St. Michael in Frankfurt: BegrĂ€bniskirche bietet Platz fĂŒr 2.510 Urnen
Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 23:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Bestattungskultur erfĂ€hrt einen tiefgreifenden Wandel. Getrieben von verĂ€nderten BedĂŒrfnissen der Angehörigen rĂŒcken der Wunsch nach individuelleren Gedenkformen und eine Abkehr von starren Friedhofsvorgaben zunehmend in den Mittelpunkt. Politische Initiativen zur Liberalisierung der Urnenaufbewahrung im privaten Raum sowie neuartige kirchliche Konzepte verdeutlichen, wie sich der Umgang mit dem Lebensende modernisiert.
Politische Debatten um die Aufbewahrung zu Hause
In Ăsterreich stöĂt die Partei NEOS im Vorarlberger Landtag eine Debatte ĂŒber traditionelle Vorgaben an. Wie aus einem Bericht von orf.at vom 23. September 2026 hervorgeht, fordern NEOS Vorarlberg, die gesetzliche Pflicht zur Beisetzung eines Teils der Totenasche auf einem Friedhof abzuschaffen. NEOS-Klubobfrau Claudia Gamon bezeichnet den Abschied in diesem Zusammenhang als eine höchstpersönliche Entscheidung.
Bereits seit 2008 ist es Angehörigen in Vorarlberg gestattet, einen Teil der Asche mit nach Hause zu nehmen. Dies ist jedoch an strenge Kriterien gebunden: Erforderlich sind eine eigenhĂ€ndig verfasste schriftliche VerfĂŒgung der verstorbenen Person, ein Nachweis durch eine BestĂ€tigung der Friedhofsverwaltung sowie die Genehmigung durch die zustĂ€ndige BĂŒrgermeisterin oder den BĂŒrgermeister der Gemeinde.
Zudem muss eine zweite Urne mit der restlichen Teilmenge auf einem Friedhof verbleiben. In anderen Regionen gelten abweichende Bestimmungen: In Wien ist die Aufbewahrung der Urne in einer Wohnung mit behördlicher Genehmigung möglich, wĂ€hrend in Tirol unter bestimmten Voraussetzungen eine Beisetzung auf dem eigenen GrundstĂŒck stattfinden darf. Der VorstoĂ der NEOS wird im Vorarlberger Rechtsausschuss behandelt, wobei die MehrheitsverhĂ€ltnisse offen sind.
Gesetzliche Neuerungen und Trend zur EinÀscherung
Auch in Deutschland passen sich gesetzliche Rahmenbedingungen an verĂ€nderte BestattungswĂŒnsche an. Laut einem Bericht der Rhein-Zeitung vom 22. September 2026 gestattet das neue rheinland-pfĂ€lzische Bestattungsgesetz unter anderem Flussbestattungen sowie die gemeinsame Beisetzung von Urnen von Mensch und Haustier nebeneinander.
Hintergrund dieser Reformen ist eine deutliche VerĂ€nderung der Nachfrage. Nach Angaben des Bundesverbands Deutscher Bestatter, ĂŒber die hessenschau.de am 22. September 2026 berichtete, werden in Deutschland mittlerweile mehr als 80 Prozent der Verstorbenen feuerbestattet.
Diese Entwicklung spiegelt sich regional wider: Im rheinland-pfĂ€lzischen Rhein-Lahn-Kreis haben Urnenbeisetzungen stark zugenommen, wĂ€hrend sich nur noch eine Minderheit fĂŒr die traditionelle Erdbestattung im Sarg entscheidet.
Neue kirchliche BegrÀbniskonzepte
Gleichzeitig schaffen kirchliche TrĂ€ger neue Angebote fĂŒr Urnenbeisetzungen. In Heidelberg nahm das erste kirchliche Bestattungsinstitut Deutschlands seinen Betrieb auf.
Die Bestattungskultur verĂ€ndert sich: In Deutschland werden inzwischen mehr als 80 Prozent der Verstorbenen feuerbestattet, und neue kirchliche Urnenangebote sowie reformierte Landesgesetze schaffen zusĂ€tzliche Optionen. Wer die eigene Vorsorge klĂ€ren will, braucht einen nĂŒchternen Ăberblick ĂŒber geltende Regeln und reale Kosten. Kostenlosen Vorsorge-Report anfordern
Wie erf.de am 23. September 2026 meldete, handelt es sich bei dem Institut Libera Bestattungen um eine gemeinnĂŒtzige GmbH der Evangelischen Kirche in Heidelberg. GegrĂŒndet wurde das Unternehmen von Dr. Beate GroĂklaus, Nicole Hunisch und Tanja Dittmar, wobei Pfarrerin Tanja Dittmar als GeschĂ€ftsfĂŒhrerin fungiert.
