Der gestresste Stadtbaum - Was ihm helfen kann
24.04.2025 - 10:00:40Zu eng, zu heiĂ, zu trocken: Auch in den StĂ€dten beobachten Forscher ein Baumsterben von gröĂerem Umfang. «BĂ€ume leisten einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung des Stadtklimas, leiden aber selbst unter Hitze und Trockenheit», sagt Forstwissenschaftler Somidh Saha. Er leitet die vom Bundesforschungsministerium geförderte Innovationsgruppe «Urboretum» zum Bestand der StadtbĂ€ume.
Um BĂ€umen in der Stadt das Ăberleben zu sichern, brauche es mehr GrĂŒnflĂ€chen sowie mehr Raum fĂŒr Wurzeln und Baumkronen. Der Bestand mĂŒsse besser geschĂŒtzt und erhöht werden, betont Saha vom Karlsruher Institut fĂŒr Technologie (KIT) anlĂ€sslich des Tags des Baumes (25. April).Â
Beim Deutschen StĂ€dtetag rennen die Forscher offene TĂŒren ein. Die Kommunen tun viel fĂŒr Schutz, Pflege und Neupflanzung. Doch manchmal fehlt es schlicht an Geld.
Helden im HitzestressÂ
FĂŒr StĂ€dtetag-HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Helmut Dedy sind BĂ€ume «grĂŒne Superhelden». Doch auch die können schwĂ€cheln. So leiden von den etwa 35 einheimischen Baumarten in stĂ€dtischen und stadtnahen WĂ€ldern im SĂŒdwesten Deutschlands nach SchĂ€tzung von KIT-Forscher Saha fast alle unter Klimastress. Allein in den Hitzesommern 2019 und 2020 sind demnach ĂŒber die HĂ€lfte der StadtbĂ€ume geschĂ€digt worden, bis zu einem Drittel der JungbĂ€ume vertrocknete. Der finanzielle Schaden lag bei bis zu 5.000 Euro pro Baum.Â
Wurzel versus U-Bahn - Zu wenig Platz in der Stadt
Ein Hauptproblem neben Hitze und Trockenheit in der Stadt: «BĂ€ume haben zu wenig Platz, zu wachsen», sagt KIT-Forscher Saha. Je mehr Raum Wurzeln haben, desto weniger mĂŒssen BĂ€ume bewĂ€ssert werden. Doch im stĂ€dtischen Untergrund konkurrieren Baumwurzeln mit Rohren, Leitungen, UnterfĂŒhrungen und auch mit U-Bahnen.Â
Hinzu kommt, dass viele StadtbÀume in den Nachkriegsjahrzehnten gepflanzt wurden. Sie kommen ans Ende ihrer Lebenszeit.
Anpassen oder weichenÂ
Schwierig wird es dem KIT-Forscher zufolge angesichts des Klimawandels etwa fĂŒr Buche, Fichte, Esche, Hainbuche, Spitzahorn oder Winterlinde. Andere BĂ€ume wie Platanen, Silberlinden, ZĂŒrgelbĂ€ume oder Gleditschien könnten dagegen selbst in stĂ€dtischen WĂ€rmeinseln ĂŒberleben. Sie gelten als Zukunfts- und «KlimabĂ€ume».
Baumarten, die sich nicht anpassen, sterben allmĂ€hlich ab oder weichen in kĂŒhlere Gegenden aus, sagt Saha. Manche jedoch entwickeln auch Eigenschaften wie TrockenvertrĂ€glichkeit, die in frĂŒheren Generationen einer Art nicht ausgeprĂ€gt waren.
ZukunftsbÀume gepflanzt, aber wenig erforscht
Robinie, ZĂŒrgelbaum, Silberlinde, Blumenesche oder Gleditschie - StĂ€dte pflanzen seit Jahren widerstandsfĂ€hige BĂ€ume. Doch noch sei das Potenzial der Baumarten zur KĂŒhlung der stĂ€dtischen Umwelt unzureichend erforscht, sagt Saha.Â
Der ungeliebte GötterbaumÂ
Robust ist nicht immer erwĂŒnscht: So gedeiht der im 18. Jahrhundert aus China als Ziergehölz fĂŒr Parks und GĂ€rten geholte Götterbaum auch bei Trockenheit prĂ€chtig. Doch, so warnt Saha: «Er hat das Potenzial, andere Baumarten zu verdrĂ€ngen.»
