Wie verlÀsslich ist Open-Source-Software?
08.06.2026 - 09:22:00 | pressetext.de
Open-Source-Software steckt heute in fast allen digitalen Anwendungen und Infrastrukturen. Gleichzeitig fehlt oft ein klarer Ăberblick darĂŒber, wie stabil, sicher und nachhaltig einzelne Projekte tatsĂ€chlich sind. Genau hier setzt ein Forschungsteam der USTP â University of Applied Sciences St. Pölten an.
Im Rahmen des von netidee geförderten Projekts CroSSD2 (Extending the Critical Open-Source Software Database) wurde die bestehende Plattform CroSSD (Towards a Critical Open-Source Software Database) technisch und inhaltlich umfassend weiterentwickelt. Ziel ist es, die "Gesundheit" von Open-Source-Projekten nicht nur anhand technischer Kennzahlen, sondern auch anhand qualitativer Faktoren bewerten zu können.
Mehr als nur Commits und AktivitÀt
Bisher basierten viele Bewertungen von Open-Source-Projekten vor allem auf quantitativen Daten wie Anzahl der Entwickler*innen, Commits (also dokumentierten Ănderungen am Programmcode) oder Releases. Die Forschungsergebnisse von CrOSSD2 zeigen jedoch: Diese Kennzahlen allein reichen nicht aus.
"Die QualitĂ€t von Kommunikation, Dokumentation und Zusammenarbeit spielt eine zentrale Rolle fĂŒr die langfristige StabilitĂ€t von Open-Source-Projekten", erklĂ€rt Sebastian Neumaier, Projektleiter und Senior Researcher an der USTP.
Neumaier und sein Team (Lukas Daniel Klausner und Tobias Dam) entwickelten neue KI-gestĂŒtzte Analyseverfahren, die qualitative Aspekte automatisiert bewerten können. Dazu zĂ€hlen unter anderem, Freundlichkeit und Umgangston innerhalb der Community, QualitĂ€t der Dokumentation, Effizienz von Entwicklungsprozessen und Reifegrad eines Projekts. Die Plattform analysiert dafĂŒr groĂe Mengen öffentlich verfĂŒgbarer Repository-Daten (Informationen und AktivitĂ€ten aus Open-Source-Projektarchiven auf Plattformen wie GitHub) mithilfe von Natural Language Processing (NLP) und Large Language Modellen (LLM).
Einblicke in die Open-Source-Community
Ein Schwerpunkt von CrOSSD2 lag auf der Zusammenarbeit mit der internationalen Open-Source-Community. DafĂŒr fĂŒhrte das Forschungsteam 22 Interviews mit Entwickler*innen, Maintainer*innen, Community-Manager*innen und Vertreter*innen aus Unternehmen durch. Die GesprĂ€che zeigen ein differenziertes Bild davon, wie Menschen QualitĂ€t und KritikalitĂ€t von Open-Source-Software einschĂ€tzen. Besonders hĂ€ufig nannten die Interviewpartner*innen Faktoren, wie aktive Communities, gute Dokumentation, breite Nutzung, verlĂ€ssliche Wartung und transparente Kommunikation. Ăberraschend komplex erwies sich die Frage, wann Software als "kritisch" gilt. Viele Befragte verbanden KritikalitĂ€t vor allem mit AbhĂ€ngigkeiten innerhalb digitaler Infrastrukturen und den möglichen Folgen eines Ausfalls.
"Die Interviews machten deutlich, dass ein Werkzeug wie CrOSSD in der Praxis stark nachgefragt wird. Insbesondere angesichts immer komplexerer Software-Lieferketten und wachsender Sicherheitsanforderungen", betont Neumaier.
Nutzen fĂŒr Unternehmen und Entwickler*innen
Die Plattform richtet sich gezielt an Menschen, die mit Open-Source-Software arbeiten oder Entscheidungen darĂŒber treffen mĂŒssen. Entwickler*innen und Unternehmen können unterschiedliche Frameworks oder Bibliotheken anhand nachvollziehbarer Gesundheitsmetriken vergleichen. Betreiber*innen kritischer Infrastrukturen erhalten zusĂ€tzliche Informationen zu potenziellen Sicherheitsrisiken und AbhĂ€ngigkeiten in ihren Software-Stacks. Auch Fördergeber*innen und öffentliche Einrichtungen profitieren von aggregierten Analysen und Gruppenvergleichen. Die Plattform ermöglicht beispielsweise einen Ăberblick ĂŒber die Gesundheit netidee-geförderter Open-Source-Projekte. Aktuell umfasst CrOSSD mehr als 2.400 Open-Source-Projekte, rund 688.000 analysierte Dokumente und verwaltet rund 72 GB an Daten.
Internationale Vernetzung
Internationale Aufmerksamkeit erhielt das Projekt bei der CHAOSScon EU 2026 in BrĂŒssel. Dort prĂ€sentierte das Forschungsteam die Ergebnisse vor Vertreter*innen der internationalen Open-Source-Community, Forschenden und Unternehmen. Die dort geknĂŒpften Kontakte und Diskussionen flieĂen bereits in die nĂ€chsten Entwicklungsschritte ein.
Forschung mit Wirkung: Folgeprojekte bereits in Vorbereitung
Die Ergebnisse aus CrOSSD2 bilden die Grundlage fĂŒr weitere Forschungsprojekte an der USTP. Das Forschungsteam hat bereits das Folgeprojekt "DigiSov-CrOSSD" eingereicht, das die Plattform gezielt in Richtung digitale SouverĂ€nitĂ€t und Sicherheitsbewertung weiterentwickeln soll. Gemeinsam mit Partner*innen aus Wirtschaft und öffentlicher Verwaltung soll kĂŒnftig untersucht werden, wie sich Risiken in Software-Lieferketten noch besser erkennen und bewerten lassen. Die Forschungsergebnisse aus CrOSSD2 werden zudem aktuell in wissenschaftlichen Publikationen aufgearbeitet und weiterentwickelt.
Ăber CroSSD Das Projekt CrOSSD2 wurde im Rahmen der netidee-Förderinitiative unterstĂŒtzt. Alle entwickelten Software-Komponenten, Dokumentationen und Forschungsergebnisse stehen öffentlich unter offenen Lizenzen zur VerfĂŒgung.
Mehr zu den Forschungsprojekten:
* CroSSD2 auf der Forschungswebsite der USTP ( https://research.ustp.at/projekte/crossd2 ) * CroSSD auf der Forschungswebsite der USTP ( https://research.ustp.at/projekte/crossd-towards-a-critical-open-source-software-database ) * CroSSD-Plattform ( https://health.crossd.tech/ ) * CrOSSD2 auf der Webseite von netidee ( https://www.netidee.at/crossd2 )
(Ende)
Aussender: USTP â University of Applied Sciences St. Pölten Ansprechpartner: Maja Sito Tel.: +43 676 847 228 265 E-Mail: maja.sito@ustp.at Website: www.ustp.at
