Stablecoins: Neobanken knacken erstmals Milliarden-Marke im Juli
Veröffentlicht am: 02.08.2026 um 22:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Erstmals flossen im Juli mehr als eine Milliarde Dollar monatlich durch Stablecoin-basierte Neobanken – ein Meilenstein für den digitalen Zahlungsverkehr. Vor allem Krypto-Zahlungskarten treiben das Wachstum, während traditionelle Großbanken nun selbst auf den Zug aufspringen.
Die Zahlen lesen sich beeindruckend: 748 Millionen Dollar gaben Verbraucher im Juli über Stablecoin-Dienste aus – ein Plus von 19 Prozent gegenüber Juni. Zusammen mit institutionellen Transaktionen summierte sich das monatliche Volumen auf über eine Milliarde Dollar. Branchenbeobachter sehen darin den Durchbruch einer Technologie, die lange als Nischenphänomen galt.
Krypto-Karten erobern den Massenmarkt
Das Wachstum konzentriert sich auf wenige dominante Anbieter. RedotPay führte den Markt im Juli mit mehr als 382 Millionen Dollar an und sicherte sich damit über die Hälfte des gesamten Marktanteils. Dahinter folgten EtherFi Cash mit 91 Millionen und KAST mit 88 Millionen Dollar.
Besonders bemerkenswert: Die On-Chain-Volumina Krypto-gebundener Zahlungskarten überschritten im Juli erstmals die Milliarden-Grenze. Gegen Monatsende erreichten die täglichen Transaktionsspitzen fast 37 Millionen Dollar. Während die Großen das Volumen dominieren, melden kleinere Anbieter wie Avalanche Card und Plasma One monatliche Zuwachsraten von über 60 Prozent.
Der Verbraucherboom kommt nicht von ungefähr. Am 27. Juli startete X Money in den USA einen Dienst für Premium-Abonnenten: hochverzinsliche Einlagen über eine Partnerbank plus Visa-Debitkarte mit Cashback. Damit tritt die Plattform in direkte Konkurrenz zu etablierten Zahlungsdienstleistern.
Stablecoins hätten eine klare Produkt-Markt-Passung im Verbrauchersegment gefunden, so die Analyse – besonders bei Freelance-Zahlungen, Gaming und Online-Unterhaltung. Interessant: Obwohl die Gesamtmenge großer Stablecoins wie USDT und USDC seit Mai um rund 14,5 Milliarden Dollar gesunken ist, bleiben die bereinigten Transaktionsvolumina hoch. Im Juni erreichten sie mit 1,79 Billionen Dollar einen Rekordwert – angetrieben vor allem durch Aktivitäten auf den Netzwerken Ethereum und Base.
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Großbanken steigen direkt ein
Die traditionelle Finanzwelt reagiert: Standard Chartered ist die erste global systemrelevante Bank, die institutionellen Kunden ermöglicht, USDC direkt über ihre Bankplattform zu prägen und einzulösen. Der Dienst startete im Dubai International Financial Center und macht Drittanbieter-Konten überflüssig.
Auch BNY Mellon hat USDC in seine Plattform für digitale Vermögenswerte integriert. Institutionelle Kunden können den Stablecoin nun über die Blockchains Ethereum und Solana speichern, prägen und übertragen. Diese Entwicklungen folgen auf die Gründung des OpenUSD-Konsortiums, dem inzwischen mehr als 140 Unternehmen angehören.
Selbst klassische Zahlungsdienstleister erweitern ihre Blockchain-Aktivitäten. MoneyGram launchte mit MGUSD einen Dollar-gestützten Stablecoin auf dem Stellar-Netzwerk für grenzüberschreitende Zahlungen – emittiert in Partnerschaft mit dem Zahlungsunternehmen Bridge, technisch unterstützt von M0 und Fireblocks.
Europa holt auf – Asien plant Großes
In Europa bereitet sich ein Konsortium aus 37 Banken namens Qivalis auf die Einführung eines Euro-gestützten Stablecoins in der zweiten Jahreshälfte 2026 vor. Zuletzt stießen mit ABN AMRO, Rabobank, Nordea und Intesa Sanpaolo weitere Schwergewichte bei. Das Ziel: Der Anteil Euro-gedeckter digitaler Assets soll steigen – aktuell liegt er bei weniger als einem Prozent des gesamten Stablecoin-Marktes.
In Asien kündigte Samsung SDS Pläne an, gemeinsam mit Dunamu – dem Betreiber der Börse Upbit – Stablecoin-Infrastruktur zu entwickeln. Die Initiative kombiniert Blockchain, künstliche Intelligenz und Cloud-Dienste. Samsung Electronics soll Stablecoin-Unterstützung in seine Mobile Wallet integrieren.
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Regulierung verändert den Markt
Der rechtliche Rahmen hat die Branche nachhaltig geprägt. Der im Juli 2025 unterzeichnete GENIUS Act verlangt von Stablecoin-Emittenten eine vollständige Deckung im Verhältnis 1:1 und verbietet die Zahlung von Zinsen auf diese Assets. Analysten beobachten, dass renditesuchende Anleger dadurch vermehrt in tokenisierte Staatsanleihen ausweichen – ein Markt, der auf 17 Milliarden Dollar gewachsen ist.
Die Prognosen für die weitere Entwicklung gehen auseinander. Zwar überstieg die gesamte Marktkapitalisierung von Stablecoins Anfang 2026 die Marke von 300 Milliarden Dollar, doch die Erwartungen für die Zukunft variieren stark. Analysten von JPMorgan rechnen damit, dass die jährlich Transaktionsvolumina bis Ende dieses Jahres 17,2 Billionen Dollar erreichen könnten. Die Marktkapitalisierung dürfte sich jedoch aufgrund der hohen Umlaufgeschwindigkeit der Assets bis 2028 zwischen 500 und 600 Milliarden Dollar stabilisieren. Institute wie Standard Chartered und Citigroup sind optimistischer und prognostizieren bis Ende des Jahrzehnts ein Marktvolumen von zwei bis vier Billionen Dollar.
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