Spirulina und Reishi: EU lĂ€sst keine Gesundheitsversprechen fĂŒr beide zu
Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 01:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de
NahrungsergĂ€nzungsmittel mit Algen und Vitalpilzen erfreuen sich anhaltender Beliebtheit, doch wissenschaftliche Auswertungen dĂ€mpfen ĂŒberzogene Erwartungen.
Aktuelle Analysen der vorliegenden Studienlage zu Spirulina und Reishi verdeutlichen, dass fĂŒr keines der beiden Produkte offizielle gesundheitsbezogene Angaben in der EuropĂ€ischen Union zugelassen sind. Verbraucher sehen sich hĂ€ufig mit Versprechungen konfrontiert, die einer behördlichen ĂberprĂŒfung bislang nicht standhalten.
Keine zugelassenen EU-Gesundheitsangaben fĂŒr Reishi
Beim GlĂ€nzenden Lackporling (Ganoderma lucidum), besser bekannt als Reishi, ist die wissenschaftlich belegte Wirkung nach wie vor unzureichend. Entsprechende AntrĂ€ge auf gesundheitsbezogene Angaben wurden nach einem Gutachten der EuropĂ€ischen Behörde fĂŒr Lebensmittelsicherheit (EFSA) im Jahr 2011 abgelehnt. Auch neuere systematische Auswertungen stufen die wissenschaftliche Beweislage fĂŒr therapeutische Effekte als sehr schwach ein.
In der EuropĂ€ischen Union sind fĂŒr Reishi lediglich der Fruchtkörper sowie wĂ€ssrige Extrakte verkehrsfĂ€hig; getrocknetes Myzelpulver besitzt keine Zulassung. Eine amtlich festgelegte empfohlene Tagesdosis existiert nicht. Ein Cochrane-Review aus dem Jahr 2015 bezog sich auf Untersuchungen mit Dosierungen zwischen 1,4 und 3 Gramm pro Tag ĂŒber einen Zeitraum von 12 bis 16 Wochen, wĂ€hrend andere Erhebungen Spannen von 0,2 bis 11,2 Gramm abdeckten.
Zu den erfassten Nebenwirkungen zĂ€hlen unter anderem Ăbelkeit, Schlafstörungen, Mundtrockenheit, Verstopfung, Juckreiz sowie Schwindel. LeberschĂ€den treten zwar selten auf, wurden in EinzelfĂ€llen jedoch ein bis zwei Monate nach Beginn der Einnahme beobachtet, wobei die Erholung meist ein bis drei Monate nach dem Absetzen einsetzte.
Das Memorial Sloan Kettering Cancer Center (MSKCC) weist zudem darauf hin, dass Reishi das Blutungsrisiko erhöhen kann. Allerdings zeigte eine Untersuchung mit 40 gesunden Personen bei einer tĂ€glichen Einnahme von 1,5 Gramm ĂŒber vier Wochen keine messbare VerĂ€nderung der Blutgerinnung.
Wer seine Vitalstoff-Versorgung optimieren möchte, sollte sich nicht allein auf NahrungsergĂ€nzungsmittel verlassen, sondern seine tatsĂ€chlichen Blutwerte kennen. Dieser kostenlose Report erklĂ€rt, welche Werte wirklich wichtig sind â und welche oft ĂŒberbewertet werden. Laborwerte-Selbstcheck kostenlos per E-Mail anfordern
Spirulina zwischen NĂ€hrstoffdichte und behördlicher PrĂŒfung
Auch fĂŒr die Blaualge Spirulina (Arthrospira platensis), die lebensmittelrechtlich nicht als neuartiges Lebensmittel eingestuft wird, gibt es keine von der EU genehmigten Gesundheitsangaben; entsprechende AntrĂ€ge befinden sich weiterhin im Status âon holdâ.
FĂŒr die Produktsicherheit gelten strenge Vorgaben, darunter EU-Höchstgehalte fĂŒr polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) von 10 Mikrogramm Benzo(a)pyren sowie 50 Mikrogramm fĂŒr die Summe von vier PAK pro Kilogramm.
ErnĂ€hrungsphysiologisch liefert getrocknete Spirulina laut Daten des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA) pro 100 Gramm rund 57,5 Gramm EiweiĂ, 28,5 Milligramm Eisen, 1.050 Milligramm Natrium sowie 2,8 Gramm Phenylalanin bei einem Brennwert von 290 Kilokalorien. Ăbliche Verzehrempfehlungen auf Produktpackungen liegen meist bei 1,5 bis 6 Gramm tĂ€glich, hĂ€ufig werden 3 Gramm genannt.
Nach Angaben der Verbraucherzentralen relativieren sich die NĂ€hrstoffmengen bei diesen PortionsgröĂen deutlich: Drei Gramm liefern lediglich 1,7 Gramm EiweiĂ, 0,9 Milligramm Eisen und 9 Kilokalorien. Ein Esslöffel mit etwa 7 Gramm steuert 4,0 Gramm EiweiĂ und 2,0 Milligramm Eisen bei.
Tausende Deutsche verstehen ihre Blutwerte jetzt selbst und können so gezielter auf ihre NĂ€hrstoffversorgung achten. Vitalstoffexperte Dr. Fricke gibt in seinem 25-seitigen Ratgeber praxisnahe Tipps, die sogar Ărzte ĂŒberraschen. Jetzt kostenlosen 25-Seiten-Report sichern
ErnĂ€hrungsexperten betonen zudem, dass Spirulina kein verlĂ€sslicher Ersatz fĂŒr Vitamin B12 ist, da das Produkt ĂŒberwiegend inaktives Pseudo-Vitamin-B12 enthĂ€lt. Aufgrund des Gehalts an Phenylalanin ist die Alge zudem fĂŒr Menschen mit Phenylketonurie ungeeignet.
Gemischte Studienergebnisse zu Blutdruck und Blutfettwerten
Die klinische Forschung zu Spirulina zeichnet ein uneinheitliches Bild. Eine Auswertung aus dem Jahr 2023, die 20 Studien mit 1.076 Teilnehmenden umfasste, stellte zwar niedrigere LDL- und Triglyceridwerte fest, doch andere systematische ĂberprĂŒfungen konnten keinen deutlichen Unterschied nachweisen.
Hinweise auf gefĂ€Ăwirksame Effekte lieferte eine Untersuchung aus dem Jahr 2021 mit fĂŒnf Studien und 230 Teilnehmenden: Hierbei wurden um 4,6 mmHg niedrigere systolische sowie um 7,0 mmHg niedrigere diastolische Blutdruckwerte gemessen. Trotz dieser Einzelergebnisse bleibt der wissenschaftliche Konsens zurĂŒckhaltend, solange belastbare Langzeitstudien fehlen.
