitalen Mental Health Check

Ein Pilotprojekt zwischen der Versicherung Helsana und dem Uni Zürich-Spin-off Klenico startete am 15. Juli 2026. Zusatzversicherte erhalten Zugang zu einem digitalen Mental Health Check. Ein anschließendes Auswertungsgespräch mit Psychotherapeuten ergänzt das Angebot. Ziel ist die frühzeitige Einschätzung psychischer Belastungen – und die gezielte Steuerung in passende Versorgungsangebote.

Parallel dazu etablieren sich Plattformen wie Wysa am Markt. Sie bieten KI-gestützte Gespräche und klinische Versorgungspfade für Arbeitgeber und Kliniken. Die Systeme nutzen Module für Aufnahme, Screening und Begleitung zwischen den Therapiesitzungen. Anbieter auf dem Schweizer Markt müssen dabei strenge Anforderungen an Datenresidenz, Berufsgeheimnis und regulatorische Zulassungen erfüllen.

Klassische Fragebögen stoßen an Grenzen

Die Forschung hinterfragt zunehmend die Genauigkeit herkömmlicher Diagnoseinstrumente. Eine Studie in der Fachzeitschrift „Intelligence“ aus dem Jahr 2025 deutet darauf hin: Klassische Depressionsfragebögen könnten bei hochintelligenten Menschen weniger valide sein. Die psychische Gesundheit fällt demnach am oberen Ende der IQ-Skala ab – herkömmliche Skalen erfassen das oft unzureichend.

Als Alternative empfehlen Forscher digitale Tracker oder das Experience Sampling. Dabei werden Daten in Echtzeit im Alltag der Betroffenen erhoben. Auch Fachleute der New York University wiesen auf Messprobleme bei Depressionsskalen hin, die über verschiedene Kulturen und Geschlechter hinweg variieren können.

Soziale Medien: 72 Prozent der Jugendlichen fühlen sich abgelenkt

Besonders bei Jugendlichen zeigt sich ein Spannungsfeld zwischen digitalen Medien und mentalem Wohlbefinden. Die aktuelle JIM-Plus-Studie untersucht das Verhalten von 14- bis 17-Jährigen in Deutschland. Die Ergebnisse sind alarmierend: 72 Prozent fühlen sich durch soziale Medien abgelenkt, 55 Prozent beklagen fehlende Erholungszeit.

Anzeige

Innovative Technologien im Gesundheitsbereich unterliegen in der Schweiz und der EU strengen Datenschutzvorgaben. Wie Organisationen das revidierte Datenschutzgesetz sicher meistern und dabei rechtlich auf der sicheren Seite bleiben, zeigt dieser kostenlose Leitfaden. Gratis-Download für Schweizer Unternehmen: revDSG-Checklisten und Mustervorlagen

Der soziale Vergleich wird besonders kritisch bewertet. 64 Prozent der Befragten vergleichen sich automatisch mit anderen. Die Hälfte hat den Eindruck, dass andere ein besseres Leben führen. KI-generierte Inhalte sorgen bei 61 Prozent für Verunsicherung. Die EU-Kommission plant deshalb nach dem Sommer 2026 einen Vorschlag für neue Altersbegrenzungen in digitalen Netzwerken.

Wearables erkennen Emotionen – aber der EU AI Act bremst

Die Technologie strebt nach tieferer Integration in den Alltag. Ein am 2. Juli 2026 veröffentlichtes Patent beschreibt eine Technologie, die mittels Wearables wie Datenbrillen oder Smartwatches kontinuierlich Audio- und Verhaltensdaten sammelt. Ziel: Erkennung von Emotionen durch Analyse von Tonfall, Sprechtempo oder physiologischen Merkmalen wie Lidschlagrate und Pupillengröße.

Solche Innovationen stoßen jedoch auf rechtliche Grenzen. Der EU AI Act verbietet den Einsatz von Emotions-KI am Arbeitsplatz und in Bildungseinrichtungen seit Februar 2025. Verstöße können mit Bußgeldern von bis zu 35 Millionen Euro oder 7 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes geahndet werden.

Anzeige

Der EU AI Act stellt Unternehmen, die KI-Systeme einsetzen oder entwickeln, vor komplexe Herausforderungen bei der Risikodokumentation. Dieser kostenlose Umsetzungsleitfaden bietet einen kompakten Überblick über alle Anforderungen, Pflichten und geltenden Übergangsfristen der KI-Verordnung. EU AI Act in 5 Schritten verstehen: Kostenloses E-Book sichern

Bundeskabinett beschließt GeDIG-Gesetz

Die Politik treibt die Digitalisierung des Gesundheitswesens voran. Am 15. Juli 2026 beschloss das Bundeskabinett den Entwurf für das Gesetz für Daten und digitale Innovation im Gesundheitswesen (GeDIG). Es sieht unter anderem den Ausbau der elektronischen Patientenakte (ePA) und eine verbesserte Datennutzung für die Forschung vor. Langfristig soll das auch die diagnostischen Möglichkeiten im Bereich der mentalen Gesundheit stützen.

Bereits am 14. Juli 2026 startete die Pilotphase für den elektronischen Medikationsplan in der ePA. Er soll die Patientensicherheit bei der Verordnung mehrerer Medikamente erhöhen – ein wichtiger Schritt angesichts der zunehmenden Komplexität psychiatrischer Behandlungen.

Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten ohne Gewähr; Änderungen jederzeit möglich. Börsengeschäfte können zu hohen Verlusten führen. Unsere Beiträge werden ganz oder teilweise automatisiert mit Unterstützung von AI erstellt und geprüft.

de | wissenschaft | 69776380 |

Weitere Meldungen

EU: Instagram und Facebook bergen zu große Suchtrisiken (Politik, 10.07.2026 - 12:00) weiterlesen...