SturzprĂ€vention: Gefahrenquellen im Zuhause senken StĂŒrze um 38 Prozent
Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 10:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
KnochenbrĂŒche gehören bei Ă€lteren Menschen zu den folgenreichsten Gesundheitsereignissen ĂŒberhaupt. Ratgeber, die sich mit dem Genesungsprozess nach Frakturen befassen, benennen wiederkehrende Fehler, die die Heilung verzögern oder die Genesung insgesamt gefĂ€hrden können â von falscher ErnĂ€hrung ĂŒber zu vorsichtige oder zu forsche Mobilisation bis hin zu Fehlern bei der Wundversorgung.
Warum Frauen im höheren Alter besonders betroffen sind
Bei Ă€lteren Frauen verlĂ€uft die Knochenheilung oft deutlich langsamer als bei jĂŒngeren Menschen. Als GrĂŒnde gelten ein niedrigerer Ăstrogenspiegel, eine geringere AktivitĂ€t der knochenbildenden Zellen sowie eine reduzierte Kalziumaufnahme.
Um dem entgegenzuwirken, werden KalziumprÀparate, eine kalziumreiche ErnÀhrung und eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D empfohlen. Wie die Heilung im Detail verlÀuft und welche Behandlung angezeigt ist, hÀngt dabei stets vom konkreten Frakturtyp und dem individuellen Zustand des Patienten ab.
Bewegung als Gratwanderung
Ein hÀufiger Fehler nach Operationen liegt in falscher oder fehlender Mobilisation. In den ersten Wochen sollen gesunde Körperteile sowie die Muskulatur der verletzten ExtremitÀt bewegt werden, ab der dritten Woche kommen dann Gelenkbewegungen der verletzten ExtremitÀt hinzu.
Die Steigerung der Belastung soll dabei langsam erfolgen. Wer sich auĂerhalb des Bettes bewegt, sollte dies möglichst nicht allein tun, da Begleitung helfen kann, StĂŒrze zu vermeiden â ein Risiko, das gerade in der Genesungsphase besonders schwer wiegt.
Sturzrisiko als unterschÀtzte Gefahr
Die Deutsche Gesellschaft fĂŒr OrthopĂ€die und Unfallchirurgie (DGOU) wies in einer Mitteilung darauf hin, dass nasses Laub, Dunkelheit und NĂ€sse im Herbst das Sturzrisiko erhöhen. Nach Angaben aus dem TraumaRegister DGU sind bei Menschen ĂŒber 80 Jahren StĂŒrze aus niedriger Höhe die hĂ€ufigste Ursache schwerer Verletzungen â noch vor VerkehrsunfĂ€llen. Konkrete Fallzahlen oder der Auswertungszeitraum wurden in der Mitteilung nicht genannt.
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Ein Cochrane-Review aus dem Jahr 2023 zeigte, dass die Beseitigung von Gefahrenquellen im Wohnumfeld bei Ă€lteren Menschen mit erhöhtem Sturzrisiko die Zahl der StĂŒrze um 38 Prozent senken kann. Die britische NICE-Leitlinie empfiehlt zusĂ€tzlich Bewegungsprogramme, die ĂberprĂŒfung des Wohnumfelds, einen Medikationscheck sowie eine augenĂ€rztliche AbklĂ€rung.
Geduld bei der Genesung nach Frakturen und Gelenkersatz
Ein weiterer typischer Fehler ist es, die eigene Belastbarkeit zu ĂŒberschĂ€tzen. Nach HandgelenksbrĂŒchen ist das Gelenk meist erst nach 12 Wochen voll belastbar, Leistungssport ist in der Regel erst nach 6 Monaten wieder möglich.
Nach dem Einsetzen eines neuen HĂŒftgelenks ist die Wunde meist nach 4 bis 6 Wochen verheilt, BĂ€nder und Weichteile benötigen rund 6 Wochen, wĂ€hrend Knochen und Muskulatur bis zu 6 Monate fĂŒr die vollstĂ€ndige Heilung brauchen.
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Nach einem Kniegelenkersatz ist die Muskulatur meist nach 6 Wochen belastbar, nach 2 bis 3 Monaten ist hĂ€ufig die RĂŒckkehr zu Arbeit und gelenkschonendem Sport möglich. In Deutschland werden jĂ€hrlich knapp 450.000 Knie- und HĂŒftprothesen eingesetzt, etwa ein Drittel der EmpfĂ€nger ist unter 65 Jahre alt.
Geeignet sind nach einem Gelenkersatz vor allem Low-Impact-Sportarten wie Schwimmen, Radfahren, Nordic Walking, Wandern auf ebenem GelĂ€nde, Golf, Gymnastik beziehungsweise Rehasport sowie angepasstes Yoga oder Pilates, wĂ€hrend High-Impact-Sport das Implantat ĂŒberlasten oder lockern kann. Studien zufolge kann der GroĂteil der Operierten nach etwa einem Jahr wieder im gewohnten Umfang Sport treiben.
Fehler bei der Wundversorgung
Auch bei der Wundpflege gibt es einen verbreiteten Irrtum: Feuchte Wundheilung beschleunigt den Heilungsprozess laut NCBI typischerweise um rund 50 Prozent im Vergleich zur Lufttrocknung, da eine feuchte Umgebung die Bildung von hartem Schorf verhindert, der die Epithelzellen blockieren wĂŒrde.
Allerdings gilt dies nicht uneingeschrĂ€nkt: Bei stark infizierten, eitrigen oder extrem nĂ€ssenden chronischen Wunden kann ein luftdichtes Pflaster eine Mazeration verursachen. Bei Rötung, ĂberwĂ€rmung oder Pochen sollte in jedem Fall Ă€rztlicher Rat eingeholt werden.
Vorbeugung durch gezieltes Training
Neben der Behandlung nach einem Bruch rĂŒckt zunehmend die Vorbeugung in den Fokus. Eine Studie der Nanjing University, veröffentlicht im BMJ, wertete Daten aus 124 Einzelstudien mit insgesamt ĂŒber 18.000 Erwachsenen ab 40 Jahren aus.
Demnach zeigten zĂŒgiges Gehen und Joggen sowie eine Kombination aus Ausdauer- und Krafttraining die beste Wirkung auf die Knochendichte, mit optimalem Nutzen ab einem Schwellenwert von rund 600 MET-Minuten pro Woche â das entspricht etwa 2 bis 3 Stunden zĂŒgigem Spazierengehen oder leichtem Joggen wöchentlich.
Mind-Body-Ăbungen wie Tai-Chi und Yoga erhöhten die Knochendichte laut der Studie nur mĂ€Ăig, senkten das Frakturrisiko aber um 42 Prozent. Die maximale Knochenmasse wird demnach bis etwa zum 30. Lebensjahr aufgebaut, danach beginnt der Abbau.
Laut Angaben der WHO hĂ€ngt das Knochenbruchrisiko von mehreren Faktoren ab, darunter Knochendichte, Alter, frĂŒhere Frakturen, ErnĂ€hrung, Bewegung, bestehende Krankheiten und eingenommene Medikamente. Ratgeber und Fachgesellschaften legen daher nahe, Bewegung, ErnĂ€hrung und Wohnumfeld gleichermaĂen im Blick zu behalten, um sowohl BrĂŒche zu vermeiden als auch nach einer Verletzung RĂŒckschlĂ€ge in der Genesung zu verhindern.
