Speicherchip-Krise, DRAM-Preise

Speicherchip-Krise: KI treibt DRAM-Preise um 130 Prozent in die Höhe

06.06.2026 - 00:19:00 | boerse-global.de

Die KI-Industrie beansprucht 2026 rund 20 Prozent der DRAM-Wafer-KapazitĂ€t, was zu massiven PreissprĂŒngen bei Speicherchips fĂŒhrt.

KI-Boom treibt Speicherpreise: DRAM und SSDs werden 130% teurer
Speicherchip-Krise - Close-up of RAM sticks and an SSD with glowing circuit traces, symbolizing rising memory costs and AI demand. 06.06.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Marktforscher von Gartner prognostizieren einen Preisanstieg von 130 Prozent fĂŒr DRAM und SSDs bis Ende 2026.

Der Schock sitzt tief bei PC-Herstellern und Verbrauchern. Ein 32-GB-DDR5-Kit kostete Anfang Juni in den USA umgerechnet rund 350 Euro – vor einem Jahr waren es noch 75 bis 110 Euro. Auch 16-GB-Kits haben sich von unter 90 auf ĂŒber 220 Euro mehr als verdoppelt. Die Preisexplosion ist lĂ€ngst im Handel angekommen.

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KI frisst die Wafer-KapazitÀten

Der Haupttreiber ist der unstillbare Hunger der KI-Industrie nach Speicher. Analysten von TrendForce und Gartner rechnen damit, dass KI-Workloads 2026 rund 20 Prozent der weltweiten DRAM-Wafer-KapazitĂ€t beanspruchen. Der Grund: High-Bandwidth-Memory (HBM), der fĂŒr KI-Beschleuniger unverzichtbar ist, benötigt pro Gigabyte die drei- bis vierfache Wafer-KapazitĂ€t im Vergleich zu Standard-DDR5.

Die Folge ist ein gefĂ€hrlicher Engpass fĂŒr Verbraucher-Komponenten. SK Hynix, mit 58 Prozent Marktanteil bei HBM der dominierende Anbieter, warnt, dass die Knappheit bis 2030 anhalten könnte. Auch Samsung und Micron, die jeweils 21 Prozent des HBM-Marktes kontrollieren, verlagern ihre Produktion zunehmend auf die margenstarken KI-Produkte. Micron hat bereits gemeldet, dass seine HBM-KapazitĂ€ten bis Ende 2026 restlos ausverkauft sind.

PC-Markt unter Druck

Die steigenden Speicherkosten verĂ€ndern die Kalkulation der Hardware-Hersteller fundamental. HP berichtet, dass Speicherkomponenten inzwischen 35 Prozent der gesamten Materialkosten eines PCs ausmachen – historisch waren es 15 bis 18 Prozent. Micron stellte im Februar 2026 seine Marke Crucial ein, und Hersteller wie Framework haben die DDR5-Preise um 50 Prozent angehoben.

Noch hĂ€rter trifft es den Smartphone-Markt. Ein Bericht von Counterpoint Research vom 4. Juni 2026 dokumentiert einen Einbruch von 13,9 Prozent auf 1,08 Milliarden ausgelieferte GerĂ€te. Nach neun Quartellen Wachstum schrumpfte der Markt im ersten Quartal 2026. Die Preise fĂŒr LPDDR4- und LPDDR5-Speicher haben sich zwischen dem vierten Quartal 2025 und dem zweiten Quartal 2026 verdreifacht. Hersteller wie Xiaomi und Transsion verzeichnen massive RĂŒckgĂ€nge bei den Auslieferungen. Eine Erholung erwarten die Forscher frĂŒhestens 2028.

RĂŒckbesinnung auf alte Technologien

Die Hersteller reagieren mit ungewöhnlichen Maßnahmen. AMD hat die Produktion Ă€lterer Prozessoren wie des Ryzen 7 5800X3D wieder aufgenommen – um die gĂŒnstigere DDR4-Plattform zu unterstĂŒtzen. Auch Intel erwĂ€gt laut Branchenkreisen die Wiederbelebung Ă€lterer Modelle, die mit DDR4 und Raptor-Lake-Architekturen kompatibel sind. DDR5-Systeme werden fĂŒr viele Verbraucher schlicht unerschwinglich.

Entspannung ist nicht in Sicht. TSMC-CEO C.C. Wei warnte Anfang Juni, dass die KI-getriebene Nachfrage das Angebot noch Jahre ĂŒbersteigen werde. Die Folge: Höhere Preise fĂŒr Laptops, Konsolen und Smartphones. Obwohl TSMC mehr als 165 Milliarden Dollar in einen Halbleiter-Standort in Phoenix, Arizona, investiert, rĂ€umt das Unternehmen ein, dass selbst diese KapazitĂ€ten nicht ausreichen könnten. Microns neue Fabrik in Idaho wird frĂŒhestens 2028 nennenswerte Produktionsmengen liefern.

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Industrie fordert staatliche Hilfe

Der Druck auf die Lieferketten hat ein BĂŒndnis von neun US-WirtschaftsverbĂ€nden auf den Plan gerufen. Die Organisationen aus der Auto-, Einzelhandels- und Medizintechnik-Branche forderten Anfang Juni in einem Brief an Finanzminister Bessent und Handelsminister Lutnick staatliche UnterstĂŒtzung. Der KI-bedingte Speichermangel gefĂ€hrde die VerfĂŒgbarkeit von Unterhaltungselektronik, Fahrzeugen und medizinischen GerĂ€ten.

Die Koalition drĂ€ngt auf einen Ausbau der heimischen Chip-Produktion, damit kritische Industrien nicht von den riesigen KapazitĂ€tsanforderungen der KI-Rechenzentren verdrĂ€ngt werden. Große Unternehmenskunden wie Dell haben bereits begonnen, mehrjĂ€hrige VertrĂ€ge abzuschließen, um sich ihre Versorgung mit DRAM, NAND und Prozessoren zu sichern. Der Kampf um die knappen Speicherchips hat lĂ€ngst begonnen – und die Verbraucher zahlen die Zeche.

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