SpaceX-Compute: 6,3 Milliarden Euro Vertrag mit Reflection AI
23.06.2026 - 13:13:52 | boerse-global.de
CME Group und Intercontinental Exchange (ICE) haben konkrete Pläne für Futures-Kontrakte auf GPU-Kapazitäten vorgelegt – ein Schritt, der Rechenleistung als globalen Rohstoff etablieren soll.
GPU-Futures: Vom Rechenzentrum an die Börse
Die CME Group bereitet in Partnerschaft mit Silicon Data die ersten Futures-Kontrakte für KI-Rechenleistung vor. Grundlage ist ein GPU-Preisindex, der sich an stündlichen Mietkosten orientiert. „Der Markt für Rechenleistung könnte den globalen Ölmarkt eines Tages übertreffen", prognostiziert Carmen Li, CEO von Silicon Data.
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Parallel dazu kündigte ICE bereits Mitte Mai 2026 eigene GPU-Futures an – in Zusammenarbeit mit Ornn. Die Kontrakte werden in US-Dollar denominiert und bar abgerechnet, basierend auf dem Ornn Compute Price Index (OCPI). Als Referenzhardware dienen Nvidia-Spitzenmodelle wie H100, H200, B200 und RTX 5090.
„Rechenleistung ist das Öl des 21. Jahrhunderts", bringt es Terry Duffy, CEO der CME, auf den Punkt. Die Botschaft ist klar: Prozessorleistung wird zum fundamentalen Wirtschaftsgut.
SpaceX: Vom Raketenbauer zum Rechenzentrums-Giganten
Eine überraschende Schlüsselrolle spielt SpaceX. Das Unternehmen, das sich im Februar 2026 mit xAI zusammenschloss, hat sich zum größten privaten Anbieter von KI-Recheninfrastruktur entwickelt.
Am 22. Juni 2026 finalisierte SpaceX einen 6,3 Milliarden Euro schweren Compute-Vertrag mit Reflection AI, einem Open-Source-Labor ehemaliger Google-DeepMind-Forscher. Reflection AI zahlt ab dem 1. Juli 2026 monatlich 150 Millionen Euro für den Zugriff auf Nvidia-GB300-Chips im SpaceX-Rechenzentrum Colossus 2 in Memphis.
Das ist nur ein Puzzleteil in einem wachsenden Portfolio:
- Anthropic zahlt schätzungsweise 1,25 Milliarden Euro pro Monat
- Google hat einen Vertrag über 920 Millionen Euro monatlich ab Oktober 2026
Die jährlichen Vertragseinnahmen von SpaceX aus Compute-Diensten übersteigen damit 27 Milliarden Euro. Das Unternehmen nutzt GPU-Mietdaten bereits in Finanzberichten – ein klares Zeichen für die zunehmende Integration von Hardware-Kapazitäten in die Kapitalmarktbewertung.
Neue Finanzprodukte für KI-Rohstoffe
Die Kommodifizierung wird durch eine Welle spezialisierter Finanzprodukte gestützt. Die Vermögensverwalter ProShares und Rex Shares haben Anträge für börsengehandelte Fonds (ETFs) auf Compute eingereicht, darunter auch Vorschläge für doppelt gehebelte Fonds.
Hintergrund dieser Entwicklung: ein massiver Investitionsboom. Im ersten Quartal 2026 erreichten die globalen Cloud-Ausgaben 129 Milliarden Euro – das Fünfzehnfache des Niveaus vor einem Jahrzehnt. Branchenanalysten erwarten, dass die fünf größten US-Hyperscaler im Gesamtjahr 2026 rund 700 Milliarden Euro investieren.
GPUs werden zunehmend als Sicherheit für Unternehmenskredite akzeptiert – ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zur liquiden Anlageklasse.
Lehren aus der Vergangenheit
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Der aktuelle Vorstoß für handelbare Rechenleistung ist nicht der erste. Die Deutsche Börse Cloud Exchange startete bereits 2013 – und scheiterte 2014. Der Grund: Dem Markt fehlte damals die nötige Standardisierung für Cloud-Ressourcen.
Heute ist die Lage anders. Die enorme Nachfrage nach spezifischen Hardware-Konfigurationen wie Nvidias Blackwell-Serie ermöglicht einheitlichere Kontraktspezifikationen. Die Produkte von CME und ICE sollen noch 2026 an den Start gehen – vorbehaltlich der Zustimmung der US-Aufsichtsbehörde CFTC.
Die Frage ist nicht mehr, ob Rechenleistung zum Rohstoff wird, sondern nur noch, wie schnell die Märkte diese neue Realität abbilden.
