Stablecoin-Regeln, Federal

Stablecoin-Regeln: Federal Reserve verlangt Rücknahme binnen zwei Tagen

Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 00:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die Fed veröffentlichte Entwürfe zu Reserven, Eigenkapital, Aufsicht und Rücknahmen; die Schwellenwerte können sich noch ändern.

Federal Reserve legt Stablecoin-Regeln mit Kapital- und Reservevorgaben vor
Die neoklassizistische Fassade eines Regierungsgebäudes in Washington D.C. während der Dämmerung. Illustration mit AI erstellt.

Die US-Notenbank Federal Reserve hat am 24. September 2026 ein umfangreiches Paket an Regulierungsvorschlägen für Stablecoins vorgelegt. Im Rahmen des sogenannten GENIUS Act (Guiding and Establishing National Innovation for U.S. Stablecoins Act) wurden zwei zentrale Entwürfe zur öffentlichen Kommentierung freigegeben.

Die Vorschläge umfassen insgesamt rund 452 Seiten und markieren einen entscheidenden Schritt zur Integration digitaler Währungen in das regulierte US-Finanzsystem.

Strenge Anforderungen an Reserven und Eigenkapital

Der erste Vorschlag, geführt unter der Bezeichnung R-1899, legt prudenzielle Anforderungen für von der Federal Reserve überwachte Payment-Stablecoin-Emittenten (PPSIs) fest. Ein Kernpunkt ist die Verpflichtung zur vollständigen Deckung der ausgegebenen Token durch hochliquide Reserve-Assets.

Als zulässige Reserven definiert die Notenbank neben US-Währung und Guthaben bei der Federal Reserve auch Sichteinlagen bei versicherten Banken sowie Staatsanleihen mit einer Laufzeit von maximal 93 Tagen. Auch Overnight-Repos und bestimmte Geldmarktfonds werden akzeptiert, wobei tokenisierte Versionen dieser Assets grundsätzlich möglich sein sollen.

Zusätzlich zu den Reservevorgaben sieht der Entwurf standardisierte Kapitalanforderungen vor, um Kredit- und operationelle Risiken abzusichern. Die Berechnung des Eigenkapitals folgt einer spezifischen Formel: Es werden 2% auf unversicherte Einlagenforderungen und unterbesicherte Reverse-Repos fällig. Hinzu kommt eine gestaffelte Gebühr für operationelle Risiken, die 2,0% auf die ersten 20 Mrd. USD des Volumens, 1,5% auf die nächsten 30 Mrd. USD und 1,0% auf Beträge über 50 Mrd. USD beträgt.

Ergänzt wird dies durch 25% des dreijährigen Durchschnittserlöses aus Nicht-Reserve-Assets. Laut Berechnungsbeispielen der Federal Reserve müsste ein Emittent mit einem Umlauf von 100 Mrd. USD ein Eigenkapital von 1,35 Mrd. USD vorhalten.

Aufsichtswechsel und Antragsverfahren für Banken

Der zweite Vorschlag, R-1900, regelt die Verfahren für versicherte State-Member-Banks, die Stablecoins über Tochtergesellschaften ausgeben möchten. Hierfür wird ein maßgeschneidertes Antragsverfahren etabliert, das unter anderem detaillierte Business-Pläne und Finanzinformationen erfordert. Die Federal Reserve strebt an, über vollständig eingereichte Anträge in der Regel innerhalb von 120 Tagen zu entscheiden.

Ein wesentlicher Schwellenwert wird bei 10 Mrd. USD an ausstehenden Payment-Stablecoins gezogen. Unversicherte, staatlich lizenzierte Emittenten, die diese Marke überschreiten, müssen innerhalb von 360 Tagen unter die Aufsicht der Federal Reserve wechseln oder die Emission neuer Token einstellen.

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Die Federal Reserve hat am 24. September 2026 rund 452 Seiten Regulierungsvorschläge zum GENIUS Act veröffentlicht — von der Voll-Deckung der Reserven über die Kapitalformel bis zur Rücknahme binnen zwei Geschäftstagen. Wer die Anforderungen früh einordnet, kann seine Prozesse rechtzeitig ausrichten, bevor die Kommentarfristen ablaufen. Kostenlosen Compliance-Report jetzt anfordern

Der GENIUS Act, der im Juli 2025 unterzeichnet wurde und im Januar 2027 voll wirksam wird, verbietet künftig die Ausgabe von Stablecoins durch Unternehmen, die nicht als PPSI qualifiziert sind.

Transparenzpflichten und Liquidationsszenarien

Die Vorschläge sehen weitreichende Transparenz- und Rückgabepflichten vor. Stablecoins müssen innerhalb von zwei Geschäftstagen zum Nennwert zurückgenommen werden können. Um dies sicherzustellen, müssen Emittenten monatliche öffentliche Berichte über die Zusammensetzung und Laufzeit ihrer Reserven sowie den geografischen Verwahrort vorlegen. Diese Berichte müssen von einer registrierten Wirtschaftsprüfungsgesellschaft geprüft werden.

Sollte es zu einer Unterdeckung der Reserven kommen, ist der Emittent verpflichtet, die Federal Reserve innerhalb von 24 Stunden zu informieren und einen Sanierungsplan vorzulegen. Bei einer anhaltenden Unterdeckung über zwei Quartale hinweg sieht das Regelwerk die Liquidation der Reserven und die vollständige Rücknahme aller im Umlauf befindlichen Token vor.

Während eines akuten Rettungsfensters bliebe die Prägung neuer Token kurzzeitig erlaubt, um On-Chain-Signale für Marktstress zu vermeiden; nach Beginn einer Liquidation gilt jedoch ein strikter Prägestopp.

Marktkontext und Ausblick

Das Regelwerk trifft auf einen Markt, dessen Gesamtkapitalisierung laut Analysen vom April 2026 bei rund 317 Mrd. USD lag. Aktuelle Daten von Ende September zeigen, dass die beiden führenden Anbieter USDT und USDC zusammen einen Marktanteil von etwa 84,5% halten. In diesem Zusammenhang wird ein striktes Verbot von Zinszahlungen oder Renditen für alle PPSIs vorgeschlagen, was auch Drittanbieter-Arrangements und White-Label-Partner einschließt.

Michael Barr, der für Aufsicht zuständige Vize-Vorsitzende der Federal Reserve, betonte die Notwendigkeit universeller Rücknahmerechte. Stablecoins könnten nur dann stabil sein, wenn Nutzer sie auch in Stressphasen schnell zum vollen Wert eintauschen könnten.

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Ein Emittent mit 100 Mrd. USD Umlauf müsste nach den Berechnungsbeispielen der Fed 1,35 Mrd. USD Eigenkapital vorhalten — und bei anhaltender Unterdeckung über zwei Quartale droht die Liquidation der Reserven. Dieser Report zeigt, wie Sie Kapitalbedarf und Liquidationsszenarien vorab durchrechnen. Liquidations-Notfallplan jetzt sichern

Die Veröffentlichung des Pakets folgt auf eine Phase, in der mehrere US-Behörden Fristen für die Regelsetzung unter dem GENIUS Act verpasst hatten. Die Kommentarfrist für die nun vorliegenden Entwürfe beträgt 60 Tage nach der Veröffentlichung im Federal Register.

Alle sieben Gouverneure der Federal Reserve stimmten dem Paket zu, wobei darauf hingewiesen wurde, dass es sich um vorläufige Schwellenwerte handelt, die im weiteren Prozess angepasst werden könnten.

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de | wissenschaft | 70190703 |