Spondyloarthritis: 17-Jahres-Studie zeigt deutlich verschiedene VerlÀufe bei Frauen und MÀnnern
Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 18:09 Uhr | Redaktion boerse-global.deDer langfristige Funktionsverlust bei axialer Spondyloarthritis verlÀuft zwischen MÀnnern und Frauen grundlegend verschieden. Das belegen Auswertungen der spanischen Kohortenstudie REGISPON-3 (Moldovan DMM et al., RMD Open 2026;12:e007008) mit einem Nachbeobachtungszeitraum von 17 Jahren.
WĂ€hrend mĂ€nnliche Patienten demnach hĂ€ufiger stĂ€rkere radiologische WirbelsĂ€ulenverĂ€nderungen aufweisen und besser auf TNF-Inhibitoren ansprechen, zeigt sich bei Patientinnen ein anderes Krankheitsmuster: Sie berichten hĂ€ufiger ĂŒber periphere Beschwerden, stĂ€rkere Schmerzen, Fatigue sowie eine geringere LebensqualitĂ€t â paradoxerweise trotz geringerer radiologischer VerĂ€nderungen und niedrigerer EntzĂŒndungsmarker.
Unterschiedliche Risikofaktoren fĂŒr radiologische Progression
Die strukturelle Progression verlĂ€uft ĂŒber lange ZeitrĂ€ume stetig, aber langsam. Auf dem EULAR-Kongress 2025 in Barcelona vorgestellte Ergebnisse einer 13-Jahres-Studie mit 176 r-axSpA-Patienten, die nach den modifizierten New-York-Kriterien diagnostiziert wurden, zeigten eine vergleichbare durchschnittliche Zunahme des mSASSS-Werts bei beiden Geschlechtern.
Bei der Untersuchung, an der nach fĂŒnf Jahren noch 166, nach 13 Jahren noch 136 und bei allen drei Erhebungen 126 Patienten teilnahmen, stieg der Wert im Mittel von Baseline bis zum fĂŒnften Jahr um 1,6 Punkte und zwischen dem fĂŒnften und 13. Jahr um 2,7 Punkte (jĂ€hrlich um 0,29 bzw. 0,34 Punkte).
Die PrĂ€diktoren fĂŒr das Fortschreiten der Erkrankung unterschieden sich jedoch teilweise deutlich. Bei beiden Geschlechtern waren ein erhöhtes CRP und ein höherer Body-Mass-Index mit einer Progression assoziiert.
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Bei Frauen stellten sich zudem ein höherer mSASSS zu Studienbeginn sowie Behandlungen mit TNF-Inhibitoren und Bisphosphonaten als PrÀdiktoren dar, wÀhrend bei MÀnnern Rauchen und das Vorliegen von HLA-B27 das Progressionsrisiko erhöhten.
Studienleiterin Anna Deminger verwies darauf, dass die Progression zwar langsam, aber ĂŒber den gesamten Zeitraum von 13 Jahren anhaltend verlaufe, weshalb modifizierbare Faktoren wie Rauchen und ein BMI von ĂŒber 25 beachtet werden sollten.
Gelenkbefall und immunologische HintergrĂŒnde
Auch der Befall peripherer Gelenke weist geschlechtsspezifische Unterschiede auf. Eine Untersuchung der Rheumaklinik im marokkanischen Rabat an Spondyloarthritis-Patienten aus den Jahren 2019 bis 2023 ergab, dass 19 von 137 Patienten (13,90%) eine radiografische HĂŒftbeteiligung aufwiesen, gemessen anhand des BASRI (neun FĂ€lle unilateral, zehn bilateral).
Diese Komplikation trat hĂ€ufiger bei MĂ€nnern und mit zunehmender Krankheitsdauer auf: Das Risiko betrug bei MĂ€nnern 18,6% nach zehn Jahren und stieg nach 20 Jahren auf 48,8%. Lag eine HĂŒftbeteiligung vor, verzeichneten die Mediziner zudem eine höhere Uveitis-Inzidenz, höhere BASDAI- und ASDAS-Werte sowie schwerere strukturelle SchĂ€den im mSASSS.
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Grundlagenforschung der University of Queensland um Professorin Ranjeny Thomas, Dr. Anne-Sophie Bergot und Benjamin Cai, veröffentlicht in JCI Insight, beleuchtet zudem immunologische Mechanismen. Ankylosierende Spondylitis betrifft etwa 1% der australischen Bevölkerung, zumeist im Alter von 15 bis 45 Jahren, und tritt dort dreimal hÀufiger bei MÀnnern auf.
Im Tiermodell mit genetisch prĂ€disponierten SKG-MĂ€usen zeigte sich, dass eine durchlĂ€ssige Darmwand Makrophagen ermöglicht, Bakterien in die Gelenke zu transportieren, was eine IL-17-getriebene EntzĂŒndungsreaktion auslöst. WĂ€hrend Anti-IL-23-Antikörper die Darmgesundheit verbesserten und Arthritis verhinderten, blieb eine Enthesitis davon unbeeinflusst.
Relevanz einer frĂŒhzeitigen Diagnosestellung
Weil sich die Symptome bei Frauen oft anders Ă€uĂern als bei MĂ€nnern, bleibt die Erkennung der Erkrankung eine Herausforderung. Rund acht von zehn Betroffenen entwickeln erste Symptome vor dem 30. Lebensjahr.
Dennoch vergehen in GroĂbritannien, wo schĂ€tzungsweise 220.000 Menschen (1 von 200) betroffen, aber nur 60.000 diagnostiziert sind, durchschnittlich 7,5 Jahre vom ersten Symptom bis zur Diagnose. Laut einer groĂen internationalen Umfrage liegt diese Verzögerung weltweit im Schnitt bei 7,4 Jahren.
Dass ein frĂŒher Therapiebeginn den Langzeitverlauf bremst, unterstreicht eine Schweizer Registerstudie aus dem Fachjournal Arthritis & Rheumatology mit 376 axSpA-Patienten aus den Jahren 2004 bis 2024 (ca. 61% MĂ€nner, 69% HLA-B27-positiv, mittlere Nachbeobachtung 11,5 Jahre).
Patienten mit frĂŒher Diagnose (höchstens zwei Jahre RĂŒckensymptome) wiesen auf der mSASSS-Skala von 0 bis 72 Punkten langfristig nach 10 bis 15 Jahren einen um 3,85 Punkte niedrigeren Wert auf als etablierte FĂ€lle; nach Bereinigung um den Ausgangsschaden betrug der Vorteil 5,70 Punkte.
In beiden Gruppen trat etwa die HÀlfte des gesamten Langzeitschadens bereits innerhalb von rund drei Jahren nach der Diagnose auf. Die Autoren der Beobachtungsstudie betonen jedoch, dass die Daten aus der Schweiz stammen, sich auf Röntgenbefunde beschrÀnken und keinen direkten Kausalnachweis liefern.
