Statine und Knochen: Studie sieht möglichen Schutz bei Östrogenmangel
Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 10:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deGängige Lipidsenker aus der Gruppe der Statine könnten über die Senkung des Cholesterinspiegels hinaus einen therapeutischen Nutzen für das Skelettsystem bieten.
Wie ein Forscherteam um Min Yang und Bo Shen vom National Institute of Biological Sciences in Peking in einer Publikation im Fachjournal Nature Aging darlegt, deuten Untersuchungen darauf hin, dass Statine bei bestehendem Östrogenmangel die Knochenneubildung stimulieren und den Verlust an Knochensubstanz abmildern können.
Beobachtungen bei postmenopausalen Patientinnen
Die Auswertungen der Forschungsgruppe stĂĽtzen sich unter anderem auf klinische Beobachtungsdaten von 169 postmenopausalen Frauen im Alter zwischen 55 und 65 Jahren, deren Menopause mindestens drei Jahre zurĂĽcklag.
Die Daten stammten aus zwei Kohorten: dem Beijing Jishuitan Hospital mit 80 Patientinnen sowie dem Kowloon Hospital Suzhou mit 89 Patientinnen. Analysiert wurden gepaarte Verläufe der Knochendichtemessung (DXA) mit mindestens zwei Scans in einem Mindestabstand von sechs Monaten.
Dabei zeigte sich, dass die Einnahme von Statinen mit einem verlangsamten jährlichen Rückgang der Knochendichte an der Lendenwirbelsäule einherging. Dieser Effekt erwies sich den Befunden zufolge als unabhängig von der Cholesterinsenkung: Der Wirkstoff Evolocumab senkte das LDL-Cholesterin in vergleichbarem Ausmaß, verlangsamte den Dichteverlust der Knochen jedoch nicht. Die LDL-Werte waren zwischen der Statin-, der Evolocumab- und der Kontrollgruppe vergleichbar.
Effekte im Tiermodell und Erhalt der Knochenstruktur
Was Ihre Blutwerte wirklich über Ihre Gesundheit verraten, wird oft unterschätzt – gerade bei komplexen Werten wie Cholesterin oder wichtigen Vitalstoffen. Dieser kostenlose Report erklärt, welche Werte wirklich wichtig sind und wie Sie Ihre Laborergebnisse richtig interpretieren. Kostenlosen Laborwerte-Selbstcheck jetzt sichern
In präklinischen Versuchen untersuchte das Team die Wirkung von Atorvastatin an 18 Monate alten weiblichen Mäusen sowie an Tieren nach einer operativen Entfernung der Eierstöcke (Ovarektomie).
Mittels Mikro-Computertomographie bei sechs Tieren pro Gruppe stellten die Forscher fest, dass Atorvastatin das Trabekelknochenvolumen, die Trabekelanzahl, die Trabekeldicke sowie die gesamte Knochendichte und die kortikale Dicke steigerte. Bei jungen adulten Mäusen, männlichen Tieren und orchidektomierten Mäusen blieb dieser Effekt hingegen aus.
Im Ovarektomie-Modell waren zudem die Mineralappositionsrate und der Knochenbildungsmarker P1NP erhöht. Marker des Knochenabbaus wie CTX-1 sowie die Anzahl der Osteoklasten blieben unverändert, was auf eine gezielte Anregung des Knochenaufbaus statt auf eine reine Hemmung des Abbaus hinweist.
Signalweg ĂĽber Skelettstammzellen identifiziert
Wer sich mit dem Erhalt der Knochendichte und allgemeiner Gesundheit befasst, sollte auch die Bedeutung der richtigen Nährstoffversorgung kennen. Erfahren Sie in diesem 25-seitigen Gratis-PDF, wie Sie Vitalstoffmängel frühzeitig erkennen und Ihre Werte gezielt optimieren. Gratis-Report: Laborwerte richtig verstehen
Auf zellulärer Ebene entschlüsselten die Wissenschaftler einen spezifischen Wirkmechanismus. Demnach hemmt Atorvastatin die Prenylierung des Proteins RAC1. Das vermehrt aktivierte RAC1 rekrutiert in der Folge NF-?B an den Promotor von Oln/Clec11a, was die Transkription von Osteolectin (Oln) in LEPR-positiven Skelettstamm- und Vorläuferzellen ankurbelt.
Diese LEPR-positiven Zellen sind von zentraler Bedeutung fĂĽr die Regeneration: Sie stellen ĂĽber 90 Prozent der im adulten Organismus gebildeten Osteoblasten und Osteozyten; rund 85 Prozent der Esr1-GFP-positiven Knochenmarkzellen sind LEPR-positiv.
Unter physiologischen Bedingungen wirkt die Östrogen-Signalachse (E2–ER?) über denselben Osteolectin-Pfad. Fällt dieser Signalweg durch Östrogenmangel aus, können Statine das Defizit über den alternativen RAC1-Mechanismus ausgleichen. Die Notwendigkeit dieses Pfades belegten Kontrollversuche: Ein Knockout von RAC1 hob die Wirkung von Atorvastatin auf, und auch eine Defizienz von Osteolectin verhinderte den Anstieg der Knochenmasse.
Offene Fragen zur klinischen Anwendung
Trotz der detaillierten molekularen Befunde mahnen die Autoren zur Zurückhaltung hinsichtlich einer direkten therapeutischen Umsetzung. Bei den Daten zu Patientinnen handelt es sich um reine Beobachtungsdaten. Ob sich die an Tiermodellen beobachteten Effekte in standardisierten, prospektiven klinischen Studien am Menschen bestätigen lassen, ist bislang ungetestet.
