Forschung und Entwicklung, Computer und Informationstechnologie

Gegen Hass im Internet

09.12.2025 - 08:55:00

St. Pölten - An der USTP - University of Applied Sciences St. Pölten machen Forschende digitale RÀume sicherer. Zwei aktuelle Projekte zeigen, wie technologische Innovation und gesellschaftliche Verantwortung Hand in Hand gehen können. Ob durch StÀrkung der Zivilcourage oder durch intelligente Filtermechanismen - die Forschung an der USTP verfolgt ein Ziel: die digitale Kommunikation menschlicher, sicherer und inklusiver zu gestalten.

Hass im Netz ist lĂ€ngst kein RandphĂ€nomen mehr. Beleidigungen, Diskriminierung und gezielte Hetze gehören fĂŒr viele Menschen zur tĂ€glichen Online-Erfahrung - besonders junge Nutzer*innen sind davon betroffen. WĂ€hrend die großen Plattformen mit Löschungen und Sperren reagieren, setzen Forschende an der USTP - University of Applied Sciences St. Pölten auf innovative AnsĂ€tze, um Hassrede nachhaltig einzudĂ€mmen und digitale Zivilcourage zu fördern.

Zwei aktuelle Projekte - "Counter Speech: Young People Against Online Hate" und "HaSPI: Hate Speech Prevention through Imitation" - zeigen, wie technologische und gesellschaftliche Forschung gemeinsam neue Wege fĂŒr ein respektvolles Miteinander im Netz ebnen können.

Beide Projekte verdeutlichen, wie praxisnahe Forschung an der USTP betrieben wird - als Beispiel fĂŒr digitalen Humanismus: Technologie im Dienst von gesellschaftlicher Verantwortung und Empowerment junger Menschen.

Counter Speech: effektiv auf Hasskommentare reagieren

Kinder und Jugendliche sind hĂ€ufig Zielscheibe von Hasspostings, Cybermobbing und beleidigenden Kommentaren. Das Projekt "Counter Speech - Young People Against Online Hate" des Instituts fĂŒr Creative Media/Technologies der USTP und des Instituts fĂŒr Soziologie der UniversitĂ€t Wien möchte jungen Menschen Werkzeuge an die Hand geben, um aktiv und selbstbewusst gegen Hassrede aufzutreten.

"Anstatt problematische Inhalte zu löschen oder zu sperren, setzt das Projekt auf "Citizen-generated counter speech", also auf Gegenrede aus der Community. Mithilfe automatisierter Datenanalyse und Methoden der KI wird Gegenrede identifiziert und sichtbar gemacht", betont Djordje Slijepcevic, stv. Forschungsgruppenleiter am Institut fĂŒr Creative Media/Technologies der USTP.

So können Jugendliche lernen, wie sie effektiv auf Hasskommentare reagieren, ohne selbst in die Defensive zu geraten.

CounterHelp-App fĂŒr TikTok

Ein zentrales Ergebnis des Counter-Speech-Projekts ist die Entwicklung der App "CounterHelp". Jugendliche können mithilfe der App einfach eigene Gegenrede auf TikTok erstellen. Die App analysiert den ausgewĂ€hlten Kommentar, bezieht sĂ€mtliche verknĂŒpften Informationen mit ein und generiert mithilfe eines Sprachmodells VorschlĂ€ge in verschiedenen Stilen - von aufklĂ€rend ĂŒber empathisch bis humorvoll. Eine Nutzer*innenstudie bestĂ€tigte die NĂŒtzlichkeit und Akzeptanz des Tools.

Ausgezeichnete Innovation: CounterHelp gewinnt Preis auf internationaler Konferenz

Die wissenschaftliche Aufbereitung des Ansatzes wurde unter dem Titel "Promoting Online Civil Courage Among Young People Through AI-Generated Counterspeech" prĂ€sentiert. DafĂŒr erhielt das Forschungsteam den Best Interactive Experience Demo Award bei der Fachtagung ACM Multimedia - der fĂŒhrenden internationalen Konferenz im Bereich der Multimedia-Forschung. Die Auszeichnung wĂŒrdigt die technologische QualitĂ€t und gesellschaftliche Wirkung der entwickelten Lösung.

"CounterHelp demonstriert, wie man generative KI und moderne Sprachmodelle sinnvoll nutzen kann, um junge Nutzer*innen auf Online-Plattformen zu unterstĂŒtzen. Wir hoffen, dass CounterHelp die Entwicklung von Gegenrede-Assistenten fĂŒr Social-Media Plattformen inspiriert", sagt Matthias Zeppelzauer, Leiter der Forschungsgruppe Media Computing an der USTP.

Transparente KI-Methode zur Erkennung von Hassrede und Gegenrede

Das Counter-Speech-Team entwickelte darĂŒber hinaus eine neue Methode zur Erkennung und Klassifikation von Hassrede und Gegenrede. Diese setzt neue MaßstĂ€be in puncto Transparenz und Effizienz. In der neuesten Publikation "Distilling knowledge from large language models: A concept bottleneck model for hate and counter speech recognition" wird ein neuartiger Ansatz zur Sprachanalyse vorgestellt, der ĂŒber herkömmliche textbasierte Verfahren hinausgeht. Die neue Methode basiert auf abstrakten und menschlich verstĂ€ndlichen Konzepten, die in Kooperation mit Soziolog*innen der UniversitĂ€t Wien entwickelt wurden. Diese Konzepte erfassen Absicht und Ton von Nachrichten und Social-Media-BeitrĂ€gen, indem sie Adjektive wie "sexistisch", "provokant", "liebevoll" formulieren. Die Analyse auf Basis dieser Konzepte ermöglicht es, kompakte und transparente KI-Modelle zu entwickeln, die akkurat, nachvollziehbar und ressourcenschonend Hassrede und Gegenrede erkennen.

