STIKO-Empfehlung: Corona-Auffrischung erst ab 75 Jahren empfohlen
Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 09:54 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat ihre Empfehlung zur jährlichen COVID-19-Auffrischungsimpfung überarbeitet. Statt wie bisher ab 60 Jahren wird eine regelhafte Auffrischung nun erst ab 75 Jahren empfohlen. Die neue Altersgrenze hat Folgen für Abrechnung und Erstattung: Wer jünger als 75 ist und sich dennoch impfen lassen möchte, muss die Impfung künftig voraussichtlich als Selbstzahlerleistung in Anspruch nehmen.
Anlass der Neubewertung
Als einer der Auslöser für die Überprüfung der Empfehlung gilt laut einem Bericht aus Nürnberg Unmut über ältere Corona-Impfstoffbestände, die dort noch im Umlauf waren. Dr. Detlef Fuchs, regionaler Vorstandsbeauftragter der Kassenärztlichen Vereinigung Mittelfranken und Hausarzt in Feuchtwangen, stellte dazu klar, dass vorhandene Bestände bis zum Verfallsdatum genauso wirksam seien wie neu ausgelieferte Chargen.
Der Ökonom Stefan Homburg ordnete die Änderung ein und verwies darauf, dass die STIKO die jährliche Corona-Auffrischung für gesunde Menschen künftig erst ab 75 Jahren empfiehlt, während die Grippeimpfung weiterhin regulär ab 60 Jahren sowie für Risikogruppen empfohlen wird. Damit entsteht eine erkennbare Lücke zwischen beiden saisonalen Impfempfehlungen, die im Praxisalltag neu kommuniziert werden muss.
Parallel diskutiert: Langzeitfolgen von Infektion und Impfung
Zeitgleich zur STIKO-Anpassung hat die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina eine Stellungnahme zu postinfektiösen Erkrankungen vorgestellt. Darin wird unter anderem festgehalten, dass die COVID-19-Impfung auch vor postinfektiösen Erkrankungen schützen könne – in der Frühphase der Pandemie habe der Schutz vor Long Covid demnach bei rund 40 Prozent gelegen.
Nach Angaben der Leopoldina leben in Deutschland mehr als 1,5 Millionen Menschen mit Long Covid; die Stellungnahme listet mehr als 30 Handlungsoptionen auf.
Die STIKO empfiehlt die jährliche Corona-Auffrischung jetzt erst ab 75 Jahren — für gesunde Menschen zwischen 60 und 75 heißt das: Die Impfung wird voraussichtlich zur Selbstzahlerleistung. Wer wissen will, was das konkret kostet und wie die Entscheidung gelingt, findet hier die nötige Orientierung. Kostenlosen Leitfaden zur STIKO-Empfehlung anfordern
Bemerkenswert ist ein Detail aus dem Dokument: Auf Seite 16 der Stellungnahme werden auch durch die COVID-19-Impfung entstandene Krankheitsbilder zu Long Covid gezählt, während zwei Seiten zuvor Long Covid explizit als Folge einer SARS-CoV-2-Infektion definiert wird – ein Widerspruch, der in der Debatte um sogenannte Post-Vac-Fälle Beachtung findet. Zur Evidenzlage bei Post-Vac-Syndromen wird zudem auf eine Einschätzung von Scheibenbogen verwiesen, wonach die Datenlage dazu bislang dünn sei.
Konkrete Zahlen zur Versorgungssituation liefert ein Blick auf bestehende Spezialambulanzen: Laut Bayerischem Ärzteblatt standen bereits 2023 mehr als 7.000 Menschen auf der Warteliste der Marburger Post-Vac-Ambulanz.
Der Kardiologe Möller berichtete laut Cicero von 228 Patienten, die zwischen Mai 2022 und Mai 2023 behandelt wurden – davon 158 mit Post-Vac-Symptomatik, 58 mit Post-Covid-Befund und 12 mit unklarer Zuordnung. Keiner dieser Fälle sei demnach bislang von einem Versorgungsamt als Impfschaden anerkannt worden.
Wirtschaftliche Dimension und strukturelle Vorschläge
Die Leopoldina beziffert die langfristigen wirtschaftlichen Kosten postinfektiöser Erkrankungen auf 0,1 bis 0,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Als strukturelle Probleme benennt die Stellungnahme Unter-, Über- oder Fehldiagnostik sowie Reibungsverluste an den Schnittstellen zwischen ambulanter, hausärztlicher und spezialisierter Versorgung.
Die Grippeimpfung bleibt ab 60 Jahren eine Kassenleistung, die Corona-Auffrischung erst ab 75 — diese Lücke sorgt bei vielen 60- bis 75-Jährigen für Verwirrung. Unser Leitfaden erklärt Schritt für Schritt, welche Empfehlung für wen gilt und wie Sie die richtige Entscheidung treffen. Schritt-für-Schritt-Entscheidungshilfe jetzt sichern
Vorgeschlagen werden unter anderem eine einheitliche Krankheitsdefinition, regelmäßige Verlaufskontrollen sowie eine verbesserte Dateninfrastruktur – etwa durch eine elektronische Patientenakte mit breiter Einwilligung und Opt-Out-Möglichkeit.
Für die Praxis bedeutet die neue STIKO-Empfehlung in der Summe: Jüngere Senioren zwischen 60 und 75 Jahren müssen künftig selbst abwägen, ob ihnen eine Auffrischung außerhalb der Kassenleistung den Aufwand wert ist, während die Diskussion um Long Covid und mögliche Impffolgen auf wissenschaftlicher Ebene weitergeht.