Die Robinie tut das auch. Zum «Baum des Jahres» wurde sie wegen ihrer WiderstandsfĂ€higkeit dennoch vor fĂŒnf Jahren gekĂŒrt - trotz Bedenken von NaturschĂŒtzern.Â
Die Vielfalt macht'sÂ
Die Wissenschaftler plĂ€dieren dafĂŒr, mehr BĂ€ume aus der Mittelmeerregion zu testen, wie Ungarische Eiche oder Schmuckesche; und einheimische dĂŒrre-tolerante Sorten oder Varianten davon zu zĂŒchten, wie Elsbeere, Echte Mehlbeere, Trauben- oder Flaumeiche.Â
Bei einheimischen BÀumen haben Samen trockener Standorte einen Vorteil. Solche BÀume sind resistenter, wie der Vergleich von Rotbuchen auf kargen und feuchten FlÀchen zeigt.
Mein Freund, der Baum
«BĂ€ume sind fĂŒr die StĂ€dte von schier unschĂ€tzbarem Wert», betont Helmut Dedy vom StĂ€dtetag. Sie verbessern durch Schatten und Verdunstung das Mikroklima, kĂŒhlen Asphalt und Beton, nehmen Feinstaub auf und bieten Vögeln und Insekten ein Zuhause.Â
Ein Forschungsteam hat das fĂŒr Karlsruhe genauer modelliert. «Wir können zeigen, dass eine Erhöhung des Baumbestandes um mindestens 30 Prozent die jĂ€hrliche Zahl der extremen Hitzestunden um fast 64 Prozent und den jĂ€hrlichen Wasserabfluss um 58 Prozent verringern könnte», fasst Saha, der Mitautor war, die Studie zusammen. Besonders bei dichter Bebauung könnten BĂ€ume den Schutz vor Hitze und Hochwasser verstĂ€rken.
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Wie wichtig BĂ€ume fĂŒr das direkte Wohlbefinden von Menschen in StĂ€dten sind, haben Saha und weitere Forschende mit einer Befragung von 302 Menschen untersucht. Ergebnisse: Sie gaben ĂŒberwiegend an, sich an jenen Orten in der Stadt besonders wohlzufĂŒhlen, an denen sie selbst die allgemeine Artenvielfalt besonders hoch einschĂ€tzen. Zudem erhöhen ein hoher Beschattungsgrad durch Baumkronen und der Reichtum an groĂen BĂ€umen in der Stadt das Wohlbefinden der Bevölkerung.
Zum Tag des Baumes ein AppellÂ
Saha und sein Team appellieren an StĂ€dte, noch mehr in ihre BĂ€ume zu investieren. Viele StĂ€dte gestalten bereits seit lĂ€ngerem PlĂ€tze und StraĂen wegen des Klimawandels um. Wichtig wĂ€ren aus seiner Sicht langfristige Monitoring-Programme fĂŒr StadtbĂ€ume, mehr Kooperationen zwischen Kommunen und Wissenschaft und auch die Mithilfe der Bewohner, etwa durch Baumpatenschaften.Â
Wo ein Wille ist, ist ein WegÂ
Viele StÀdte haben bereits Monitoring und Baumkataster. Die Finanzierung sei angesichts extrem angespannter kommunaler Haushalte aber nicht immer einfach, gibt Dedy zu bedenken.
FĂŒr Forscher Saha ist es «aus ökologischer und bio-meteorologischer Sicht absolut katastrophal», wenn neu gestaltete PlĂ€tze wie der Karlsruher Marktplatz nicht begrĂŒnt werden. Zugleich weiĂ er, dass örtliche Besonderheiten berĂŒcksichtigt werden mĂŒssen, wie eine U-Bahn unter dem Platz. Die Umgestaltung der City von Paris zeige aber: «Es ist auch immer eine Frage der politischen Motivation.»





