HaSPI: Automatisierte Erkennung von Hassrede

WÀhrend "Counter Speech" auf die StÀrkung der Nutzer*innen setzt, verfolgt das neue Forschungsprojekt "HaSPI - Hate Speech Prevention through Imitation" einen anderen Zugang: Es entwickelt eine technische Lösung zur automatisierten Erkennung und Moderation von Hassrede im deutschsprachigen Raum.

Unter der Leitung von Senior Researcher Sebastian Neumaier vom Institut fĂŒr IT-Sicherheitsforschung der USTP nutzen die Forschende Methoden des Imitation Learnings - also maschinelles Lernen durch Nachahmung menschlicher Entscheidungen. Die Software lernt auf Basis eines umfangreichen Datensatzes von derStandard.at.

"Im Projekt HaSPI setzen wir auf einen neuartigen Machine-Learning-Ansatz zur Erkennung von Hassrede: Durch Imitation sollen die Modelle ein besseres VerstĂ€ndnis von Hate-Speech im Netz in verschiedenen Kontexten bekommen und dadurch lernen, diese zuverlĂ€ssiger zu klassifizieren. Dabei stĂŒtzt sich das Projekt auf den One-Million-Posts-Corpus des STANDARD, der zahlreiche Entscheidungen erfahrener Moderator*innen enthĂ€lt und somit eine ideale Grundlage fĂŒr das Training der Modelle bietet", sagt Tobias Kietreiber, stellv. Projektleiter und Junior Researcher am Institut fĂŒr IT-Sicherheitsforschung.

Intelligente Moderation

Die Forschenden hinter HaSPI möchten ein intelligentes Moderationssystem entwickeln, das insbesondere deutschsprachige Kontexte zuverlĂ€ssig bewertet. Damit adressiert das Projekt eine zentrale Herausforderung: Viele bestehende KI-Systeme zur Hate-Speech-Erkennung sind fĂŒr den englischsprachigen Raum optimiert und versagen in anderen SprachrĂ€umen.

Über Counter Speech Das Forschungsprojekt wurde gemeinsam mit der UniversitĂ€t Wien und dem Österreichischen Institut fĂŒr angewandte Telekommunikation umgesetzt. Gefördert wurde Counter Speech durch den Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds (WWTF). Der Projektlead lag bei Ulrike Zartler-Griessl vom Institut fĂŒr Soziologie an der Uni Wien.

* Mehr Infos zum Projekt finden Sie auf der Forschungswebseite ( https://research.ustp.at/projekte/counter-speech-young-people-against-online-hate ). * Wissenschaftliche Publikation zu Speech Concept Bottleneck Models: "Distilling knowledge from large language models: A concept bottleneck model for hate and counter speech recognition" ( https://doi.org/10.1016/j.ipm.2025.104309 ) * Wissenschaftliche Publikation zur CounterHelp-App: "Promoting Online Civil Courage Among Young People Through AI-Generated Counterspeech" ( https://dl.acm.org/doi/abs/10.1145/3746027.3754473 )

Über HaSPI Das Projekt wird von netidee gefördert. Netidee ist die große Open-Source-Internet-Förderaktion Österreichs. Organisiert und finanziert wird diese von der Internet Stiftung im Sinne ihres gemeinnĂŒtzigen Stiftungszwecks, der Förderung des Internets in Österreich. HaSPI soll langfristig frei verfĂŒgbar sein, um Betreiber*innen von Foren, Blogs oder Online-Plattformen eine effektive, transparente Moderationshilfe zu bieten.

* Mehr Infos zum Projekt finden Sie auf der Forschungswebseite ( http://research.ustp.at/projekte/haspi-hate-speech-prevention-through-imitation ). * Netidee-Blogeintrag: "Hate doesn't only speak English" ( https://www.netidee.at/haspi/hate-doesnt-only-speak-english ) * "One Million Posts"-Corpus ( https://ofai.github.io/million-post-corpus/ ): Ca.11.000 DatensÀtze von Kommentaren und EintrÀgen von der derStandard.at

Promotionsrecht fĂŒr Fachhochschulen / Hochschulen fĂŒr angewandte Wissenschaften Die Österreichische Fachhochschulkonferenz fordert ein Promotionsrecht fĂŒr Fachhochschulen / Hochschulen fĂŒr angewandte Wissenschaften (HAW) in Österreich. Die USTP - University of Applied Sciences St. Pölten unterstĂŒtzt diese Forderung. Die Forschungsfelder Medien und Digitale Technologien und IT Security sind an der USTP hervorragend etabliert und ĂŒber die letzten Jahre stark ausgebaut worden. FĂŒr die USTP ist es wichtig, die Möglichkeit zu erhalten, in diesem Bereich eigenstĂ€ndige Doktoratsprogramme anzubieten. Fachhochschulen / Hochschulen fĂŒr angewandte Wissenschaften sind eng mit Unternehmen und regionalen Strukturen vernetzt. Doktorand*innen treiben SchlĂŒsseltechnologien und Innovationen voran, die in Wirtschaft, Industrie und KMU einfließen. Regionen profitieren durch eine stĂ€rkere Standortbindung und Unternehmen durch praxisnahe Forschung.

(Ende)

Aussender: USTP – University of Applied Sciences St. Pölten Ansprechpartner: Maja Sito Tel.: +43 676 847 228 265 E-Mail: [email protected] Website: www.ustp.at

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