Steuererklärung per Klick: 11,5 Millionen nutzen MeinELSTER+ ab Juli
26.06.2026 - 22:09:14 | boerse-global.de
Die EU-Kommission will Unternehmen um acht Milliarden Euro jährlich entlasten – und Deutschland zieht mit einem radikalen Digitalisierungsschub nach.
EU-Kommission: Bürokratieabbau in Rekordhöhe
Am 24. Juni 2026 präsentierte die Europäische Kommission ein umfassendes Steuervereinfachungspaket. Die Maßnahmen sollen Unternehmen innerhalb der Union jährlich rund acht Milliarden Euro sparen. Allein die direkten Verwaltungskosten sinken um 3,3 Milliarden Euro.
Herzstück des Vorschlags: eine Befreiung von der Quellensteuer auf grenzüberschreitende Dividenden, Zinsen und Lizenzgebühren. Das allein bringt Unternehmen 5,3 Milliarden Euro Entlastung. Hinzu kommen technische Anpassungen – etwa die Vereinfachung der Zinsabzugsbeschränkungen und die Beseitigung von Überschneidungen zwischen den Regelungen für beherrschte ausländische Unternehmen (CFC) und den Pillar-Two-Vorgaben.
Das Paket enthält zudem eine Neufassung der Richtlinie zur Zusammenarbeit der Verwaltungsbehörden (DAC). Ziel: Die Berichtspflichten für multinationale Konzerne unter Pillar Two entfallen, das gesamte Berichtsvolumen sinkt um 35 Prozent. Auch die Meldeschwelle für Online-Verkäufe steigt – Einsparung: 678 Millionen Euro. Der Vorschlag geht nun an Europaparlament und Rat.
Deutschland: Steuererklärung per Klick – und eine „Steuerrevolution“
Ab dem 1. Juli 2026 startet in Deutschland das neue „One-Click“-Verfahren zur Steuererklärung. Über die App MeinELSTER+ können rund 11,5 Millionen alleinstehende, kinderlose Arbeitnehmer und Rentner ihre Erklärung mit einem Klick abgeben. Das System nutzt vorausgefüllte Daten der Finanzbehörden – etwa Lohn- und Renteninformationen. Die Registrierung ist seit dem 31. März möglich.
Der digitale Vorstoß ist Teil eines umfassenden Modernisierungspakts zwischen Bund und Ländern, den beide Seiten am 25. Juni besiegelten. 60 Maßnahmen zur Digitalisierung der Verwaltung sind geplant:
- Behördliche Kommunikation per E-Mail
- Digitaler Personalausweis – online beantragt, per Post geliefert
- Automatische Genehmigung bei Fristüberschreitung der Behörde
- Eine „Deutschland-App“ mit Künstlicher Intelligenz, geplant für 2027
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Bundesfinanzminister Lars Klingbeil kündigte zudem ein Reformpaket an, das er am 1. Juli vorstellen will. Seine Ankündigung: eine „Steuerrevolution“. Die Pläne sehen eine „bürgerfreundliche Einkommensteuer“ und eine vereinfachte Unternehmensbesteuerung vor. Mögliche Neuerungen: vierteljährliche Einkommensteuererklärungen und eine pauschale Arbeitstag-Pauschale, die verschiedene Einzelausgaben ersetzt.
GroĂźbritannien und der globale Trend zur digitalen Steuer
Auch das Vereinigte Königreich treibt die Digitalisierung voran. Seit dem 6. April 2026 gilt die nächste Phase des Programms „Making Tax Digital“ (MTD) für die Einkommensteuer. Rund 780.000 Selbstständige und Vermieter mit Einkünften über 50.000 Pfund müssen ihre erste vierteljährliche Meldung bis zum 7. August 2026 abgeben.
Eine Schonfrist für das Steuerjahr 2026/27 verhindert zunächst Strafen für verspätete Meldungen. Langfristig droht jedoch ein Punktesystem. Softwareanbieter wie FreeAgent haben bereits KI-gestützte Tools entwickelt, die die Daten aus Mietabrechnungen automatisch abgleichen – relevant für die rund 876.000 betroffenen Vermieter.
Weltweit beschleunigt sich die digitale Steuererfassung:
- Vietnam: 98 Prozent der Geschäftshaushalte in Hanoi haben elektronische Transaktionskonten eingerichtet. Die Einnahmen von Haushalten mit mehr als einer Milliarde Vietnamesischen Dong Umsatz stiegen nach der Umstellung um 75 Prozent.
- Kenia: Die Steuerbehörde KRA verschärft die Compliance über die eTIMS-Plattform. Ab dem Steuerjahr 2026 müssen alle Geschäftsausgaben durch automatisierte eTIMS/TIMS-Rechnungen belegt werden.
- Spanien: Seit dem 21. Juni 2026 automatisiert die Plattform EasySpanishTax.com die Modelo-210-Erklärungen für nicht ansässige Immobilieneigentümer – ein wachsender Markt für spezialisierte Steuerlösungen.
Rentenerhöhung bringt viele Senioren in die Steuerpflicht
Rund 11,5 Millionen Arbeitnehmer und Rentner können ab Juli ihre Steuererklärung per Klick abgeben – doch viele scheitern an der Registrierung oder übersehen wichtige vorausgefüllte Daten. Mit dieser Checkliste haben Sie alles im Griff und vermeiden Nachzahlungen. Checkliste zur One-Click-Steuererklärung anfordern
Die Digitalisierungswelle trifft auf eine demografische Verschiebung. In Deutschland steigen die gesetzlichen Renten zum 1. Juli 2026 um 4,24 Prozent. Das dĂĽrfte viele Rentner erstmals in die Steuerpflicht bringen. Wer 2026 in Rente geht, muss 84 Prozent seiner Rente versteuern. Der Grundfreibetrag liegt bei 12.348 Euro fĂĽr Alleinstehende.
Auch andere Länder mahnen zur Compliance. Portugiesische Steuerzahler müssen ihre globalen Einkünfte – inklusive Kryptowährungen und Auslandsimmobilien – in Anhang J des Modelo 3 erklären. In der Ukraine drohen Strafen von 100 bis 150 Prozent des Transaktionswerts, wenn registrierte Kassen nicht genutzt oder falsche Erklärungen abgegeben werden.
