Stimmstörungen, Analyse

Stimmstörungen im Alter: Analyse findet 58 Prozent höheres Demenzrisiko

Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 09:32 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Forschungsprojekte untersuchen musikalische AktivitÀten bei Demenz; eine Analyse verbindet Stimmstörungen mit einem um 58 Prozent höheren Risiko.

Musik und Demenz: Studien prĂŒfen Gesang, Komposition und Stimmrisiken
Ein antikes hölzernes Metronom auf einer polierten OberflÀche in einem sonnendurchfluteten, ruhigen Raum. Illustration mit AI erstellt.

Wissenschaftliche Untersuchungen widmen sich zunehmend der Frage, in welchem Ausmaß musikalische AktivitĂ€ten das menschliche Gehirn im Alter stimulieren und vor neurodegenerativen Prozessen schĂŒtzen können. Ein zentrales Vorhaben in diesem Forschungsfeld stellt das Projekt „Musik fĂŒr das GedĂ€chtnis“ dar, das fĂŒr den Zeitraum von 2025 bis 2029 angesetzt ist.

Unter der Leitung der Psychologin Anja-Xiaoxing Cui untersucht die UniversitĂ€t Wien, ob und wie gezielter Gesangsunterricht als prĂ€ventive Maßnahme gegen Alzheimer-Demenz wirken kann. Das Vorhaben wird vom österreichischen Wissenschaftsfonds FWF gefördert.

Gezieltes Gesangstraining fĂŒr Demenzbetroffene

Im Rahmen des Wiener Projekts nehmen 100 Personen ĂŒber 65 Jahren teil, bei denen eine Alzheimer-Demenz diagnostiziert wurde und die ĂŒber keine musikalischen Vorkenntnisse verfĂŒgen. Das Untersuchungsfeld erstreckt sich ĂŒber Wien, Norwegen und Argentinien.

Die Teilnehmenden erhalten ĂŒber einen Zeitraum von einem Jahr Gesangsunterricht, wobei die Frequenz variiert: Eine Gruppe ĂŒbt einmal im Monat, wĂ€hrend eine andere Gruppe zweimal pro Woche unterrichtet wird.

Die neurobiologischen Auswirkungen werden mithilfe von Elektroenzephalografie (EEG) und Magnetresonanztomografie (MRT) analysiert und mit den Daten einer Kontrollgruppe gesunder Personen gleichen Alters verglichen. Hintergrund des Ansatzes sind Einzelfallstudien, die zeigen, dass auch Menschen mit fortgeschrittener Alzheimer-Demenz oder Amnesien in der Lage sind, neue Lieder zu erlernen.

Cui unterstreicht in diesem Kontext, dass der entscheidende Impuls im Einstudieren unbekannter StĂŒcke liege und nicht allein im Wiederholen bereits vertrauter Melodien. FĂŒr Interessierte besteht unter anja.cui@univie.ac.at eine direkte Kontaktmöglichkeit zum Projektteam.

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Komposition und Kognition im internationalen Vergleich

Parallel dazu untersuchen weitere Forschungseinrichtungen die kognitive Dynamik musikalischer Praxis. An der Rice University lĂ€uft eine fĂŒnfjĂ€hrige klinische Studie mit 210 Teilnehmenden, die der Frage nachgeht, ob das aktive Komponieren von Musik den kognitiven Abbau bei Personen mit leichter kognitiver BeeintrĂ€chtigung verlangsamen kann.

Das Studiendesign teilt das Kollektiv in drei Gruppen ein: WÀhrend die erste Gruppe das Komponieren erlernt, widmet sich die zweite Gruppe der musikalischen Werkbetrachtung, und die dritte Gruppe beschrÀnkt sich auf das Musikhören im hÀuslichen Umfeld.

Das Unterrichtscurriculum fĂŒr diese Untersuchung wurde von dem Komponisten Karl Blench konzipiert. Erfasst werden dabei neben kognitiven Leistungsparametern auch VerĂ€nderungen der Stimmung, der allgemeinen LebensqualitĂ€t sowie soziale Effekte.

ZusammenhÀnge zwischen Stimmfunktion und Demenzrisiko

ErgĂ€nzende Erkenntnisse liefert eine retrospektive Analyse der Drexel University, die im Journal of Voice publiziert wurde. Die Autoren Russo, Hawkshaw und Sataloff werteten darin Daten von ĂŒber 833.000 Ă€lteren US-Amerikanern aus. Den Ergebnissen zufolge wiesen Personen mit einer Stimmstörung ein um 58 Prozent höheres Risiko fĂŒr kognitive BeeintrĂ€chtigungen oder eine Demenz auf als Personen ohne Stimmprobleme.

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Ein isolierter Hörverlust ging demnach mit einem um 27 Prozent erhöhten Risiko einher. Die Lancet-Kommission hatte Hörverlust bereits 2020 als den grĂ¶ĂŸten beeinflussbaren Risikofaktor fĂŒr Demenzerkrankungen eingestuft.

In der Analyse der Drexel University zeigte sich das höchste Gesamtrisiko bei einer Kombination aus Stimmstörung und Hörverlust; zugleich ging eine Stimmstörung ohne Hörverlust mit einem höheren Risiko einher als ein Hörverlust allein.

Die zugrunde liegenden Ursachen – ob soziale Isolation oder frĂŒhe neuronale VerĂ€nderungen – gelten als ungeklĂ€rt. Bei vorĂŒbergehender Heiserkeit bestehe kein Anlass zur Sorge, bei einer anhaltenden Verschlechterung in Verbindung mit Hörproblemen raten Mediziner jedoch zu einer fachĂ€rztlichen AbklĂ€rung.

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