SturzprÀvention im Alter: Kliniken und Kommunen starten Infokampagne
Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 12:32 Uhr | Redaktion boerse-global.de
StĂŒrze gehören zu den hĂ€ufigsten Ursachen fĂŒr schwere Verletzungen im Alter. Gesundheitseinrichtungen, Kommunen und Kliniken in Deutschland reagieren derzeit mit einer Vielzahl von Angeboten, die von Infoveranstaltungen ĂŒber Rehabilitationstechnologie bis hin zu strukturellen Verbesserungen im öffentlichen Raum reichen.
Der gemeinsame Nenner: Muskelkraft erhalten, Risiken frĂŒhzeitig erkennen und Betroffenen nach einem Sturz oder Schlaganfall den Weg zurĂŒck in ein selbststĂ€ndiges Leben erleichtern.
AufklÀrung vor Ort
Das St. Josef-Krankenhaus Essen-Kupferdreh, Teil des Contilia-Verbunds, bietet unter dem Titel "ZurĂŒck ins Leben nach einem Sturz" kostenfreie Infoveranstaltungen an.
Ein erster Termin findet am 7. Oktober 2026 von 15 bis 17 Uhr im Pfarrheim St. Josef in Essen-Kupferdreh statt, ein zweiter am 25. November 2026 im Gemeindehaus in Velbert. Themen sind unter anderem KnochenbrĂŒche im Alter, geriatrische Pflege sowie Physio- und RehabilitationsmaĂnahmen. Interessierte können sich telefonisch anmelden.
Auch auf kommunaler Ebene setzt man auf praxisnahe AufklÀrung: In Halver organisierten die Stadt und die Polizei MÀrkischer Kreis im Rahmen der EuropÀischen MobilitÀtswoche eine Seniorenveranstaltung.
Hauptkommissarin Sandra WietbĂŒscher von der UnfallprĂ€vention gab dabei konkrete Tipps â etwa zur Sichtbarkeit im Dunkeln, zur Ăberwindung von Bordsteinen mit dem Rollator, zur richtigen Nutzung von Ampeln, Zebrastreifen und Verkehrsinseln sowie zu RĂŒckmeldefahrten und Fahrsicherheitstrainings von ADAC und Polizei.
Empfohlen wurden zudem regelmĂ€Ăige Augen- und Gehörchecks, die Nutzung von Taxis als Alternative sowie der sogenannte Kinderwagenknopf in Bussen, der fĂŒr eine lĂ€ngere TĂŒröffnung sorgt.
Kliniken zeigen Versorgungsstrukturen
Der Seniorenbeirat Rostock besuchte die UniversitĂ€tsmedizin Rostock und erhielt Einblicke in das InterdisziplinĂ€re Notfallzentrum sowie die Geriatrische Station. Dabei ging es um die Behandlung hĂŒftnaher Frakturen und um Altersmedizin generell â die dortige Sektion fĂŒr Geriatrie und Altersmedizin, angesiedelt bei der Klinik fĂŒr Neurologie, versorgt unter anderem Ă€ltere Menschen nach SchlaganfĂ€llen oder Operationen.
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Auch das Sana Klinikum Lichtenberg treibt die Verzahnung von Fachdisziplinen voran: Es eröffnet ein Zentrum fĂŒr Herzinsuffizienz im Alter, das nach Angaben von Sana ein in Berlin einzigartiges Versorgungskonzept darstellt und Kardiologie mit Geriatrie verbindet. Zielgruppe sind Patienten ab 70 Jahren mit kardiologischem und geriatrischem Behandlungsbedarf. Das Klinikum verfĂŒgt ĂŒber 661 Betten und ist akademisches Lehrkrankenhaus der CharitĂ©.
Ăffentlicher Raum und Bewegungsförderung
Barrierefreiheit im Alltag stand auch in St. Valentin im Mittelpunkt, wo im Rahmen der EuropĂ€ischen MobilitĂ€tswoche ein neuer barrierefreier Schritteweg mit einer LĂ€nge von 3,9 Kilometern eröffnet wurde, der Bewegung mit Gesundheitsförderung verbinden soll. In SchloĂ Holte-Stukenbrock ĂŒbten Menschen mit Rollator auf dem Holter Kirchplatz das sichere Ein- und Aussteigen an einer Busrampe.
In Bremen-Arsten erfasste eine Arbeitsgruppe des sozialen Arbeitskreises Obervieland bei einem Stadtteilspaziergang mit Ortsamtsleiter Michael Radolla konkrete Barrieren wie hohe Bordsteinkanten und fehlende SitzbĂ€nke. Ein vorangegangener Spaziergang in Kattenturm hatte bereits zu einer Bordsteinabsenkung gefĂŒhrt; weitere Begehungen in Habenhausen und Kattenesch sind fĂŒr das FrĂŒhjahr geplant.
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ErgĂ€nzend startet der TV 1862 UnterdĂŒrrbach am 29. September 2026 den Kurs "Aktiv im Alter mit Gestalt" fĂŒr Menschen ab 60 Jahren â zwölf wöchentliche Einheiten im Rahmen eines Programms der Friedrich-Alexander-UniversitĂ€t Erlangen-NĂŒrnberg, gefördert von der Vogel Stiftung Dr. Eckernkamp.
Rehabilitationsrobotik als neue Option
Neben klassischer PrĂ€vention gewinnt technologiegestĂŒtzte Rehabilitation an Bedeutung. Das Policlinico "G. Rodolico-San Marco" in Catania hat ein Zentrum fĂŒr Rehabilitationsrobotik gestartet, das sich an Patienten mit motorischen oder kognitiven Defiziten nach einem Schlaganfall richtet, mit besonderem Fokus auf die ersten sechs Monate nach dem akuten Ereignis. In der ersten Phase werden Behandlungen im italienischen Gesundheitssystem kostenlos angeboten.
Der Hersteller MindMaze Therapeutics kĂŒndigte zudem die EinfĂŒhrung von "MindMotion Lite" bis Ende 2026 an â eine tablet-basierte Lösung fĂŒr Neurorehabilitation zu Hause, die Telekonsultation und Fernbetreuung ermöglichen soll. Aktualisierte Leitlinien der American Heart Association und American Stroke Association aus dem August 2026 betonen die Bedeutung von Reha-IntensitĂ€t und VersorgungskontinuitĂ€t nach einem Schlaganfall.
Zusammengenommen zeigen die Initiativen, dass SturzprĂ€vention und MobilitĂ€tsförderung im Alter zunehmend als Zusammenspiel aus baulichen Verbesserungen, medizinischer Versorgung, AufklĂ€rung und technologischer UnterstĂŒtzung verstanden werden.
