Speichermarkt: DDR4-Preise fallen erstmals seit über einem Jahr
20.06.2026 - 12:24:31 | boerse-global.de
Ein 16-Gigabyte-DDR4-Chip verbilligte sich zuletzt um fünf Prozent – eine bemerkenswerte Zäsur nach einem Jahr, in dem die Preise für solche Komponenten um mehr als 2.200 Prozent in die Höhe schossen.
Leichte Entspannung, aber kein Normalzustand
Der Rückgang bringt zwar etwas Erleichterung für den PC-Hardware-Markt. Experten warnen jedoch: Die Branche befinde sich weiterhin in einer Phase fundamental überhöhter Preise. In Deutschland fielen die Preise für DDR4 und DDR3 im Juni um fast sieben Prozent, während DDR5 mit einem marginalen Plus von einem Prozent stabil blieb. Trotz dieser jüngsten Rückgänge liegen die Speicherpreise immer noch rund 400 Prozent über dem Niveau vor der aktuellen Versorgungskrise.
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Die Dimension des Preisanstiegs wird an konkreten Produkten sichtbar. Ein 32-Gigabyte-DDR4-Kit, das Ende 2024 noch für umgerechnet rund 65 Euro zu haben war, kostete Mitte 2026 etwa 320 Euro. Marktbeobachter führen die leichte Abkühlung auf eine Kombination aus Konsumenten-Boykotten und neuen Technologien zur effizienteren Speichernutzung zurück.
KI-Infrastruktur treibt die Nachfrage
Der Haupttreiber der Preisrallye bleibt der rasante Ausbau der Künstlichen Intelligenz. Hersteller wie Micron, SK Hynix und Samsung haben Berichten zufolge mehr als 30 Prozent ihrer DRAM-Produktionskapazität auf High Bandwidth Memory (HBM) umgestellt. Die Folge: Die Verfügbarkeit von Standard-Arbeitsspeicher leidet massiv, denn die HBM-Produktion benötigt etwa die dreifache Wafer-Kapazität im Vergleich zu DDR5.
Diese strategische Neuausrichtung hat zu einer strukturellen Verknappung älterer Speicherstandards geführt. Die DDR4-Produktion wird zurückgefahren, während die Werke auf Server-taugliches DDR5 und Enterprise-SSDs setzen. Der Umsatz mit Server-Speicher soll 2026 auf 56 Prozent des Gesamtmarktes steigen – 2025 waren es noch 37 Prozent. Die Marktforscher von Gartner prognostizieren daher, dass DRAM- und SSD-Preise bis Ende 2026 noch einmal um bis zu 130 Prozent zulegen könnten.
Hersteller reagieren mit neuen Technologien
Die Hardware-Hersteller entwickeln unterschiedliche Strategien, um der Versorgungskrise zu begegnen. MSI hat auf bestimmten Intel-Mainboards Unterstützung für HUDIMM-Technologie (Half Unbuffered Dual Inline Memory Module) eingeführt. Durch die Nutzung eines 32-Bit-Kanals und die Halbierung der benötigten Chip-Anzahl soll diese Technologie eine günstigere DDR5-Alternative bieten – allerdings bei einer Bandbreitenreduktion von 45 bis 50 Prozent.
Im Enthusiasten-Segment bringen Hersteller ältere Hardware-Komponenten neu auf den Markt, die auf günstigere oder verfügbare Speicherstandards setzen. Dazu gehören bestimmte Prozessormodelle mit DDR4-Unterstützung sowie Grafikkarten der Vorgängergeneration.
Die gesamte Elektronikbranche spürt die Auswirkungen dieser Turbulenzen. Die Marktforscher von IDC erwarten für 2026 einen Anstieg der PC-Preise um acht Prozent, bei einigen Herstellern sogar bis zu 15 Prozent. Für Smartphones und Tablets sagen die Analysten Preissteigerungen zwischen zehn und 20 Prozent bis Jahresende voraus – verursacht durch die gestiegenen Speicherkosten.
Lieferkettenrisiken und staatliche Eingriffe
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Die Versorgungsstabilität bleibt durch Arbeitskonflikte und regionale Marktdynamiken gefährdet. Ein möglicher Streik von über 43.000 Arbeitern bei Samsung in Südkorea könnte zu einem Rückgang der globalen Speicher- und NAND-Produktion um drei bis vier Prozent führen.
Die südkoreanische Regierung hat als Reaktion angekündigt, den PC-Markt auf unfaire Handelspraktiken zu überwachen. Zu den Maßnahmen gehören die Förderung von PC-Wiederverwendungsprogrammen und Subventionen für einkommensschwache Haushalte, um die steigenden Kosten für Computerhardware abzufedern.
Die aktuellen Prognosen der Analysten von TrendForce zeigen: Die DRAM-Vertragspreise stiegen im ersten Quartal 2026 um 90 bis 95 Prozent, für das zweite Quartal werden weitere Zunahmen von 58 bis 63 Prozent erwartet. Der globale Speichermarkt soll 2026 einen Wert von umgerechnet rund 900 Milliarden Euro erreichen – eine Vervierfachung gegenüber 2025. Die Führungsetagen der großen Chip-Hersteller rechnen jedoch nicht vor 2028 mit einer vollständigen Stabilisierung der Lieferketten.