In Frankfurt am Main steht die offizielle Eröffnung der ersten BegrĂ€bniskirche Hessens bevor. Die denkmalgeschĂŒtzte, 1954 geweihte ehemalige katholische Gemeindekirche St. Michael im Frankfurter Nordend wurde nach PlĂ€nen des ArchitekturbĂŒros Meixner, SchlĂŒter und Wendt umgebaut.
Das Projekt wurde 2015 angestoĂen, 2023 profaniert und kostete 3,5 Millionen Euro bei einer Umbauzeit von eineinhalb Jahren. Nach Berichten von bistumlimburg.de und faz.net vom 22. September 2026 bieten zwölf halbkreisförmige UrnenwĂ€nde aus Sichtbeton mit Glasplatten Platz fĂŒr bis zu 2500 Urnen; hessenschau.de nennt eine KapazitĂ€t von 2.510 PlĂ€tzen.
Seit Mitte Juli 2026 wurden in St. Michael elf Urnen beigesetzt, rund 200 Personen sicherten sich RuhestĂ€tten per Vorabreservierung. Ein regulĂ€rer Urnenplatz fĂŒr 15 Jahre inklusive TrauergesprĂ€ch, Trauerfeier und Beisetzung kostet 2.900 Euro; fĂŒr Menschen mit geringerem Einkommen stehen 400 PlĂ€tze fĂŒr 1.800 Euro bereit.
Die Vorabreservierung liegt bei 195 Euro jĂ€hrlich. Die Kirche, in der 25 Ehrenamtliche PrĂ€senzdienst leisten, steht allen Glaubensrichtungen offen, schlieĂt anonyme Bestattungen jedoch aus. Deutschlandweit existieren rund 50 BegrĂ€bniskirchen, schwerpunktmĂ€Ăig in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz.
Anpassungen der GebĂŒhren und Formen vor Ort
Kommunale Friedhöfe reagieren ebenfalls auf die verĂ€nderte Nachfrage nach pflegeleichten Grabformen. So beschloss die Gemeindevertretung im hessischen Jossgrund laut einem Bericht der GelnhĂ€user Neuen Zeitung vom 22. September 2026 eine zweistufige Anpassung ihrer FriedhofsgebĂŒhren, die zuvor aus dem Jahr 2003 stammten.
Steigende GebĂŒhren und unklare Rechtslage bei der Urnenaufbewahrung verunsichern viele: WĂ€hrend einzelne Regionen die Mitnahme von Asche nach Hause nur unter strengen Auflagen erlauben, wird eine Liberalisierung andernorts noch debattiert. Ein strukturierter Vorsorge-Check zeigt, welche Nachweise und Reservierungen heute schon sinnvoll sind. Vorsorge-Checkliste jetzt sichern
Die GebĂŒhr fĂŒr eine klassische Urnenbeisetzung steigt von 100 Euro auf 200 Euro und ab dem 1. Januar 2028 auf 300 Euro. FĂŒr Reihen- und WahlgrĂ€ber klettern die BetrĂ€ge von 700 Euro ĂŒber 800 Euro auf kĂŒnftig 900 Euro. Neu eingefĂŒhrt werden UrnenwiesengrĂ€ber fĂŒr 1.100 Euro bei der Erstbelegung sowie 100 Euro fĂŒr jede weitere Belegung.
Neben Urnenstelen und anonymen GrabstĂ€tten ist kĂŒnftig auch die Bestattung von Sternenkinder-GrĂ€bern gebĂŒhrenfrei geregelt. Diese strukturellen VerĂ€nderungen zeigen, wie Verwaltungen, Kirchen und Gesetzgeber bundesweit auf den grundlegenden Wandel der Bestattungskultur eingehen.
Mehr zum Thema bei FAZ: âSt. Michael Frankfurt: Erste BegrĂ€bniskirche in Hessenâ
