STARA-Studie: Nach dem Absetzen von Biologika nehmen Schmerzen binnen 12 Wochen zu
Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 10:10 Uhr | Redaktion boerse-global.deBei Menschen mit rheumatoider Arthritis (RA), die unter einer medikamentösen Behandlung eine stabile Krankheitsruhe erreichen, stellt sich häufig die Frage nach einer Reduktion oder Beendigung der Medikation.
Neue wissenschaftliche Auswertungen verdeutlichen jedoch die Risiken eines Absetzens von Biologika: Eine am 15. Oktober 2026 im Fachjournal The Journal of Rheumatology erschienene Auswertung der STARA-Studie (Stopping TNF Antagonists in RA) zeigt, dass der Verzicht auf Tumornekrosefaktor-Inhibitoren (TNFi) bei vielen Betroffenen zu einem raschen Wiederaufflammen von Beschwerden führt.
Schmerzen und Funktionseinbußen in den ersten zwölf Wochen
Die von einer Forschungsgruppe um Michael M. Ward vorgelegte Analyse untersuchte Verläufe von Patienten, die sich vor dem Absetzen der TNFi in einer stabilen Remission befanden. Nach dem Absetzen der Therapie nahmen sowohl die Schmerzen als auch funktionelle Einschränkungen bei einem großen Teil der Teilnehmenden innerhalb der ersten zwölf Wochen messbar zu. Zugleich verschlechterte sich die soziale Teilhabe der Betroffenen spürbar.
Die stärksten Veränderungen traten dabei direkt in diesem ersten Zwölf-Wochen-Fenster auf. Für die Mehrheit der Betroffenen gab es im weiteren Verlauf eine Entlastung: Nach einer erneuten Aufnahme der TNFi-Therapie normalisierten sich die Krankheitswerte bei den meisten Patienten wieder.
Risiken auch bei kurzzeitigen Therapieunterbrechungen
Die Beobachtungen der STARA-Analyse fügen sich in Erkenntnisse zu kürzeren Behandlungsunterbrechungen ein. Die im Fachblatt JAMA Internal Medicine veröffentlichte COVER-Studie untersuchte die Effekte einer zweiwöchigen Pause von immunmodulierenden Medikamenten vor einer COVID-19-Auffrischungsimpfung bei 840 erwachsenen Personen mit entzündlicher Arthritis.
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Untersuchten wurden Behandlungen mit TNF-Inhibitoren, Interleukin-17-Inhibitoren, Abatacept sowie JAK-Inhibitoren. Das zweiwöchige Aussetzen brachte im Vergleich zur durchgehenden Therapie keinen Vorteil beim Antikörperanstieg – das gemessene Verhältnis lag bei 0,96.
Stattdessen stieg das Risiko für Krankheitsschübe deutlich an: Während in der Gruppe mit kontinuierlicher Medikation bei 9,1 Prozent ein Flare auftrat, lag der Anteil bei den Pausierenden bei 21,1 Prozent. Dies entspricht rund 12 zusätzlichen Schüben pro 100 Patienten, wobei die Zunahme unter JAK-Inhibitoren am stärksten ausfiel.
Nach Wiederaufnahme der Behandlung bildeten sich diese Schübe zurück. Bereits 2022 hatte die im Fachjournal The Lancet Respiratory Medicine publizierte VROOM-Studie bei einer zweiwöchigen Pause von Methotrexat nach einer Impfung zwar eine verdoppelte Antikörperantwort, jedoch ebenfalls vermehrt Schübe dokumentiert.
Konsequenzen unkontrollierter Behandlungsstopps
Vor eigenmächtigen Abbrüchen warnte der Rheumatologe Askat Abdykerimov. Viele Patienten neigten dazu, verordnete Therapien vorzeitig zu beenden, wenn sich kein unmittelbarer Effekt zeige. Bei manchen krankheitsmodifizierenden Medikamenten könne es jedoch drei bis sechs Monate dauern, bis eine spürbare Wirkung einsetze.
Abdykerimov hob zudem hervor, dass Hormonpräparate nicht unkontrolliert angewendet werden dürfen und regelmäßige Kontrollen von Blut- und Urinwerten zur Überwachung von Leber- und Nierenfunktionen unerlässlich sind.
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Welche Spätfolgen eine dauerhaft fehlende medikamentöse Kontrolle haben kann, veranschaulichte ein im Journal Klinische Medizin und Pharmakologie veröffentlichter Fallbericht aus Russland.
Bei einer Patientin mit rheumatoider Arthritis, die über Jahrzehnte hinweg unzureichend therapiert blieb, führte das Ausbleiben einer konsequenten Basistherapie zu ausgeprägten Deformitäten der Gliedmaßen, massiven Bewegungseinschränkungen sowie Begleiterkrankungen wie Skleritis und einer AA-Amyloidose.
Behandlungsrealität und Begleitmaßnahmen
Nach Angaben der französischen Rheumatologin Élise Doaré sind allein in Frankreich rund eine Million Menschen von chronisch-entzündlichen rheumatischen Erkrankungen betroffen. Der Häufigkeitsgipfel liege bei Frauen mit rheumatoider Arthritis um das 50. Lebensjahr, während Männer bei Spondyloarthritis typischerweise vor dem 45. Lebensjahr erkranken.
Als Standardbasistherapie dient häufig Methotrexat, dessen Packungskosten bei wenigen Euro liegen. Bringt dieser Ansatz keine ausreichende Wirkung, kommen Biologika wie Anti-TNF-alpha-Präparate zum Einsatz, die monatliche Kosten von rund 380 Euro verursachen.
Neben der medikamentösen Einstellung empfahl Doaré unterstützende Maßnahmen: Eine angepasste körperliche Aktivität nach Abklingen akuter Phasen sowie Physiotherapie und ernährungsbezogene oder psychologische Begleitung seien wesentliche Bausteine, insbesondere während einer Kortisonbehandlung.
