SturzprÀvention, Cochrane-Analyse

SturzprÀvention: Cochrane-Analyse stellt gÀngige Programme infrage

Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 03:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Exeter-Übersicht findet bei Ă€lteren Menschen kaum Vorteile multifaktorieller Sturzprogramme gegenĂŒber Beratung; der Vergleich mit Sport bleibt offen.

Cochrane-Review stellt Nutzen komplexer Sturzprogramme infrage
Ein heller, leerer Therapieraum mit Holzboden und einer Trainingsmatte vor einem Fenster mit Gartenblick. Illustration mit AI erstellt.

SturzprĂ€vention gilt seit Jahren als eine der zentralen SĂ€ulen der Altersmedizin. Eine aktuelle Cochrane-Übersichtsarbeit von Forschenden der University of Exeter stellt nun jedoch die Wirksamkeit weit verbreiteter Programme infrage.

Demnach senken multifaktorielle, risikopersonalisierte SturzprĂ€ventionsprogramme die Sturzrate und das Sturzrisiko bei Ă€lteren Menschen wahrscheinlich nicht stĂ€rker als einfache AufklĂ€rung oder Beratung. Im Vergleich zur ĂŒblichen medizinischen Versorgung zeigte sich nur eine leichte Reduktion. Wie diese Programme im Vergleich zu gezieltem Sporttraining abschneiden, bleibt laut dem Review unklar.

Multikomponenten-Programme mit begrenztem Nutzen

Die Übersichtsarbeit, veröffentlicht in der Cochrane Database of Systematic Reviews (DOI 10.1002/14651858.CD012221.pub3), kommt zu einem Ă€hnlichen Ergebnis fĂŒr sogenannte Multikomponenten-Programme, die mehrere Interventionen – etwa Kraft- und Gleichgewichtstraining, MedikamentenĂŒberprĂŒfung und Umgebungsanpassungen – kombinieren. Auch sie zeigten laut der Auswertung kaum Nutzen gegenĂŒber Standardversorgung oder einfacher Beratung.

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Das Ergebnis dĂŒrfte Konsequenzen fĂŒr die Praxis haben, da multifaktorielle Programme in vielen Gesundheitssystemen als Standard bei der Betreuung sturzgefĂ€hrdeter Senioren gelten. Die Autoren der Exeter-Studie stellen damit die Grundannahme infrage, wonach eine individuell zugeschnittene Risikoanalyse mit anschließender Mehrfachintervention automatisch zu weniger StĂŒrzen fĂŒhrt.

Ausmaß des Problems

Die Relevanz des Themas unterstreicht der Review mit Zahlen zur HĂ€ufigkeit von StĂŒrzen: Demnach stĂŒrzt etwa einer von drei Menschen ĂŒber 65 Jahren jĂ€hrlich, was sich auf 684.000 StĂŒrze pro Jahr summiert.

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Diese GrĂ¶ĂŸenordnung macht deutlich, warum wirksame PrĂ€ventionsstrategien fĂŒr das Gesundheitssystem von erheblicher Bedeutung sind – und warum die Erkenntnis, dass gĂ€ngige Programme möglicherweise weniger leisten als angenommen, weitreichende Implikationen hat.

Offene Fragen zum Vergleich mit Bewegungstraining

Besonders bemerkenswert ist, dass der Review den Vergleich zwischen multifaktoriellen Programmen und reinem Sport- beziehungsweise Bewegungstraining als ungeklÀrt einstuft.

Gerade Kraft- und Gleichgewichtstraining gilt in Teilen der Fachwelt als vielversprechender Ansatz zur SturzprĂ€vention, doch belastbare vergleichende Daten fehlen laut der Auswertung bislang. Dies deutet darauf hin, dass kĂŒnftige Forschung stĂ€rker differenzieren mĂŒsste, welche einzelnen Bestandteile bestehender Programme tatsĂ€chlich wirksam sind, statt komplexe Multikomponenten-Interventionen pauschal zu bewerten.

Einordnung fĂŒr die Praxis

Die Ergebnisse der Exeter-Forschenden dĂŒrften Diskussionen darĂŒber anstoßen, wie Gesundheitssysteme und Pflegeeinrichtungen ihre Ressourcen bei der SturzprĂ€vention einsetzen. Angesichts der hohen Zahl jĂ€hrlicher StĂŒrze bei ĂŒber 65-JĂ€hrigen bleibt der Bedarf an wirksamen Maßnahmen unbestritten.

Der Review legt jedoch nahe, dass die bisherige Praxis – aufwendige, individualisierte Multikomponenten-Programme – ihren Zweck möglicherweise nicht in dem Maße erfĂŒllt, wie es ihre weite Verbreitung vermuten lĂ€sst.

FĂŒr Betroffene und Angehörige bedeutet dies vor allem, dass einfache AufklĂ€rung und Beratung in vielen FĂ€llen Ă€hnlich wirksam sein könnten wie deutlich aufwendigere Interventionsprogramme – ein Befund, der sowohl fĂŒr die individuelle Beratung als auch fĂŒr gesundheitspolitische Entscheidungen relevant werden dĂŒrfte.

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