STAREE-Studie, Atorvastatin

STAREE-Studie: Atorvastatin senkt Herzrisiken bei Älteren um 30 Prozent

Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 09:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Neue ESC-Empfehlungen und Studienergebnisse betreffen Herzinsuffizienz, Infarktdefinition, PrÀvention und kardiovaskulÀre Therapien.

ESC-Kongress 2026: Neue Leitlinien und Studien zur Herzmedizin
Ein leerer, modern gestalteter medizinischer Hörsaal in MĂŒnchen mit Blick auf eine dunkle ProjektionsflĂ€che. Illustration mit AI erstellt.

Auf dem Kongress der EuropĂ€ischen Gesellschaft fĂŒr Kardiologie (ESC) im August 2026 in MĂŒnchen kamen 33.800 Teilnehmer aus 170 LĂ€ndern zusammen. Im Zentrum der Fachkonferenz standen neue klinische Leitlinien sowie praxisverĂ€ndernde Studien, die das Management von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und die Risikoreduktion neu ausrichten sollen.

Aktualisierte Leitlinien und Neudefinition des Myokardinfarkts

Die Fachgesellschaft prĂ€sentierte im August 2026 drei neue Leitlinien. Im Bereich der Herzinsuffizienz fĂŒhrt die ESC eine ĂŒberarbeitete Nomenklatur ein, bei der die grundlegende medikamentöse Therapie nun als Klasse-I-Empfehlung eingestuft wird.

Zudem veröffentlichte der Verband erstmals Richtlinien zur kardialen Rehabilitation, die auch digitale Gesundheitsangebote und am Körper tragbare MessgerĂ€te (Wearables) berĂŒcksichtigen.

Gemeinsam mit der European Renal Association entstand zudem eine Richtlinie fĂŒr die Schnittstelle von kardiovaskulĂ€ren Erkrankungen und chronischer Niereninsuffizienz, die auf dem sogenannten STAMP-Ansatz (Screen, Triage, Modify, Plan) basiert.

Gleichzeitig verabschiedeten ESC, das American College of Cardiology (ACC), die American Heart Association (AHA) und die World Heart Federation (WHF) die fĂŒnfte universelle Definition des Myokardinfarkts. Diese unterscheidet drei Kategorien – primĂ€r, sekundĂ€r und prozedurbezogen – und verankert geschlechtsspezifische Grenzwerte fĂŒr das Troponin auf Basis des 99. Perzentils.

Neue Erkenntnisse aus klinischen Studien

Mehrere im August 2026 vorgestellte Studien lieferten direkte Impulse fĂŒr die medikamentöse und interventionelle Praxis. Die im New England Journal of Medicine (NEJM) publizierte STAREE-Studie untersuchte 9.971 Personen ab 70 Jahren ohne vorbestehende koronare Herzkrankheit (KHK), Diabetes oder Demenz.

Unter einer tĂ€glichen Dosis von 40 mg Atorvastatin zeigte sich ĂŒber einen medianen Beobachtungszeitraum von 5,9 Jahren eine Reduktion schwerer kardiovaskulĂ€rer Ereignisse (MACE) um 30 Prozent gegenĂŒber Placebo, wĂ€hrend das behinderungsfreie Überleben nicht signifikant beeinflusst wurde.

Ebenfalls im NEJM veröffentlichte Daten der Studie TRIC-I-HF zeigten, dass eine Transkatheter-Trikuspidalreparatur in Kombination mit Medikation die Hospitalisierungen wegen Herzinsuffizienz und die GesamtmortalitÀt bei schwerer symptomatischer Trikuspidalinsuffizienz senkte.

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Die SINGLE-AF-Studie belegte, dass direkte orale Antikoagulanzien (DOAK) bei Vorhofflimmern mit einem CHA2DS2-VASc-Score von 1 bei MĂ€nnern beziehungsweise 2 bei Frauen unerwĂŒnschte Endpunkte ohne signifikanten Anstieg schwerer Blutungen reduzierten.

Dagegen zeigte die in The Lancet publizierte Studie PVI-SHAM-AF, dass eine Pulmonalvenenisolation (PVI) zwar Rezidive von Vorhofflimmern verringerte, die krankheitsspezifische LebensqualitÀt im Vergleich zu einem Scheinverfahren jedoch nicht signifikant verbesserte.

Im Bereich der Fettstoffwechseltherapien senkte die RNA-Interferenz-Therapie Plozasiran in den SHASTA-3/4-Studien die Triglyceridwerte bei schwerer HypertriglyceridÀmie um 80 Prozent bei nur drei Injektionen pro Jahr. Nach Angaben des ACC reduzierte zudem eine intensive Senkung des LDL-Cholesterins mit Evolocumab in der VESALIUS-CV-Studie schwere kardiovaskulÀre Ereignisse bei Hochrisikopatienten ohne vorherige Ereignisse.

SekundÀrprÀvention und europÀische Screening-Initiative

Die EuroAspire-VI-Erhebung an 8.590 KHK-Patienten in 27 LÀndern verdeutlichte derweil erhebliche LÀnderunterschiede beim Erreichen von SekundÀrprÀventionszielen.

Dass auch Versorgungsmodelle abseits von Fachzentren messbare Effekte erzielen können, zeigte das China Rural Hypertension Control Program (CHRCP): Dort fĂŒhrte eine intensive Blutdruckkontrolle durch nicht-Ă€rztliches Personal ĂŒber sieben Jahre hinweg zu einer Senkung des Demenzrisikos um 15 Prozent.

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Angesichts der Krankheitslast starteten ESC, EASD and EASO unter Beteiligung von EU-Gesundheitskommissar OlivĂ©r Varhelyi die Kampagne „Know your numbers“ im Rahmen der ersten EU-Screening-Woche zur FrĂŒherkennung von Blutdruck, Blutzucker und Cholesterin.

KardiovaskulĂ€re Erkrankungen gelten als hĂ€ufigste Todesursache in der EuropĂ€ischen Union und zeichnen fĂŒr einen von drei TodesfĂ€llen verantwortlich, was 2022 rund 1,7 Millionen TodesfĂ€llen entsprach.

Rund 62 Millionen Menschen in der EU sind betroffen, wĂ€hrend 35,3 Millionen mit Diabetes leben und etwa jeder sechste Erwachsene von Adipositas betroffen ist. Eine Empfehlung des EU-Rates zu Gesundheitschecks soll die PrĂ€vention und FrĂŒherkennung europaweit stĂ€rken.

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